Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Der FREAK in uns - Menschen und ihre Macken



Hinweis: unter Macken fasse ich alles zusammen was man unter seltsamen Angewohnheiten, den Alltag beeinflussenden Überzeugungen, ungewöhnlichen Abneigungen  oder „kleinen Neurosen“ einordnen kann. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.


Auch für diesen Artikel habe ich gewohnt wenig recherchiert. Recherche ist etwas für seriöse Blogger, die Mehrwert bieten möchten. Wenn wir Seriösität als Authentizität interpretieren, dann bin ich wiederum seriös. Recherchiert hab ich trotzdem nicht. Das könnt ihr selbst. Ihr wisst ja wie Google funktioniert. Bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit einer Quelle kann ich euch nicht behilflich sein. Diese meine hier ist sehr glaubwürdig, denn ich habe ja nicht recherchiert. Genauer gesagt beschränkte sich meine Recherche auf das Posten einer Frage, die sich mir so spontan und unüberlegt stellte, wie die meisten Gedanken, die es in Frau Müllers Timeline schaffen, die darauf erhaltenen Kommentare sowie auf meine überdurchschnittlich ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstreflexion.
 

Die Resonanz auf die Frage veranlasste mich dazu, diesen extra Blogartikel zu schreiben. Viele Kommentatoren erklärten sich (etwas off-topic) klar einer „Aufsteh-Partei“ zu: 
es stehen die überzeugten Schlummerer (im Schnitt 30 bis 45 Minuten Schlummerphase in 10 bis 15 Minuten-Abständen, ich gehöre auch dazu) 
gegen die Gruppe „Schlafen bis an den Anschlag“ (also die die mit dem ersten Weckerklingeln aus dem Bett hüpfen). 
Ein Mitglied aus der Gegenpartei für die eigene Sache zu gewinnen erscheint nahezu unmöglich, haben doch beide Gruppen einleuchtende Argumente für ihr Verhalten.

Just in diesem Schreibmoment drängt sich mir der Begriff „senile Bettflucht“ ins Hirn. Ich bin ja nicht parteiisch aber sind diese Kamikaze-Aufsteher womöglich irgendwie „alt“? Wobei, besonders sehr junge Kinder sind ebenfalls dafür berüchtigt, gerne sehr früh aufzustehen. Bewegen sich also Anschlags-Schläfer auf einer Art „Aufsteh-Konstante“ durch ihr Leben während die Schlummerer ihr Aufwach-Verhalten mehr als eine Parabel durchleben. Dazu gibt es sicher jede Menge seriöse und glaubwürdige Studien voller rationaler Erklärungen und vor allem auch guter Ratschläge und Argumente für oder gegen eine der beiden Lebenseinstellungen.
  
Eigentlich ging es bei meiner Frage um die rational nicht erklärbare Vorliebe der Menschen für glatte Zahlen. Warum lassen wir uns lieber zu „runden“ Uhrzeiten wecken? Warum tanken wir lieber „glatte Summen“? Es meldeten sich sogar Menschen zu Wort, die bei der Einstellung der Lautstärke an Radio oder Fernseher auf Teilbarkeitsregeln achten. Wahrscheinlich hat auch das etwas mit der frühen Kindheit zu tun, in der wir die Zahl 5 unterbewusst als „magisch und kraftvoll“ erleben. Mathedidaktiker und Primarpädagogen dürften wissen was ich meine.
   
Zahlaspekte scheinen allgemein mit vielen netten kleinen Zwängen belegt zu sein. So wurde von einem Menschen berichtet, der grundsätzlich nur Termine vergibt, die auf die Zahl 6 enden. Das soll Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Geladenen haben. All das sind Dinge die wir zumeist beeinflussen können, also quasi selbst den WohlfühlFAKTOR beeinflussen können.

Was wird jedoch, wenn diese „Macken“ direkte Auswirkungen auf unser Umfeld haben? Es meldeten sich Personen, die sich neben einer Begleitung nur richtig wohlfühlen wenn diese Person links von ihnen geht. Wenn diese Leute aufeinander treffen, was dann? Eine Zukunft hat diese Verbindung wohl kaum.

