Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Donnerstag, 9. März 2017

SchMärz im Schloss: AUdienz beim Peitschenprinz TEIL 2

In Teil 1 (findest du hier) haben wir zunächst die eloquente Kristin und später ihren reichen Herrn Konstantin kennengelernt. Die beiden luden uns auf einen frivolen Abend in ihr Schloss ein. Nach einer aufregenden Woche und einem Rundgang, bei dem so einiges klar wurde, mögen die Spiele nun beginnen:
 
Konstantin öffnete die verzierte Flügeltür zum abgedunkelten Nebenraum. Ein schick gedeckter Tisch wurde durch Kerzenlicht erhellt. Wir bekamen unsere Plätze zugewiesen und während die Herren den Damen die Stühle zurechtrückten, fiel mein Blick auf die meinem Platz gegenüberliegende Kommode. Auf ihr lagen sorgfältig drapiert zwei Halsbänder mit einem Ring an der Vorderseite sowie zwei Ketten, die mittels Karabinerhaken offensichtlich dafür vorgesehen waren mit dem Halsband verbunden zu werden.


An Essen war für mich nicht ernsthaft zu denken. Das lag wohl nicht nur an dem Korsett, das mir zwar eine legendäre Taille verlieh und dafür sorgte dass ich saß und ging wie ein Mädchen der Kaiserzeit im heiratsfähigen Alter, mir dafür jedoch nur wenig Luft zum Atmen ließ. Nein, mein Magen rebellierte und sprach mit strenger Stimme zu mir: „Wenn du noch eine einzige Dattel im Speckmantel in mich reinzwängst, feierst du gleich ein Wiedersehen mit allen anderen Datteln!“

Die Herren an den gegenüberliegenden Tischenden versuchten weiterhin mittels „zwangloser Gesprächsführung zwischen Verkehrslage und Alphatier“ die Atmosphäre aufzulockern. Die Damen durften mit kleinen „Gesprächs-Streublümchen“ ganz ladylike mitreden. 
Und dennoch änderte sich die Stimmung fast unmerklich. 
Wahrscheinlich um meine Unsicherheit zu überspielen oder möglicherweise auch als hilfloser Versuch, auf diese bisher für mich völlig unbekannten Schwingungen im Raum zu antworten, rutschte mir eine flapsig bis sarkastische (inhaltlich jedoch irrelevante)  FrauMüller-Bemerkung heraus....
...
Dramaturgische Pause um entsetzt erwartungsvoll blickenden Gesichtern Raum zu geben.
....
Abruptes Schweigen und ein strenger Blick Konstantins trafen mich wie der Zeigestock den Lehrertisch in den letzten zwanzig Minuten der siebten Stunde Fach ETHIK. Wie das Kind, welches sich für sein Verhalten schämt und dennoch mit der Herabsetzung des wütenden Erwachsenen kaum umgehen kann, senkte ich den Blick. Ein hilfloses Grinsen, das letzte für diesen Abend, huschte mir kurz übers Gesicht. Dieses Lachen, das manchmal entsteht wenn wir emotional überfordert sind, für das wir aber keine Erklärung haben. Ihr kennt das vielleicht.

Kurze Zeit später hob der Hausherr die Tafel auf und bedeutete Herrn Müller mir eines der beiden Halsbänder anzulegen während er Kristin das ihrige umlegte. Die Karabiner klickten in die Ringe an unseren Hälsen und man führte uns die edle alte Holztreppe empor ins erste Obergeschoss. In der kleinen Halle, die sich an die Galerie anschloss, standen vor einem Kamin zwei antike Sessel. Konstantin bat Herrn Müller sich zu setzen, entzündete das Feuer im Kamin und schenkte einen Whisky ein. Ich achtete darauf was Kristin tat, sie schien für diesen Abend so etwas wie mein Vorbild zu sein, und stellte mich neben den Sessel, in dem Herr Müller Platz genommen hatte.

