Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Interaktiver WunschPORNO und Karamellkonfekt – Friends with Benefits Teil 3




Teil1 gab einen Einblick wie unsere Art das Sexualleben zu erweitern eine Ehe bereichern kann. In Teil 2 haben wir dann eine kleine Safari durch unsere gelebtenPhantasien gemacht und dort nicht nur die Schönheit der Natur entdeckt. Es geht weiter mit dem Versuch eine Schublade zu finden. Und wenn man keine findet baut man sich halt eine.

„Das kulturelle Tabu um Sex mit unseren Freunden hängt direkt mit der Vorstellung zusammen, dass Sex allein in monogamen, eheähnlichen Beziehungen stattzufinden hat. Wir hingegen halten Freundschaft für einen hervorragenden Grund, miteinander zu schlafen. Unserer Ansicht nach werden Freundschaften durch Sex zusätzlich gefestigt.“

Wo kann ich unterschreiben? Das Zitat stammt aus dem Buch „Schlampen mit Moral“ von Dossie Easton und Janet W. Hardy. Ich habe das Buch zufällig auf dem Couchtisch meines promiskuitiven Lieblingsschwulen Rick gefunden. Der Untertitel „Eine praktische Anleitung für Polyamorie, offene Beziehungen und andere Abenteuer“ macht mich neugierig.  Vielleicht liefert mir dieses Werk eine Definition für den Lebensstil, den wir nun schon seit mehr als zwei Jahren sehr glücklich und aus Überzeugung leben?

Beim Studieren der Kundenrezensionen bei Amazon entpuppt sich das Buch als eine Art Bibel für die Verfechter alternativer Partnerschaftsmodelle. Beim Querlesen suche ich allerdings vergeblich, einzig das oben stehende Zitat würde ich ohne Wenn und Aber unterzeichnen. Versuchen wir uns also selbst an der Beschreibung unserer Lebens- bzw. Liebensweise.

Kurz gesagt endet unsere Freundschaft nicht an der Bettkante. Mir reicht das aber nicht. Als wir vor ein paar Jahren beschlossen zumindest unser Sexualleben gelegentlich für dritte bzw. vierte zu öffnen, stellten wir uns das wie bereits erwähnt sehr einfach vor. Ist ja nur Sex, eine flüchtige Bekanntschaft, die unseren ästhetischen Ansprüchen genügt, wird wohl ausreichend sein.

Nach der Erkenntnis, dass sich eine Freundschaft rund um den Vierer durchaus bereichernd auswirken kann (auch weil die Suche nach dem Filetstück im Schlachtabfall bei jedem neuen Swingerclubbesuch entfällt wenn man seine Begleitung für den Abend schon mitbringt)  dachten wir unser Lieblingsstück vom Kuchen gesichert zu haben.

Nur irgendwie wurde uns der Kuchen mit der Zeit zu staubig und trocken – Gründedafür im Teil 2. Also kuckt man mal was noch so auf dem Tisch steht. Nicht das man irgendwann von diesem riesigen Stück Rührkuchen so satt ist das kein Platz mehr für Sahnetorte ist? Also weg mit dem Kuchen und her mit der Torte.

Wir treffen Sarah und Marco bei einem dieser zwanglosen Dates auf neutralem  Boden, dass nach virtuellem Beschnüffeln und beiderseits für gut Befinden per Email anberaumt wurde. Trotz kurzfristig bei einem Unfall im Rahmen des Eltern-Kinder-Freizeitsports zum Freitagabend abgebrochenen Schneidezahn Herrn Müllers sowie Sarahs gedankenlosem Tzatziki-Genuss zum Feierabend ohne Hinblick auf das abendliche Vorstellungsgespräch mit potentiellen Bettgenossen ist der Abend ein voller Erfolg.
 
Das vor uns sitzende Pärchen wirkt nicht als müsste es seinen altersbedingt sinkenden Marktwert durch materielle Ablenkungsmanöver wie der mediterranen Villa als Eigenheim  und dem Geschäftsführerposten aufbessern. Vielmehr erkennen wir beim Anblick der beiden unseren eigenen tatsächlichen Marktwert, den wir in der vergangen Zeit einfach nur verramscht haben. Die beiden sind zumindest schon mal der optische Deckel für unseren Topf.