Außerdem sind da noch die Aufräum- und Deko-Neurotiker, die an alle Kanten und Anordnungen das visuelle Geodreieck anlegen und überall nachjustieren müssen – oder es lieber gleich selbst machen. Auch für diese „bunten Vögel“ ist sicher nicht jeder Zeitgenosse eine angenehme Gesellschaft. Ich habe neulich von einer Tinder-Version gelesen, die die Hates von potentiellen Pärchen miteinander abgleicht. Wäre es nicht sinnvoller die Macken und Neurosen von Menschen aufeinander abzustimmen?

Schon einmal hat ein Post zu einem ganz anderen Thema recht viele versteckte Freaks unter den Lesern aus der Passivität gelockt. Es ging dabei um das sogenannte Unterwäsche-Karma, also der Überzeugung, dass das „Untendrunter“ Auswirkungen auf das Gelingen des individuellen Tagwerks hat. Dabei gibt es Untergruppen. Manche Personen haben ein oder zwei bestimmte Teile, denen sie ihre Erfolge attribuieren. Wieder andere achten auf harmonisches Miteinander von BH und Slip. 

Ich selbst gehöre auch zu dieser Gruppe von Personen, die an bestimmten Tagen besonders auf die Unterwäsche-Auswahl achtet. Und dabei meine ich nicht die Tage oder aber die Tage, an denen man Aus- oder Absicht auf Sex hat. Ich rede von Tagen an denen Vorstellungsgespräche, Prüfungen, Feierlichkeiten, besondere Neuigkeiten oder ungewohnte Aufgaben auf uns warten.

Eine Mitschülerin hat einmal ihre vergeigte Fahrprüfung einzig damit begründet, dass sie ihre Wäsche an diesem Tag nicht im Set getragen hat. Später im Studium erschien eine Freundin zu jeder Prüfung mit ihrem sogenannten „Glücks-Schlüppi“ – untendrunter natürlich ;-). Auch ich ertappe mich häufig dabei über Geburtstage und die Schulanfänge meiner Kinder hinaus, auch an Wandertagen oder Elternsprechtagen, darauf zu achten, dass der Slip zum BH passt. Nicht weil ich vorhabe mich auszuziehen, nein - nur für das Gefühl. Wir Gläubige des Wäschekarmas tun das nur für UNS. Es gibt uns Sicherheit. Nicht wie der pseudoseriöse Blazer zum Termin, der dem Gegenüber den gewünscht vertrauenswürdigen Eindruck vermitteln soll. 

Der Rat der Großmutter einer weiteren Klassenkameradin verdeutlicht den Wandel, den dieser "Denk-Ansatz" im Laufe der Zeit erlebt hat: „Mädel, achte immer darauf was du unten drunter anhast, du weißt nie wo der Tag endet.“ Als generations-bedingte Pessimistin meinte sie damit mögliche Unfälle oder plötzlich erforderliche Nothilfe, die durch Behandlungsmaßnahmen die Wäscheauswahl zu Tage fördern. (Übrigens gehörte auch meine Oma zu dieser Generation. Sie überprüfte in regelmäßigen Abständen den Inhalt ihrer bereitstehenden Krankenhaustasche auf Vollständigkeit).

Nun, ich denke für die meisten Anhänger des „Wäsche-Karmas“ geht es heute allerdings um mehr als den Eindruck, welchen man bei potentiellen Ersthelfern halb entkleidet nach dem Herz-Kreislauf-Versagen hinterlässt.