Es sind mir nur wenige Aussagen Konstantins wortwörtlich in Erinnerung geblieben. Eine davon ist diese:  
„Eine Frau muss für den Mann stets leicht zugänglich sein.“ 
Was er damit meinte zeigte er uns indem er Kristin seine Hand in den Schritt schob, was angesichts der Länge ihres Kleides ein Kinderspiel war. Tja, mein knielanger und zudem hautenger Rock zauberte mir zwar in Verbindung mit 14cm-Absätzen eine Hammer-Silhouette, erwies sich aber als nicht allzu „zugänglich“. Also wurde das Teil möglichst elegant, sofern überhaupt machbar, hochgewurschtelt damit auch Herr Müller mittels Kontrollgriff prüfen konnte ob denn seine Frau bereit sei.

Das Ganze schien ein Spiel nach der Art „Zuschauen und Nachmachen“ zu werden, garniert mit gestreng-fachmännischen Anmerkungen Konstantins. Offene Interessensbekundungen meinerseits wurden allerdings immer im Keim erstickt: 
„Eine Frau hat stets den Blick gesenkt zu halten!“ 
Ooookay. Diesen Satz würde ich an dem Abend noch öfters zu hören bekommen.
  
Nachdem die Whiskygläser geleert waren, die Zugänglichkeit ermöglicht und die Bereitschaft sichergestellt war eröffnete der dominante Konstantin mit der Stimme eines Mannes, der weiß dass die Menschen ihm zuhören (müssen), Runde 4: „Lasst uns nach nebenan gehen.“

Nebenan – das war ein Raum an dessen Ziegelwänden der Putz rundherum abgeschlagen war. In der Mitte ein großes schlichtes Bett, einige Kerzenleuchter und ein in seinem Urzustand belassener Dielenboden. Herr Müller wurde aufgefordert es sich bequem zu machen. Ich glaube er saß lässig auf der Bettkante. Ich durfte mich auf einen Stuhl setzen und hörte meine Füße deutlich aufatmen. So langsam dämmerte mir der tiefere Sinn von Kristins Frage. Dennoch hatte ich auf Zugänglichkeit zu achten – bedeutete: breitbeinig sitzen. Dieser vermaledeite Rock!

Während wir da so saßen und mehr oder weniger auf korrekte Körperhaltung achteten boten uns Konstantin und Kristin eine kleine Vorführung dessen, was sie als „ihr Spiel“ bezeichneten. Nachdem Kristin kniend mit gesenktem Blick vor ihrem Herren, der liebevoll und dennoch besitzergreifend seine Hand  auf ihren Kopf legte, ihre „bedingungslose Gefolgschaft“ schwor folgten Hiebe mit Hand und allerlei anderem Schlagwerkzeug. 
Kristin blieb nur oberflächlich unbeeindruckt. Ihr helles kurzes Seufzen nach den besonders harten Schlägen hallte von den nackten Wänden wieder. Ihr Hintern sah wenig später aus wie eine Art Strichliste. Man konnte die Korrektheit ihrer Antwort auf die Nachfrage Konstantins nach der Anzahl der Schläge daran abzählen. Von den lustfördernden Auswirkungen überzeugte er sich selbst mit einem professionellen Griff von hinten in ihren Schritt und kommentierte das Resultat seiner Kontrolle mit den Worten: 
„Ja, so hat es dein Herr gern.“

Durch die intimen Einblicke, welche sich mir trotz meines demütig gesenkten Hauptes boten, bekam ich die Antwort auf eine Frage, welche wiederum eine an mich gerichtete Frage Konstantins in mir aufwarf. 
Noch am Tisch fragte er mich: 
„Trägst du auch ein Schmuckstück?“ 
Unsicher und von der Situation überfordert stammelte ich irgendeine unverständliche Antwort in Richtung „Intimpiercing“. Ich ahnte vage, dass die Frage eine schlüpfrige Konnotation hat. Dabei versuchte ich einigermaßen erwachsen zu wirken. Ohne Erfolg natürlich. 
Bei Kristins Schmuckstück handelte es sich um einen sehr hübschen Analplug, der mir mit einem riesigen Schmuckkristall in allen Farben des Regenbogens entgegenglitzerte, während sie mit geöffneten Beinen, nach oben gestreckten Armen und nach hinten gebeugtem Po mit dem Gesicht zur Wand stand.