Dank „Fuckbook“ (mehr dazu in Teil 2) sind die Intentionen auf beiden Seiten geklärt. Man sucht das Freundschaftsplus. Neben dieser Gemeinsamkeit entdecken wir im Gespräch noch mehr Schnittstellen. Vom gemeinsamen langjährigen Arbeitgeber der beiden Männer über unsere Vorliebe für eigenwillige Couchgenossen im Fellkleid bis hin zu ähnlichen Ess-, Trink und Feiergewohnheiten. 

Marco bringt es in einer dieser unangenehmen Gesprächspausen auf den Punkt und durchbricht das Schweigen mit den bedeutungsschweren Worten „Joooaaa, sympathisch…“ – „Wir sind im Reeeeecaaall!“ schießt es mir in diesem Moment durch den  Kopf. 

Da wir ja alle ganz anständig das umfassende Kennenlernen vor dem ersten Körperkontakt favorisieren, planen wir  ein weiteres Treffen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Nahrungsaufnahme am nächsten Wochenende. Nach ergebnisloser Diskussion zur Wahl der Location stellen wir in der zweiten Wochenhälfte gemeinschaftlich fest, dass das Essen im Swingerclub doch eigentlich auch recht gut schmeckt.

Es bleibt alles ganz anständig, man beschränkt sich nahezu ausschließlich aufs Nebeneinander, trotzdem macht das Gesehene und Gehörte und natürlich das „zufällig“ Gefühlte Lust auf meeeehr Miteinander. 

Nach dem Kennenlernen auf neutralem Boden und feucht abwischbaren Club-Matratzen kam der Sex und danach die Freundschaft und mit ihr kam noch besserer Sex und eine noch bessere Freundschaft.

Dem eigenen Partner beim Sex mit einer anderen Frau erleben ist wie ein ganz persönlicher Wunsch-LIVE-Porno, vorausgesetzt natürlich die Chemie unter ALLEN Beteiligten stimmt. Mal ehrlich: vielleicht macht es uns scharf wenn wir solche Filmen kucken aber der „anspruchsvolle Zuschauer“ wird immer wieder etwas an den Hauptdarstellern entdecken, das seiner persönlichen Lust abträglich ist, seien es Fingernägel, Silikonmöpse, bescheuerte Tattoos oder „Wortbeiträge höchster Schauspielkunst“ a la „Warum liegt hier Stroh?“. 

Hier vögeln nun zwei Personen die man selbst sexuell UND menschlich äußerst attraktiv findet, außerdem kann man jederzeit ins Geschehen „eingreifen“, die Handlung quasi lenken. Klingt doch reizvoll, oder? 

Nicht nur der tatsächliche Sex bereichert solch eine Freundschaft sondern auch der den man hatte: man kann den nämlich wunderbar im Dirtytalk mit dem eigenen Partner auswerten. Der den man gedanklich hat bzw. gerne hätte, sorgt für genauso  angenehmes Kribbeln unterhalb der Bikini-Linie. Und in manchen Situationen ist gerade der Sex den man nicht haben kann der der dich am schärfsten macht.

Zum Beispiel wenn die Kinder eine Etage höher schlafen, man unverfänglich zusammen coucht aber viel lieber in einer wilden Orgie über einander herfallen würde, es aber nicht tut, weil die Folgen eines kindlichen Traumas für die nächtlichen Klo-Gänger wohl noch verheerender wären als nur die eigenen Eltern beim Sex zu hören oder gar zu sehen (Ich denke die Mehrzahl der Leser weiß wovon ich spreche. Also MEINE Eltern haben UND hatten NIE Sex. Auf keinen Fall. Hallo?)