Ich bin überzeugt davon, dass ich es durchs geschlossene Fenster schneien hören kann. Weitere Ausführungen dazu gibt es nicht. Es ist schlicht eine Gabe ;-). 
Außerdem vertraue ich nie der Schlüsselfernbedienung des Autos und muss immer nochmal am Türgriff ziehen. Oftmals gehe ich sogar extra zurück zum Parkplatz und drücke ein weiteres Mal auf den Verriegelungsknopf, nur um mich durch das Blinken der Scheinwerfer zu vergewissern, dass das Auto wirklich verschlossen ist. 
Und weil wir gerade beim Auto sind: ich bin bekennende Autoschlampe. Mir gelingt es nicht Ordnung zu halten und ich "mülle" alles zu - Beifahrersitz, Fußraum, Mittelablage, Rücksitz, Kofferraum. Ich glaube das ist eine Art Markier-Verhalten ähnlich wie bei Hunden: hab's versaut - is meins. 

Vor dem Schlafen-Gehen schüttle ich alle Kissen und Decken im Bett auf um zu überprüfen ob sich auch keine Spinnen im Bett befinden. Wenn ich dann liege fühle ich mich nur wohl, wenn ein Fuß (oder das Bein) aufgedeckt ist - ich nenne es: Thermostat-Bein. Ach ja, ich habe außerdem eine ganz tiefe Abneigung gegen fremde Spül-Lappen...

Macken machen uns kompatibel mit den Menschen um uns herum – oder eben nicht. Sie sind wie ein Code. Wir stehen dann zu unseren „Abgründen“, wenn wir uns wohlfühlen. Sie machen uns viel mehr zu dem was wir sind als bunte Haare, Tattoos oder ein eigenwilliger Kleidungsstil.

Kurz: Ich habe keine Macken – ich habe SPECIAL EFFECTS.

Ich hoffe diesmal sehr, dass dieser Artikel anders als sonst, reichlich kommentiert wird und noch mehr Menschen „ihr dunkles Geheimnis“ preisgeben. Gemeinsam „freakt“ es sich doch viel leichter. Im Übrigen glaube ich, dass der wahre Wert dieses Blogartikels erst in den Kommentaren zu finden sein wird. Also voran: den Mutigen gehört das Kommentarfeld (einfach ein Stück weiter nach unten  scrollen)!!!!

Werdet Teil meiner intuitionsgeleiteten gesellschaftlichen Recherchen und folgt mir auf Facebook. 

Freitag, 10. Februar 2017

Herr Müller und "Die Uschi auf dem rosa Kissen" (Beitrag zur Blogparade)

Das Thema der Blogparade von Paula und ihrem Blog wasmansonichtsagendarf.ch ist ja nicht gerade ein typisches Müller-Thema und lange bin ich um diesen Artikel herum geschlichen. Frau Müller beschäftigt sich in der Regel entweder mit Schlüpfrigem oder Alltags-Banalitäten, selten auch mal mit Lehrertypischem. An etwas so fundamentales und tiefgreifendes wie „Dankbarkeit“ habe ich mich bisher nicht ran getraut. Mein Metier ist eher boshaftes Meckern, eine gesunde Portion Sarkasmus und gerne eine Prise Provokation. 

Und dennoch hat mich das Thema nicht losgelassen. Dankbarkeit. Ich bin meistens ein optimistischer und positiver Mensch, hatte im Leben kaum Hürden zu meistern. Schon allein dieser Umstand macht mich dankbar. Ich bin dadurch nicht blind vor dem Leben anderer. Wenn ich meinen „irrsinns-bedingten“ Größenwahnsinn ausschalte und zwischendurch immer mal wieder auf dem Boden ankomme dann wünsche ich mir nur eins: Dass alles so bleibt wie es ist. 

Die für mich wichtigsten Dinge zum Glück habe ich und möchte sie nicht hergeben. Daher sage ich zunächst: Danke ans Leben. Danke, dass meine Familie (noch) in einer Gesellschaft lebt, die uns schützt, dass wir nicht mit gegenseitigem Leid und Tod zurechtkommen müssen, dass wir nicht hungern müssen, dass wir geliebt werden.