Nach etlichen weiteren Schlägen, einer fachkundigen Einführung in den Gebrauch von Nippelklemmen und einer wirklich eindrucksvollen Squirting-Vorführung (keiner fragte die unbehandelten Holzdielen...)
befand Konstantin es sei an der Zeit zu Runde 5 überzugehen. Er beauftragte Kristin mich nebenan zu entkleiden. Ich sollte nackt aber mit diesen geilen Schuhen zurückkommen.  
Fluch und Segen zugleich – auch ich würde gleich in derselben Haltung wie Kristin gerade eine kleine Ewigkeit vor dieser Wand stehen während Konstantin in regelmäßigen Abständen meine Körperspannung prüft und wenn notwendig einfordert. Andererseits ist eine Frau so nie wirklich nackt – mit DIESEN Schuhen behielt ich das letzte bisschen Selbstsicherheit.

Nach unserer Rückkehr in den Ziegelraum hatte auch ich zunächst niederzuknien (denkt auch mal jemand an das rote Veloursleder meiner Schuhe?). In dieser Haltung teilte mir Konstantin die wichtigsten Spielregeln mit. Zwar nicht völlig ohne jede Vorerfahrung und dennoch als Jungfrau einer solchen Szenerie bekam ich unter Einhaltung meiner Verhaltensregeln Kostproben diverser Schlaginstrumente und Klemmen, während sich Kristin im Auftrag ihres Herrn um seinen „Gast“ (Herrn Müller) kümmern sollte.

Der Ästhetik-vernarrte Konstantin erfreute sich wenig später (vermutlich ebenso wie Herr Müller) an den optischen Reizen, welche das Kraft seiner Dominanz angeordnete Frau-Frau-Spiel zwischen Kristin und mir hervor brachte.  Er gab Herrn Müller sogar eine kleine Kostprobe seiner Fesselkünste indem er uns Frauen kurz aber kunstvoll miteinander verschnürte. Als Konstantin die an mich gelehnte Kristin mit einem Dildo in Richtung gefühltes Finale führte, fiel es mir angesichts ihres ekstatischen Körpers und meiner schmerzenden Fußballen schwer, die geforderte Körperspannung aufrecht zu erhalten. Nicht vergessen: „Hintern raus!“ - sonst gibt’s Schläge.

Runde 6 war wie der Name schon sagt Sex. Eher schnörkellos und dennoch leidenschaftlich, mehr nebeneinander, weniger miteinander, abgesehen von den Frauen. Es fühlte sich an wie das Entladen von in den Stunden oder Tagen zuvor angestauten Energien. Wir zogen uns kurz danach relativ schnell an und der Abend endete wie er begann: mit einem Glas Champagner und einer Umarmung die ebenso merkwürdig vertraut wie unüberwindbar distanziert war.

Herr Müller und ich sind uns einig, dass wir das Erlebnis dieser Nacht nicht missen möchten. Unser kleines schräges Märchen nennen wir es. Wir haben Dinge aus diesem Zusammentreffen mitgenommen, aufgegriffen, manches für uns ausgeschlossen. In der darauffolgenden Zeit hatten wir noch ganz andere BDSM-orientierte Erlebnisse, die uns die Geschehnisse im Schloss neu bewerten ließen…
Wir treiben immer noch eher orientierungslos umher – nur der Teich ist mittlerweile ein See geworden. Unser Horizont hat sich erweitert, wir wissen heute mehr wer wir sind und was wir wollen. Nur die Frage wohin die Reise gehen soll können wir nach wie vor nicht wirklich beantworten. Aber „sich treiben lassen“ ist doch auch ganz schön…. 

Nach dieser kleinen "Erwärmung" kommt mit Frau Schwarz in der nächsten Woche nun endlich ein echter Profi zu Wort. Die Domina öffnet für uns ihr Näh- ... halt... Werkzeugkästchen. Das solltet ihr nicht verpassen. Wem das heute zu "lahm" war, der sollte eventuell nächste Woche nochmal vorbeischauen...