Wir sind nun seit langem nicht nur in der Horizontalen ein Team. Eigentlich gehört das jeweils andere Pärchen zur Familie. Egal ob Schulanfang, Hochzeit, Umzug, Urlaub, Grillerchen oder Besuch am Krankenbett – jeder ist immer mit dabei. Wir bezeichnen das als die Quattro-Ehe (übrigens von einer „Standesbeamtin“ die so echt war wie ihre Wimpern im Jahre 2016 im Rahmen der CSD-Abschlussparty persönlich getraut). 
Ein Paar „geht eine Bindung ein“ mit einem Paar, mit ALLEN „Verpflichtungen“ wie sie Partner sonst auch haben: Sex (nur weil der hier an erster Stelle steht heißt das nicht… blablabla), in guten wie in schlechten Zeiten und natürlich Treue. Übrigens gibt es auch maßvolle Eifersucht wie in jeder „guten“ Beziehung auch. Aber nicht auf einander, sondern – wie könnte es anders sein – auf andere Paare.
Streng genommen passt darauf weder die gängige Definition von Polyamorie noch die der offenen Beziehung.
  
Wir leben in einer modernen Gesellschaft, bestehend aus verschiedensten sozialen Konstrukten. Die klassische Ehe wird zunehmend in Frage gestellt. Darüber habe ich in einem der vergangenen Posts schon einmal geschrieben (Hier klicken). Es gibt Patchworkfamilien, Homo-Ehen, Ein-Elternfamilien, Singlehaushalte, unzählige „wilde Ehen“ (hübscher Begriff, auch wenn er antiquiert klingt)  und wer weiß was sonst noch.

Ich esse immer erst das Karamell-Konfekt in der Colorado-Tüte und dann den Rest. Will heißen: suchen wir uns das aus der  bunten Vielfalt heraus, was uns am glücklichsten macht und schätzen wir den Rest trotzdem. Mein Konfekt ist die Quattroehe.

Nächste Woche Mittwoch, am 25.01., gibt’s dann den vierten und letzten Teil der Reihe „Friends with Benefits“. Es bleibt die Frage WARUM das alles so gut funktioniert. Ich hab’s mit „einer Art Mathematik“ und wie gewohnt bildhaften Vergleichen versucht. Ihr dürft gespannt sein.

Für mehr "Philosophie" diesseits und jenseits der Bettkante folgt mir auf Fuck- HALT! Facebook ,-)








Mittwoch, 11. Januar 2017

Routenplaner in die Sex-Prärie – Friends with Benefits Teil 2


Ich habe letzte Woche über eine gesunde Dosis Junk-Sex (Was ist das eigentlich?) und seine positive Auswirkung aufs Beziehungsleben geschrieben (Hier klicken). Interessierte dürsten jetzt möglicherweise nach einer Bauanleitung für einen gesunden Beziehungs-„Ernährungs“-Bauplan oder einfach nur nach schlüpfrigen Details.

Da unser Sexualleben etwas Lebendiges ist und es daher wächst und sich weiter entwickelt, beschlossen wir vor geraumer Zeit unsere vorher jahrelang ins Ohr gestöhnten Phantasien in die Tat umzusetzen. Frau Müller stand der Sinn nach einer Frau. Im  Nachgang muss ich sagen: Frevel wer es noch nicht mal ausprobiert. Ladys, ihr verpasst was.

Gentleman wie Herr Müller eben ist, hätte und hat er mich auch allein Erfahrungen sammeln lassen. Tiefer unten in unseren stillen aber schmutzigen Phantasiegewässern dümpelten allerdings auch diverse Mann-Frau-Frau-Konstellationen umher. Bei genauerem Überlegen dachte ich mir innerhalb meines „Anfängerhorizontes  der Sexualprärie“, dass wohl eine Single-Frau in unserem Bett immer eine latente Gefahr im Leopardinnen-Gehege darstellt. Vielleicht doch lieber gleich ein Pärchen mit den gleichen Wünschen und Vorstellungen?

Dazu kommt dass Frauen, die das verpflichtungsfreie Abenteuer mit Paaren suchen echte Mangelware sind. Frauen die für Selbiges nur Frauen suchen werden auf Dauer anstrengend wenn man in einer festen Beziehung lebt.