Ich reflektiere mehr als der Durchschnittsmensch über das was ich bin. Und in schwachen Momenten habe ich Angst davor, dass mir das Leben irgendwann einmal sagt: Jetzt ist Schluss mit der „Eier-Schaukelei“. Jetzt bist du mal mit „Einstecken“ dran. Nicht immer die anderen. Dein „Liebesperlen-Konto“ ist aufgebraucht, jetzt gibt’s mal Zitronen. Nach dem Spaziergang der letzten Jahre kommt jetzt die Prüfung. Komme ich dann damit klar? Der Gedanke macht mir Angst.
 
Verglichen mit dem was andere Menschen in ihrem Leben ertragen müssen, ist meine Hürde wohl ein Kinderspiel gewesen. Und dennoch hat mein Burn-Out und die Depression Spuren hinterlassen. Erst haben sie sich jahrelang gut vor mir versteckt und waren trotzdem immer da. Dann wurde das Versteck zu klein und das was versteckt werden sollte immer größer. Heute kenne ich die Verstecke. Ich vertraue noch immer nicht ganz darauf, dass nicht doch wieder etwas lauert, muss ab und zu mal nachgucken. Meistens ist nichts da. Wie das Monster unter dem Bett, an das wir erst nicht mehr glauben wenn wir zum 100sten Mal nachgeschaut haben. Und wenn ich doch mal was finde, in den Verstecken von früher dann ist es klein und schwach, viel schwächer als ich HEUTE. Es lässt sich meistens schnell verjagen. Oder ich ignoriere es einfach eine Weile, wie es da so hockt und wartet dass es wächst. Nach ein paar Tagen wird ihm langweilig und es verschwindet. Hört sich einfach an – ist es aber nicht immer.

Zurück zur Dankbarkeit. Es gibt Spiele, die machen erst Sinn wenn man sie im Team spielt. Und auch beim Versteckspielen hat man bessere Chancen auf den Sieg wenn einem ein Mitspieler den Rücken frei hält, während man selbst den Gegenspieler sucht. Meinem Teamplayer möchte ich DANKE sagen. DANKE, Herr Müller.
Kann gut mit Tieren, ältern Damen ... und mir

Herr Müller ist seit über 15 Jahren an meiner Seite. Wir gehören wohl zu den Allerersten, die sich dank Schülerchat im weltweiten Internet kennenlernten, sich fanden ohne sich je gesucht zu haben und dann auch noch in benachbarten Orten wohnten. Damals waren die Umstände unseres Kennenlernens noch sehr besonders.

Er kannte und liebte das Ei zunächst mit Schale, dann kannte und liebte er es auch mit sehr brüchiger ja bröselnder Schale und er kennt und liebt das Ei jetzt, ganz ohne Schale. Er war es, der mir geholfen hat in dem „Gefühls-Auf-und-Ab“ die miese Laune von der Krankheit abzugrenzen, der mich ernst genommen hat und mit mir zum Arzt gegangen ist, der Erziehungsurlaub genommen hat um mir während meiner Prüfungen den Rücken frei zu halten obwohl ich immer sooo stark sein wollte und dachte, das alles alleine zu schaffen. Und das obwohl ich ihm in den „schlechten Zeiten“ so wenig Liebe entgegen gebracht habe. 

Auch jetzt ist das Leben mit mir noch kein Spaziergang. Manchmal, wenn sich die „Reste“ der Schale bemerkbar machen, dann lässt er mich einfach gewähren. Er lässt mich das „Nichts“ tun, worauf ich die meiste Lust habe, erträgt meine Einsilbigkeit und die Gefühlsausbrüche, den Familienalltag managed er einfach alleine.

Ich bin eigensinnig, oft selbstgerecht, launisch und ICH BIN heute EINE USCHI. Was zur Hölle ist eine Uschi, werdet ihr denken. Uschi ist für mich Synonym für ein verwöhntes Frauchen. Herr Müller liebt und hegt die Uschi in mir. Er lässt mich morgens länger schlafen, geht zuerst ins Bad und räumt dann sogar den Geschirrspüler aus. Er geht im Winter früher raus um das Auto abzukehren und die Scheiben abzutauen, ja sogar die Sitzheizung macht er mir an. Er würde sich nie mit mir ums letzte Stück Pizza streiten, er überlässt es einfach mir. Er erledigt meinen Papierkram und tätigt Anrufe auf die ich keine Lust habe. Er nimmt den ollen Zweitwagen und lässt mich mit der großen Kutsche fahren, er duldet sogar das Chaos das ich darin veranstalte. Er überlässt mir zu 99% aller Fernsehabende das Bestimmungsrecht, nicht zuletzt teilt er mit mir natürlich diese besondere Offenheit, die uns unsere andere Art der Beziehung (auch in sexueller Hinsicht) ermöglicht… .