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dort ist Frau Müller "stets leicht zugänglich" ;-) 
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Dienstag, 7. März 2017

SchMärz im Schloss: AUdienz beim Peitschenprinz TEIL 1

Der SchMärz ist da und startet sanft. Es ist wichtig, die Haut mit eher leichten Schlägen aufzuwärmen bevor man zu den großen Peitschen greift. Das fördert die Durchblutung und schützt vor ernsthaften Verletzungen. Genauso mache ich das mit meinen Lesern. Erstmal sanft aber konsequent aufwärmen. Bevor ihr also ab nächste Woche die Beiträge einer wirklichen Insiderin genießen könnt, lass ich euch vorher reinschauen in meine erste kleine Bekanntschaft mit der "dunklen Gesellschaft": 


Ich war in den gut 15 Jahren, welche ich mit Herrn Müller verheiratet bin, nie ernsthaft unzufrieden mit unserem Sexleben – abgesehen von „naturgegebenen Phasen“ in stressigen Zeiten wie sie beispielsweise durch Job, unfertige Menschlein in Gitterbetten oder Still-BHs entstehen. Dennoch würde ich behaupten, dass wir nach Abschluss der Familienplanung sowie der ersten Reifeprozesse unserer Müllernachkommen eine neue Ebene auf der Horizontalen erreicht haben. Ich denke, dass liegt vor allem daran, dass man ab diesem Lebensabschnitt mehr Gelegenheit, gedanklich wie organisatorisch, für solch eine Selbstfindung hat.


Wir konnten schon immer gut über und beim Sex reden. Wie sagt ein Sprichwort: „Auf Worte Taten folgen lassen“. Und so erfüllten wir uns nach und nach all die Phantasien und Wünsche, die wir so oft bis ins Detail mit schmutzigen Worten ausgekleidet hatten und mit denen wir uns häufig bis zur Ektase trieben. Wir öffneten unseren Sex für Andere (hier könnt ihr weiter lesen)
Parallel dazu machte aber auch unser ganz eigenes „Zweiersystem“ eine kleine Wandlung durch. Ohne dass wir es recht bemerkten entwickelte sich eine Art Rollenverteilung. Ich fand Gefallen daran geführt zu werden. Geführt, kontrolliert, unterworfen … ich finde kein rundum geeignetes Wort. Jedenfalls genoss ich es den Kopf auszuschalten. Gleichzeitig machte es mich an, wenn ich spürte wie sehr Herr Müller die ihm überlassene Macht auskostete. Mit der Zeit kam außerdem die Lust am Schmerz dazu…


Wir hatten uns bis zu diesem Zeitpunkt nie ernsthaft mit BDSM und allem was damit zu tun hat beschäftigt. Sicher, wir liebten die unterhaltsamen Anekdoten und Geschichten unserer Freundin Frau Schwarz. Sonntagnachmittag am Kaffeetisch erzählte sie uns, während die Kinder draußen spielten, mit lebendigen Worten von ihrer Zeit als Domina und ihren Erlebnissen in der SM-Szene. Wir hörten stets gespannt, amüsiert und fasziniert zu. Immer bestens unterhalten. Frau Schwarz hat ein Gespür für Menschen mit einer ähnlichen Affinität wie die Ihrige.


So schwammen wir also etwas orientierungslos aber zufrieden auf unserem kleinen Teich des Halbwissens umher - ohne rechtes Ziel. In der Erotik-Community (welche uns früher geholfen hatte schmutzige Ideen in die Tat umzusetzen) schrieb uns irgendwann spontan eine junge Frau an. 
Kristin wohnte nicht weit entfernt und lud uns kurzerhand zu sich ein – auf ein Gläschen Wein. Wir hatten keine wirklichen Erwartungen an das Treffen, fühlten uns von Kristins kurz zuvor eingestelltem Gesuch nach „Spielgefährten“ und „Frivolen Abenden im Schloss“ eher nicht angesprochen, waren aber dennoch neugierig und vor allem hatten wir Lust aufs Kennenlernen ganz realer Menschen. Ihr könnt euch vorstellen wie viele Fakes sich in solchen Foren tummeln, die Treffen kurz vorher absagen weil plötzlich die Terrasse gepflastert werden muss.