Woher ich das weiß? Nun, wie es für Selbstmordwillige, Heimwerker, Essgestörte und Veganer diverse Foren im Internet gibt, existiert so etwas natürlich auch für die Cowboys und Girls des Geschlechtsverkehrs.

Man erstellt sich ein sogenanntes Paarprofil, zeigt sich von seiner allerbesten Schokoladenseite und legt dabei den Fokus eindeutig NICHT aufs Gesicht. Dazu ein paar Zeilen wie dreckig man es haben will aber was für ein gepflegter bodenständiger und intelligenter Mensch man dennoch ist, garniert mit einem Vorlieben-Voting von A wie Analsex über N wie Natursekt bis hin zu Z wie Zuschauen (lassen). Zu guter Letzt noch die technischen Daten bei denen Alter, Gewicht und Größe dem allgemein-ästhetischen Normbereich entsprechen sollten und schon rappelts im virtuellen Postkasten.

Leider gab es für Frischlinge wie uns keinen Anfänger-Leitfaden und so wird man leichte Beute für die ausgehungerten Wölfe des Kampfswinger-Rudels die nur auf die orientierungslosen Neulinge warten. Es folgt ein nettes Anschreiben mit kleinen Anzüglichkeiten, Komplimenten und der Bitte um ein „zwangloses Treffen auf neutralem Boden“. 

Im Hipster-Café der nächsten Stadt trifft man sich am Sonntagnachmittag um die Wellenlängen abzugleichen mit einem Pärchen, das im ersten Augenblick einen ähnlichen sexuellen Werdegang zu haben scheint wie man selbst, bei genaueren Hinschauen aber ganz einfach schon verdammt abgewirtschaftet ist.

Bei diesem Vorstellungsgespräch geben sich die Jäger allergrößte Mühe den Gejagten das zu erzählen, was sie in ihrer situationsbedingten Mischung aus Neugier, Unsicherheit und Wollust hören wollen. Alles hört sich so einfach an und FLUTSCH findet man sich ein paar Tage später mit den beiden Aasgeiern im Swingerclub wieder.
Tatsächlich habe ich im Swingerclub NIE eine Maske getragen (aber die Klischees wollen schließlich auch zu ihrem Recht kommen). Masken braucht man nur zu speziellen Veranstaltungen... oder wenn RTL2 dreht ;-)
Die Alarmglocken hätten schrillen sollen als unsere Begleiter die Barkeeperin dutzten und alle anderen per Handschlag locker „abkumpelten“. Der erste Versuch wurde LEIDER ERST IM NACHHINEIN als gescheitert betrachtet, weil die Erwartungen aller Beteiligten wohl doch nicht so traumhaft zu einander passten wie uns beim zwanglosen Erstbeschnuppern von den Wölfen suggeriert wurde. 

Ein zweiter Versuch wurde gestartet – mögliche Störfaktoren ausgeschaltet (die Atmosphäre sollte privater sein) – das Ergebnis war das Gleiche. Wir betrieben Fehleranalyse bei uns: Sollten wir es vielleicht doch laaaangsamer angehen? Sind wir nicht so „abgebrüht“ wie wir dachten und fällt es uns doch schwerer unseren geliebten Partner sehenden Auges und hörenden Ohres mit einer fremden Person zu teilen? Zu Gunsten unseres eigenen Spaßes????? 

Fragen über Fragen und eine  naive Frage von uns: „Habt ihr vielleicht Lust mal mit uns Essen zu gehen?“ Die Antwort darauf kam prompt: „Dafür fehlt uns die Zeit wenn’s danach keinen Sex gibt!“     Aaaaah, okay. Dem Frischling steht der Mund offen. Das war’s dann wohl mit Wellenlänge und so. Als hochentwickelte Individuen lernen wir aus unseren Fehlern und wussten nun was wir NICHT wollten:
… Junksex als die einzig sinnvolle Freizeitbeschäftigung
… Reduktion auf unsere primären Geschlechtsmerkmale
… als Fickkontakt  wie ein Pokemon Teil einer großen Sammlung sein
… oder als Kerben am Bettpfosten die Trophäensammlung ergänzen
… "Freundschaftspunkte" durch Fickbarkeit sammeln
… menschliches Antidepressivum und Mittel zur Selbstbestätigung sein

Nächster Versuch. Diesmal wollten wir die ersten im Swingerclub sein. Am Rande: Swingerclubs sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Zumindest einige. Es kommt natürlich immer darauf an mit welchen Erwartungen man hingeht.