All das ist für mich keine Selbstverständlichkeit, ich weiß das zu schätzen. Auch wenn es mir im Alltag nicht immer gelingt, ihm das zu zeigen. Ich setze das nicht voraus und er tut es nicht weil ich das so erwarte oder weil er gar Gegenleistungen erwartet. Er tut es einfach. Dafür (und natürlich noch für viel mehr) liebe ich ihn so sehr.

Müllers abends spät im Bett:
Frau Müller: "Schatz, hast du das gerade gehört. 
Da war was... unten ... ein Geräusch.
Herr Müller (schon halb schlafend): "Ich hab nichts gehört."
Frau Müller (lauscht immer noch): "Doch, wieder... hörst du das?"
Herr Müller (leicht genervt): "SCHATZ, soll ich mal kucken gehen?"
Frau Müller: "Ach, musst du nicht. War bestimmt die Katze."
Herr Müller steht auf und schaut nach.


Mir ist so viel Selbstlosigkeit manchmal unangenehm. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Herr Müller, wenn ihm das Schreiben liegen würde, in einer „Gegendarstellung“ jede Menge Gründe finden würde, warum er „seine Uschi so gerne auf ihrem rosa Kissen“ durchs Leben trägt.  
Danke Herr Müller. Danke dass du mir so oft die Angst vor der Zukunft nimmst weil ich weiß, dass das mit dir an meiner Seite schon irgendwie wird.

Der heutige Artikel hat in erster Linie eine Botschaft an Herrn Müller, an zweiter Stelle ans Leben. Ich möchte (wie auch in allen anderen Artikeln in denen ich über Besonderheiten unserer Beziehung schreibe) kein Richtig und kein Falsch definieren. So wie Menschen verschieden sind, sind es auch Beziehungen. Wir suchen uns den Menschen der zu uns passt (und mit dem jemand anderes vielleicht so gar nichts anfangen kann). Genauso sollten wir es auch mit der Art unserer Beziehungen halten…

Ihr dürft mir gerne auch auf Facebook folgen. DANKE 
   

Donnerstag, 9. Februar 2017

(K)eine Film“kritik“: 50 Shades of Grey – Teil 2 (Untertitel hab ich vergessen,war es vielleicht KAI-UWE?) – ACHTUNG: Spoiler



Hinweis: als Fan des Films macht einem die Lektüre des folgenden Artikel aller Wahrscheinlichkeit nach keine große Freude.
 
Ihr kennt sicher alle das Problem mit den Handtüchern. Packt man sie im Winter in den Wäschetrockner, sind sie wunderbar kuschelig und weich. Als ökologisch zumindest halb verantwortlich denkender Mensch bemerkt man die Ankunft des Sommers erst, wenn die Handtücher nach dem Trocknen in der Sonne auf der Leine Schürfwunden nach dem Duschen verursachen. Wenn dieser Film das Handtuch ist dann... keine Ahnung. Aber irgendwie musste ich an Handtücher denken.

Ich habe den Film zur Vorpremiere sehen dürfen. Anfangs war ich von so vielen Frauen und der herrschenden Stimmung dermaßen überfordert, dass ich Marco bat, mir seine getragenen Sportsocken zum „Dran-Schnüffeln“ vorbei zu bringen – quasi als Gegengift bei inhalierter Hormon-Overdose. Auf etwa 20 Frauen im Kino-Foyer kam ein Mann. 
Versteht mich nicht falsch, ich mag mein Geschlecht aber eine so große Anzahl von Frauen, vor allem im vorherrschenden Emotions-Modus, wirkt auf mich zu tiefst verstörend. Die wenigen anwesenden Männer konnten kein ernstzunehmendes Gegengewicht bilden. Es gibt Männer die versprühen Testosteron und es gibt Männer die wirken wie ein trockener Schwamm – es sprüht nichts aber jeden „Tropfen“ Östrogen saugen sie gierig auf. So viel dazu.