Kristin war von imposanter Erscheinung. Etwa in unserem Alter, groß, schlank, hübsch und fürchterlich selbstbewusst. Nach dem üblichen Smalltalk, an dem sie etwa 95% Redeanteil hatte, kam sie recht schnell zum Punkt: 
„Habt ihr nicht Lust uns am Samstag im Schloss zu besuchen? Ich glaube ihr würdet Konstantin gefallen! Sein Schloss ist zwar noch nicht fertig aber Konstantin hat schon einige Möbel hinbringen lassen und wir könnten zu viert sicher viel Spaß haben…. Ihr interessiert euch doch für SM, ja? Oder? Wir würden euch gerne ein bisschen was zeigen. Ihr bestimmt natürlich wie weit es geht. Aber ich denke das könnte spannend werden.“ .... und so weiter und so weiter.
 

Schloss, Schloss, Schloss, ich hör immer nur Schloss. Hallooo!? Ich bin ein Mädchen! Reden wir hier tatsächlich von einem SCHLOSS????? Und wer zur Hölle ist eigentlich Konstantin? 
Diese Frau redete so schnell, dass ich gar nicht zum Nachdenken geschweige denn zum Nachfragen kam. Herrn Müller ging es anscheinend genauso. Der war von einer Frau, die noch redseliger war als seine eigene offenbar völlig überfordert.


Für Kristin war die Sache geklärt – sie deutete unsere ein bis zwei Worte langen Einwürfe in ihren Vortrag als Zustimmung. So viel sie auch den restlichen Abend von sich erzählte – wir als Zuhörer, die angesichts der Flut aus Worten keine Zeit hatten Fragen zu stellen und sich hinsichtlich ihrer wissenden und einnehmenden Persönlichkeit ehrlich gesagt auch nicht trauten, wurden nur noch verwirrter. Und neugieriger.


Wir würden also am nächsten Samstag in diesem ominösen Schloss etwas erleben, das uns nach Kristins Einschätzung gefallen wird. Aus der Flut der (unausgesprochenen) Informationen entnahmen wir, dass es wohl irgendwas mit Sex und SM zu tun haben wird. Beides nichts, das uns abschreckte.  Irgendwie gefangen in einer Art Gedankenblase, die aus historischem Gemäuer, einer vereinnahmenden Frau, Erwartungen und jeder Menge Neugier bestand, durchlebten wir die nächsten sieben Tage ein bisschen wie „ferngesteuert“. Wir kamen gar nicht auf die Idee, dass irgendwas an dieser Unternehmung nicht stimmen könnte.


Immerhin nutzte ich die Woche um per Nachrichtendienst mit Kristin die Grenzen festzulegen. Partnertausch mit einem wildfremden Mann, von dem ich bisher nur den Namen und Immobilienstatus kannte – neee, das ging gar nicht. Auch wenn er der Schlossherr war. Für so viel reichte mein Verstand noch. Außerdem beschäftigte mich noch eine Frage viel zu sehr um darüber hinaus ins Zweifeln zu geraten:

Was bitte WAS um alles in der Welt trägt man als Frau an einem „Frivolen Abend im Schloss“? Meine gute Freundin Sabrina schneiderte mir im Schnelldurchgang Spitze auf den Leib. Schwarz natürlich. Eine Bluse mit tiefem Ausschnitt, darüber ein schwarzes Lederkorsett, dazu ein enger knielanger Rock, der natürlich ungefüttert blieb und daher tief blicken ließ (eine gewisse Transparenz die Spitze nun mal inne wohnt). Kristin indessen nutzte die sieben Tage um unsere Erwartungen mit einigen Bildern zu nähren, die so prunkvoll wie düster waren.
Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben meine Mascara mit so zitternden Händen aufgetragen. Und dabei waren wir noch nicht einmal losgefahren. Vor uns lagen noch knapp zwei Stunden Autofahrt. Herr Müller war so aufgeregt, dass ihm seine Sneakerssocken zum Anzug und Lederschuh erst kurz vor Erreichen unseres Ziels auffielen. Und das in so eleganter Gesellschaft… ;-)