Aus der nächsten Bekanntschaft wurde sogar eine Freundschaft über die berühmte Bettkante hinaus bis wir drei Dinge erkannten

Erstens unseren wahren Marktwert: als Rosinen im Kuchen sollten wir nach den anderen Rosinen suchen. Staubtrockenes Mehl gibt’s im Kuchen ja genug.

Zweitens: wenn die Intentionen des Junksex bei beiden Paaren auseinander gehen gibt es langfristig kein Happy-End. Für uns war UND ist es eine Erweiterung unserer sexuellen Möglichkeiten. Zu viert kann man Sachen machen, die zu zweit einfach nicht gehen.

Genauso ist es mit Frauen. Die können einfach Sachen, die Männer nicht können. Für dieses Paar waren wir die Orchidee in der eigenen (Gänse)blümchensex(wiese). Wenn der Sex vor dem Vierer/Partnertausch scheiße war, wird er danach auch nicht besser. Im Gegenteil. Noch mehr Unzufriedenheit ist das Ergebnis.

Und darauf folgt unweigerlich die dritte Feststellung: wenn der Erfolg einer gemeinsamen Unternehmung davon abhängt ob man sich mit zerwühlten Haaren und verschmierten Make-up voneinander verabschiedet wobei der Worst Case der Sex mit dem EIGENEN Ehepartner ist, dann ist das auch nicht so unser Ding.

Wie das Sprichwort sagt sind alle guten Dinge bekanntlich drei und unsere No-Goes bekamen bei unserer dritten Bekanntschaft endlich die Chance sich im positiven Sinne zu manifestieren. Es keimte in uns die Erkenntnis, dass wir wohl keine Swinger sind, wenn man Swinger als Personen definiert, die gerne im Einvernehmen unverbindlichen und sehr anonymen Sex haben, häufig innerhalb Partnerschaften.

Das sogenannte Freundschaftsplus gibt uns mehr, sind wir doch die versauten und dennoch intelligenten Menschen, die auch mal den Kick genießen eben heute mal keinen Sex mit dem Pärchen neben sich zu haben und dennoch zu wissen dass man könnte wenn man wollte weil die Wellenlänge wirklich stimmt.

Ist es nicht viel entspannter zu wissen, dass man einen echt geilen Vierer mit wirklich kompatiblen Menschen haben kann, quasi wann man möchte, als jedes Wochenende aufs Neue in den Swingerclub zu rennen um sich nach dem Motto „Lieber widerlich als wieder nich“ das ansehnlichste Stück aus der (Gammel)-Fleischtheke anzulachen?

Nächste Woche Mittwoch, dem 18.1., gibt’s unsere Kennenlerngeschichte mit Sarah und Marco, unserem Tor 3 im „GEH AUFS GANZE für sexuell Aufgeschlossene“. Über den Zonk in Tor 1 und die Reise ins beschauliche DeathValley hinter Tor 2 habt ihr heute gelesen. Wie gut dass wir gezockt haben und uns nicht mit Tor 2 zufrieden gaben….

Bis dahin alltäglich (Un)alltägliches aus meinem Alltag hier auf Facebook.

Mittwoch, 4. Januar 2017

„Junksex“ und Dinkelbrot – Friends with Benefits Teil1


Im Teil 1 der vierteiligen "Friends with Benefits"-Reihe unternehme ich zunächst den Versuch zu erklären, warum Ehe meiner Meinung nach nicht unbedingt in die Altkleidersammlung gehört und beim Sex die Vielfalt nicht nur von der Stellung kommt. Oder reicht es euch, wenn ihr bei eurem allabendlichen Salat einfach den Sitzplatz am Tisch wechselt? 