Dass neben dem Film noch ein genretypisches Rahmenprogramm auf mich lauert hätte man mir sagen müssen. Warum zur HÖLLE ein Vorprogramm. Dieser Film alleine reicht doch schon. Hätte ich das gewusst, hätte ich zusätzlich den Flachmann eingepackt. Mein Piccolo war leider schon leer nachdem Modells mit dem Charme von Schirmständern die Wäschekollektion für die schein-devote Kleinstadt-Hausfrau präsentiert und die Dildo-Fee ihre Goodie-Packages verlost hatte. Der tiefere Sinne des Auftritts einer Trümmer-Transe, welche ?Werbematerial? ins Publikum warf erschloss sich mir bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Im Vorprogramm machte ich dann auch Bekanntschaft mit meinem Sitz-NACHBARN. Nennen wir ihn Kai-Uwe um ihm ein Gesicht zu geben. Er hat auf mich so bizarr gewirkt, dass ich aus Verwirrung überlegt habe ihn anzurülpsen um damit seine neben ihm sitzende Freundin um ihren erhofften Sex zu bringen, da mein Rülps Kai-Uwe wohl nachhaltig anwidern würde.

Übrigens hat auch Sarah eine Bekanntschaft gemacht. Oder besser gesagt Sarahs Piccolo-Flasche. Nämlich mit dem Hintern von Kai-Uwes Freundin. Danach war Sarahs Flasche halb leer und ihr Maß dessen, was sie an dem Abend erdulden musste schon vor dem Vorspann überfüllt. Einen Bitchfight konnte ich dank beruflich erworbener Deeskalations-Strategien nur knapp verhindern. Sarahs einizige Motivation lag in Trümmern, Stimmungstiefpunkt.

 Kai-Uwe hütete sein Ticket wie seinen Augapfel. Jedoch nicht weil er es wie ich anfangs dachte in sein Poesie-Album kleben wollte sondern weil ihm die Seriennummer auf der Karte via Verlosung die Chance auf rosa Plüsch-Handschellen versprach. Die Enttäuschung des „Leer-Ausgegangenen“ nachdem alle „Rummelplatz“-Sextoys verlost waren, war für mich kaum zu ertragen. Vielleicht wird ihn seine Freundin zum Trost nach dem Film die vom Kino zur Verfügung gestellten pinken Kabelbinder anlegen. Dann wird es trotzdem noch ein schöner Abend für Kai-Uwe.

Er wirkte auf mich wie ein echter Cineast aus Leidenschaft als er kurz nach Beginn des Films bei einer den Bruchteil einer Sekunde dauernden Bildstörung wild gestikulierend seinen Unmut ausdrückte. Überhaupt war für mich schwer zu erkennen wer von diesem Pärchen nun der größere Fan war, schien es doch als konnte Kai-Uwe die Dialoge der Hauptdarsteller voraussehen. Er war mittendrin statt nur dabei…

Erinnert ihr euch noch an das Gefühl wenn ihr so im Alter zwischen 12 und 16 Jahren mit euren Eltern unverfänglich einen Film im Öffentlich Rechtlichen geschaut habt und sich plötzlich eine Sex-Szene auf der Mattscheibe abspielte? Ich kann es nicht genau beschreiben aber es ähnelte stark meinen Empfindungen angesichts der Nähe zu Kai-Uwe.

Noch im Vorspann ereignete sich mein Highlight des Abends: Sarahs Rülps… den sicher auch Kai-Uwes Freundin gehört hat. Versteht uns nicht falsch. Wir sind nicht irgendwie falsch sozialisiert. Aber in solch emotionalen Ausnahmesituationen passieren manchmal Dinge, die sich rational nicht erklären lassen.