Durch das große Tor einer verfallenen Mauer bogen wir auf den unkrautüberwachsenen Hof ein. Man konnte es nicht bestreiten: vor uns lag ein kleines Schloss. Im Eingangsportal stand die eloquente Kristin in schwarzen Pumps und knappen Kleidchen (diese Frau bestand zu achtzig Prozent aus Beinen) mit einem Lächeln, wie es sich nur die Marktführer unter den Zahnpasta-Herstellern auf ihren Plakaten leisten können. Neben ihr – das musste Konstantin sein. Er hätte locker mein Vater sein können. Gepflegt im Anzug mit altersentsprechend leichtem Bauchansatz und ebenso einnehmender Körpersprache wie seine weibliche Begleiterin nahm man ihm den Schlossherrn durchaus ab.


In der kühlen Eingangshalle wartete ein Stehtisch mit Champagner auf uns. Es folgte Smalltalk garniert mit kleinen Komplimenten des Hausherrn an die Dame (mich!) und weltmännische Floskeln an ihren Begleiter (Herrn Müller). Wir wurden unsere Gastgeschenke los (Um Himmelswillen – was nimmt man denn nun schon wieder Menschen mit, die einen in ihr SCHLOSS einladen? – wir entschieden uns für teuren Wein und Pralinen aus der Feinkostabteilung) und bekamen eine exklusive Schlossführung.


An dieser Stelle wurde uns klar: es gibt Menschen, die haben vielleicht eine Datsche fürs Wochenende oder einen Partykeller wenn der Besuch kommt. Unser Konstantin hier besaß seit kurzem jedoch ein Schloss, das für ihn sowohl Datsche als auch Partykeller war. Kurz: die ehrwürdigen Hallen sollten nach seiner Vorstellung zukünftig Kulisse für kleinere und größere Veranstaltungen „körper- und lustbetonter Art“ werden. Ja also wenn man es sich leisten kann… warum nicht?


Beim Rundgang sprach mich Kristin auf meine Schuhe an. Ich hatte mich für die roten 14cm-Highheels entschieden, von mir auch liebevoll Sitz- und Liegeschuhe genannt. Diese Treter sind für mich schuhgewordene Selbstsicherheit. „Da hast du dir aber was vorgenommen mit den Schuhen! Hältst du das die ganze Zeit durch?“ Ich erwiderte pseudo-lässig: „Na ich werde ja kaum den ganzen Abend stehen!“ und kicherte kurz. Kristin kicherte auch. Aus gutem Grund – wie sich später noch herausstellen sollte.

„Also dann!“ unterbrach der Schlossherr mit bedeutungsschwangerem Unterton unseren lockeren Ladystalk:  „Ich denke wir sollten beginnen.“

Fortsetzung folgt...  HIER geht's weiter!


Wenn euch der Peitschenprinz nicht aus der Reserve locken konnte, dann schafft das vielleicht Domina Frau Schwarz.
Ihr seid eher Fan der unterwürfigen Perspektive? Fräulein Weiß könnte euch sehr sympatisch sein. 
Oder sucht ihr das besonders Exklusive? Dann solltet ihr Ann Marie kennen lernen. 

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Mittwoch, 1. März 2017

Der SchMärz ist da ...



Warnung: dieser Artikel enthält Halbwissen und Böswitz
 
Kürzlich wurden wieder tausende Kinositze durch weibliche Körperflüssigkeiten unhygienisch verunreinigt. Sogar von herrinnenlosen Gurken zwischen den Sitzen berichtete Social Media ganz seriös und investigativ. Die Hälfte der Kinobesucherinnen wusste angesichts der großen Dürre im heimischen Schlafzimmer wahrscheinlich gar nicht wie feucht sie werden können. Der Leser bzw. die Leserin ahnt: es geht um 50 Shades of Grey.