Ich habe kürzlich im Radio eine Diskussion über das Für und Wider des Partnerschaftsmodells „Ehe“ gehört. Die Gegner nennen sie antiquiert, nicht zeitgemäß für eine Gesellschaft die so schnelllebig ist wie die Unsere. Stichwort Generation Y. Natürlich macht sich auch Frau Müller ihre Gedanken über soetwas. Ich gehöre zu den Ehe-Fans.

Meine Ehe ist eine überaus Glückliche. Das könnte aber auch daran liegen, dass unsere Art Ehe zu leben nicht unbedingt in allen Merkmalen der konventionellen Vorstellung von Ehe entspricht. Was wir vom „alten Modell“ übernommen haben, ist sicherlich einerseits der romantische Gedanke der lebenslangen Bekenntnis zueinander.

Eine Freundin hat mir mal diese hässliche Frage gestellt: „Denkst du, er ist der richtige für mich?“ – Ich habe mit einer Gegenfrage geantwortet: „Fühlst du dich mit der Vorstellung wohl, mit 67 abends neben ihm in Jogginghose auf dem Sofa zu sitzen?“ Wenn man bei diesem Gedanken nicht ins Zweifeln kommt, dann kann man meiner Ansicht nach getrost JA zum Antrag sagen.

Unsere Eltern, denen ich übrigens für ihre Art von Mitgift, uns ein wirklich funktionierendes Ehesystem vorzuleben, sehr dankbar bin, lagen uns mit „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ in den Ohren. Ich muss sagen, sie hatten Recht (wenigstens da - trotzdem sind vom Schielen nie meine Augen „stehen geblieben“ oder ist mein Hintern durch Verschlucken von Kaugummi zugeklebt). 
 
Die Ehe war für uns sozusagen die Belohnung für die gemeisterten Hürden in über zehn gemeinsamen Jahren. Kinder, Ausbildung, Studienabschluss, Bau: wenn man weiß, dass man auch in stressigen Zeiten zusammen funktioniert, dann kauft man die Katze nicht im Sack. 

An dieser Stelle unterscheidet sich unsere Ehe schon vom klassischen „Hochzeit-Hausbau-Kind“-Modell. Und an einem weiteren ganz entscheidenden Punkt wird UNSERE Ehe-Interpretation zu etwas Individuellem.

Wie fange ich es an. Vergleichen wir mal Sex mit Essen. Ich denke, da beides zu den Grundbedürfnissen im engeren und weiteren Sinne gehört, ist das gar nicht so weit hergeholt. Über die Auswirkungen des Verzichts auf eins von Beiden auf die Existenz lässt sich definitiv streiten und hier gibt es sicherlich individuelle Unterschiede.

Grundsätzlich lässt sich aber festhalten: man kann auf Beides vorübergehend verzichten – mit empfindlichen Auswirkungen aufs Wohlbefinden. Befriedigt man das Bedürfnis, geht es einem ausgezeichnet, besonders wenn man länger abstinent war. Hat man zu viel davon, kann sich dies kurzfristig negativ-positiv aufs körperliche und seelische Wohl auswirken.

Wir erleben das entweder als Fresskoma 
Dieser Zustand in dem man sich befindet, wenn man nach dem Besuch beim Lieblingsgriechen mit gefährlich gespannter Bauchdecke reglos auf dem Sofa versacken will und auf den möglichst sanft eintretenden Tod durch Überfressen wartet.
oder als Vögelgrippe.
Meist  am Sonntag nach einer wilden Nacht. Man verbringt den Tag im Bademantel ungekämmt und vor allem ohne Slip – Reibung unbedingt vermeiden. Montag dann leichter Muskelkater im Arm- und Schulterbereich.
 
Langfristig führt einseitige Ernährung bzw. einseitiger Sex zum Tod. Entweder durch Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit bzw. durch die Fremdgehfolgen. Der Trick für ein langes (Beziehungs-)Leben ist Ausgewogenheit. Und hier ist wieder der Vergleich. Sex mit dem eigenen Partner ist die gesunde ausgewogene Vollkost, sie schmeckt uns immer gut und beschert uns ein gutes Körpergefühl.