So, nun noch kurz zum Film:
Gut fand ich Kim „Botox“ Basinger und die Filmmusik (ich bin allerdings leicht mit Trash zu beeindrucken, immerhin steh ich auch auf Sammeltassen und Leoprint).
Erotischster Moment war für mich eine Nahaufnahme von Christian Greys Unterarm – ich bin bekennender Arm-Fetischist.
Kotzmoment des Abends war der Heiratsantrag im Poolhaus, welches stark an ein holländisches Gewächshaus erinnerte. Bitte? Geht’s noch verstörend-klischeehafter?
Als Christians Psycho-Ex die hübsche Klinker-Wand in Anas Wohnung mit einem Einschussloch verziert erhöhte sich ein einziges Mal meine Herzfrequenz. Damit hat NIEMAND gerechnet. 
Aber warum bitte der Schuss und der Hubschrauber-Absturz? Die ganze Vögelei hätte es auch getan. Und bitte WENN Christian schon fünf Minuten nach seinem Hubschrauberabsturz im Nirgendwo blut-schweiß-drecksverschmiert wieder im Fahrstuhl seines Zig-Millionen-Penthouses auftaucht dann gehören da ja wohl Flammen, Funken und Rauch in den Hintergrund. Alles andere ist schlichtweg unglaubwürdig.

Christian wirkt auf mich bedauernswert. Soll er das? Oh. Sinn des Films verkannt. Ich habe einen ausgeprägten Hang für ehrliche Sadisten in sexueller Hinsicht. Christian eiert mir zu viel rum. Abgesehen davon wirkt der Gute nicht wie 27 sondern eher wie 36.
  
Und Ana? Mit ihr teile ich die Leidenschaft für roten Lippenstift, obwohl ihrer irgendwie immer verlaufen aussieht. Muss das so? Trägt man das jetzt so? Diese Frau, die angesichts Körbchengröße AA nie einen (ernstzunehmenden) BH trägt, wirkt genau wir ihr männliches Pendant wie ein aus Gips gegossenes Klischee ihrer eigenen Rolle. „Uh – ich habe eine Ponyfrisur und einen süßen Schmollmund, trage niedliche Kleidchen in Erdtönen zu meinen bequemen Slippern. Ich bin KLUG und unschuldig.“ – Sind wir das nicht alle? 

Da ich ja die Bücher nicht kenne war das Ende für mich eine kleine Herausforderung an die Phantasie. Ich stelle mir Teil 3 ähnlich wie die Fortsetzungen von SAW vor. Die Geächteten aus den vorangegangenen Teilen werden die „heimlichen Helden“ in der Fortsetzung. Da ist Anas Chef – der Schelm, der ihr ganz uncharmant an die Wäsche wollte. Und gleich zwei Verflossene von Christian. Einmal dieses bedauernswerte Psychomädchen mit dem Revolver und den aufgeschnittenen Pulsadern und dann Kim (Filmnamen hab ich vergessen), die so etwas wie Christians grausame Lehrmeisterin war und die auch nach Longdrink und Ohrfeige im Gesicht keine Mine verzieht (warum wohl?). 
Diese drei werden sich vermutlich in Teil 3 zusammentun und nach einem beispiellosen Gemetzel eine glückliche Dreiecksbeziehung führen. Von den perversen Spielchen die daraus resultieren berichtet Teil 4...
 
Nächste Woche startet „Die Schöne und das Biest“. Ich denke das werde ich mir anschauen.  
Zu guter Letzt nochmal Dankeschön UND ENTSCHULDIGUNG an Mandy. Auch wenn wir es dir nicht in Gänze gezeigt haben war es ein netter Abend – oder wie wir sagen würden: Das war scheiße. Das machen wir mal wieder. Ich hoffe du verzeihst uns unser wenig damenhaftes Verhalten und nimmst uns und den Flachmann zu Teil 3 wieder mit - nächstes Mal aber definitiv im Einteiler!

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