Wenn ich mich recht erinnere erschien Teil 1 dieses „Epos“ pünktlich am Valentinstag. Um den Film, der als Zielgruppe wohl hauptsächlich Frauen ins Herz bzw. den Unterleib trifft zu einem „Pärchen-Event“ zu vermarkten
Damit Kai seine Susi ins Kino schleppt weil er so wenigstens einmal im Jahr Sex hat, bei dem Susi nicht nur mitmacht wenn sie vorher lieblichen Rotwein getrunken und einen Porno gekuckt hat. Und Kai sitzt vor der Leinwand und wird mit einem Endzwanziger-Milliardär konfrontiert, der Susi feucht und willenlos macht. Susi muss sich eingestehen, dass aus Kai wohl nie ein Mr.Grey wird. Und Kai steht später im Baumarkt ratlos mit Susis Einkaufszettel vor den Kabelbindern obwohl er sich doch viel mehr für den Winkelschleifer interessiert...

Nachdem die Medien die Filmreihe, welche mehr ein Mommy-Porno ist, zum BDSM-Skandalstreifen gehypt haben, hat es für mich den Anschein als wird bei Teil 2 etwas tiefer gestapelt. Das Märchen „Die Schöne und das Biest“ in seiner Erwachsenenversion (weil es bei Disney zwar auch Liebeserklärungen im Blumenmeer aber eben keine Liebeskugeln und Spreizstangen gibt) wird für mein Empfinden gezielter NUR an die Frau gebracht. 
Ist doch auch viel ehrlicher. Ich wünsche den Männern, die dennoch die Vorprogramme der Previews (und dann natürlich auch noch den Film) erleben mussten maximale innere Stärke. Ihr erinnert euch, auch ich hatte mich zum Besuch einer Preview allein zu Recherchezwecken überreden lassen. Wie es mir dabei erging lest ihr hier.
  
Schaut man sich die Charakteristik der beiden Protagonisten des Films genauer an, könnte man hoffen dass Susi und Kai trotz des ganzen rosa-schwarzen Schmalz-Schmerz-Schischis so gar keinen Bock auf Über-Identifikation mit den Beiden haben.

Mr. Christian Grey  ist zwar unfassbar reich und extrem sexy, klug und fürchterlich gutaussehend. Hinter dem ganzen Glam steckt aber ein bemitleidenswerter Psychopath mit Kindheitstrauma, der gerettet werden muss. Tada – schon will Susi keinen Christian mehr und Kai fühlt sich auch schon besser bei der freiwilligen Feuerwehr.
Und dann Ana: das Mäuschen, die dem Psychopathen auf dem Leim geht, ihr Leben auch jenseits der „Folterkammer“ nach Mr.Grey ausrichtet. Nein, so möchte Susi, die Kai endlich das Stehpinkeln abgewöhnt hat, auch nicht leben.

Und trotzdem bleiben die Sehnsüchte: Susi möchte sich endlich mal fallen lassen und den Kopf ausschalten, am besten auf Knien, vor einem Mann der weiß was er will, ihren Respekt verdient hat und nach dem Akt nicht von ihr abfällt wie ein vollgesaugtes Blutegel…

Bevor ich jetzt die Masse der Frauen zwischen 18 und 70 gegen mich aufbringe: Ich habe die Bücher nie gelesen. In einem TV-Interview mit der Autorin habe ich neulich gehört, dass es ihr einziges Ziel war mit der Geschichte zu unterhalten. Hat sie gut gemacht. Kann man nichts dagegen sagen. Sonst wären die Bücher vermutlich nicht so erfolgreich gewesen. Mich haben sie einfach nicht interessiert. Ich habe später die Filme gesehen. Teil 1 widerwillig um wenigstens ein bisschen mitreden zu können. Teil 2 nun alleine aus Recherchezwecken. Um dem Halbwissen wenigsten ein kleines Fundament zu mauern.

Für mich hatte es den Anschein, dass mit dem Hype um SoG das Thema SM (Sadomasochismus) beziehungsweise BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) irgendwie salonfähiger werden sollte. Einerseits mag das eingetreten sein. Der Absatz von Peitschen, Fesseln und Augenbinden bei den Versandhäusern mit der neutralen Verpackung wird das wohl „beweisen“.