Ein anderer Partner in diesem System wirkt wie Junkfood: Pizza, Süßkram, Schokolade - eigentlich alles mit zu viel Kohlehydraten. Man weiß, dass es nicht korrekt ist, aber man stürzt sich darauf wie ein Aasgeier, schlingt es in sich hinein und fühlt sich dabei ganz wunderbar. Isst man diese Gewissenskiller nicht zu oft, dann bleibt es immer wieder ein Highlight.

Wenn man natürlich ständig „junk-vögelt“ dann schmeckt „vollwert-vögeln“ irgendwann nicht mehr. Man braucht immer mehr Zuckerzeug und irgendwann stirbt der Patient an Fettsucht.

Was ist jetzt richtig? Immer nur Vollwert? Damit man irgendwann mit 102 Jahren in einem gesunden Körper stirbt, aber nichts erlebt hat außer gegrilltes Bio-Hähnchen, gedünstetes Gemüse und selbstgebackenes Dinkelbrot? Auch der ausschließlich reformhäusisch ernährte Körper stirbt – aber womöglich mit der Erkenntnis, nie Schwarzwälder Kirschtorte oder ein Snickers genossen zu haben.

Ich meine, JA – gesund ist lecker. Aber wenn ich wüsste, dass ich NIE etwas anderes essen darf, dann würde ich Panikattacken bekommen. Man muss sich beides erlauben. Niemand fühlt sich wohl als Geisel seiner eigenen Regeln.

Was hat jetzt das eine mit dem anderen zu tun? Natürlich würde man sich selbst sofort das Recht auf Junkfood einräumen, aber gönnt man diese gelegentlichen Exzesse auch seinem Partner? Wenn man liebt, sollte man ja gönnen können. Sagt sich so leicht. Aber schafft man das auch? Frau Müller kann das. Und ihr Mann zum Glück auch.

Der Trick ist, sich gemeinsam den Bauch voll zu hauen. Und gemeinsam fremd“junk“vögeln. Dann kann keiner dem anderen mit der „Was hast du nur getan“-Leier kommen.

Und noch eine Gemeinsamkeit der Bedürfnisse „Essen“ und „Sex“ macht man sich hier zu Nutze. Meistens schmeckt es in GUTER Gesellschaft besser. Es kann sogar unglaublich appetitanregend sein.

Halten wir ohne Umschweife, bildhafte Vergleiche und Parabeln fest: wir haben gerne (und regelmäßig) Sex zu viert. Uuuuuh, denken die Einen, das hätte ich auch gerne. Haha macht es bei den Anderen, schreiben kann man ja viel. Und iiiiih, denken alle die glauben, dass Sex ohne Liebe nicht funktioniert. 

Also ich liebe gesunde Vollkost, mit ihr geht’s mir echt gut, aber so ein Döner zwischendurch ist schon extrem geil. Bleiben die Uuuuh- und Haha-Leute, die an dieser Stelle nach Details hungern. Dazu bald mehr.

Die Tatsache, dass wir uns BEIDE unter bestimmten Bedingungen „Junk-Sex“ erlauben und damit die gängige Vorstellung von Monogamie an unsere Bedürfnisse anpassen, hat unserer Ehe keineswegs geschadet, sondern sie eher bereichert.

Wir führen nicht eine Ehe sondern „unsere Ehe“. Und die läuft ziemlich rund. Wir würden es übrigens immer wieder tun, also heiraten… und zu viert vögeln auch. Wenn man aus der Ehe das macht, was einem gefällt und nicht das was die Gesellschaft gerne hätte, dann ist sie auch gar nicht so schlecht.

Im zweiten Teil nehme ich euch im Artikel "Routenplaner in die Sexprärie" mit auf eine kleine Reise in unsere mittelfristige Vergangenheit und damit in die Krabbelphase unseres neuen Sexlebens. 

Und hier alle Links der Reihe:
Teil 4 "Was Mathe, Memory und Sex gemeinsam haben" . 
Das Resüme gibt es HIER.
Und unter dem Suchbegriff "Quattroehe" gibt's noch mehr.... 

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