Alle möglichen TV-Formate haben SM zur besten Sendezeit in die Wohnzimmer transportiert. Jedes Boulevardmagazin hatte plötzlich Interviews mit "Szene-Insidern" im Vorabendprogramm. Der Baumarkt-Gag war aus den sozialen Medien nicht mehr wegzudenken. 
Was hat das Ganze gebracht? Paare wie Kai und Susi finden sich selbst jetzt nicht mehr ganz so pervers, wenn Susi wunde Knie hat weil Kai sie wie ein Hirsch in der Brunft mal ohne Rücksicht auf Verluste zehn Minuten über den Teppich gevögelt hat. Sie fühlen sich nun exklusiver, als Teil einer geheimen Gesellschaft die Grenzen überschreitet wenn sie sich Handschellen anlegen und sich im Doggystyle mal auf den Popo hauen.

Wie denken aber Personen, für die BDSM nicht nur eine Garantie für schmutzigen Sex nach dem Kinobesuch ist sondern vielleicht sogar eine Lebenseinstellung. Menschen die über Federn, Augenbinden und samtbezogene Peitschen nur müde lächeln.

Frauen zum Beispiel, für die „öffentliche“ Demütigung den größten Lustgewinn bedeutet und Männer die verantwortungsvoll aber dennoch dominant mit der ihnen überlassenen Kontrolle umgehen. Hat man es hier wirklich mit bemitleidenswerten Frauen zu tun, deren Schwäche sie zu Opfern kranker Machtbesessener werden lässt? Beides gescheiterte Existenzen, die im privaten wie gesellschaftlichen Leben längst verloren haben? Oder hat die kluge aber dennoch schmerzlich unterdrückte Frau am Ende sogar eine Chance den verkorksten Psycho umzukrempeln?

Nehmen wir uns noch ein anderes Bild vor: ein Mann, der den Wunsch hat sich einer Frau zu unterwerfen indem er ihre Stiefel leckt und sich dabei herabwürdigende Namen geben lässt. Die dominante Frau auf der anderen Seite, der es viel Einfühlungsvermögen abverlangt, dem Mann weder zu viel noch zu wenig Geringschätzung entgegenzubringen. Auch eine Seite des BDSM - die nun mal so gar nicht zur breitentauglichen Disney-Version passen will.

Die BDSM-Szene konnte und kann sicherlich auf eine Art P/R, wie sie diese Filme mit sich bringen verzichten. Das verantwortungsvolle und selbstbewusste Ausleben seiner eigenen individuellen Teilmenge von allem was unter den Oberbegriff SM fällt setzt eine Art Horizont voraus, der in rund 120 Minuten keinen Platz findet weil er aus Toleranz, Wertschätzung, Einfühlungsvermögen, Selbstbestimmtheit, Intelligenz und vielen Kompetenzen mehr besteht.

Ich möchte im anbrechenden Monat SchMärz, einen kleinen Beitrag zur Erweiterung der Grenzen (im Denken?) leisten. Weil ich die Geduld meiner geneigten Leserschaft aber nicht weiter mit meinem Halbwissen strapazieren will, habe ich mir gleich mehrere Expertinnen dazu geholt.

Zunächst wird uns meine liebe Freundin Frau Schwarz ab 14.03. den Monat der dunklen Begierde mit wunderbar direkten und ehrlichen Wortbildern aus ihrem Erfahrungsschatz als Domina versüßen. Fräulein Weiß erzählt uns in der darauf folgenden Woche ihre Sub-Geschichte. Den krönenden Abschluss bietet uns Ann Marie mit der Geschichte der O, wodurch für euch Literatur lebendig wird. Ihr dürft also gespannt sein...

Nächste Woche müsst ihr noch einmal mit meiner Wenigkeit an der Tastatur Vorlieb nehmen. Wie schon in den anderen Motto-Monaten steigere ich die Dosis langsam um meine Leser nicht zu überfordern. Ich öffne für euch das Nähkästchen und grabe mal eine meiner kleinen Erfahrungen aus...
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