Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

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Mittwoch, 30. Mai 2018

Cast of Absurdistan 2.0: Ein Klassenporträt ODER Neue Äffchen braucht das Land


Nach dem Erfolg des Artikels „Cast of Absurdistan – Alle meine Äffchen“, welchen ich vor etwa einem Jahr veröffentlichte, möchte ich es nicht versäumen, dem interessierten Leser im Hinblick auf das bevorstehende Ende dieses Schuljahres den diesjährigen Cast of Absurdistan, also 2.0 mit dem Titel „Neue Äffchen braucht das Land“ vorzustellen. Wie auch im letzten Klassenporträt war ich aus Gründen des Datenschutzes bemüht, zu den Originalnamen der Kinder ein zumindest für mich und mein Empfinden passendes Äquivalent zu finden. Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind daher rein zufällig.


Nicht nur die in Kürze zu schreibenden Zeugniseinschätzungen und damit wieder die schier unlösbare Aufgabe, die unangenehme Wahrheit in möglichst wertschätzende und ermutigende Worte zu verpacken und dennoch den Eltern, die bei der Aufgabe, ihren Kindern zumindest einen Teil ihrer Intelligenz zu vererben nicht gerade auf eine reiche Mitgift zugreifen konnten, einen Wink mit dem Zaun zu verpassen. Jedes Jahr erneut papiergewordener Iron Man.

Nein, zwar stimmte mich die erzwungene Übernahme der ersten Klasse, über die ich im Artikel „Lieber ein Kevin in der Hand als die Charlotte auf dem Dach“ bereits ausführlich berichtete, nicht gerade freudvoll. Aber wie ich das zum Beispiel auch vom Yoga kenne, bei dem ich Asanas, die ich nicht kann und die mir weh tun zunächst hasse und mit nachlassendem Schmerz immer besser meistere, habe ich mich mittlerweile so gut an die kleinen Rotznasen gewöhnt, dass mir die erneut bevorstehende Trennung von einigen Pflänzchen meines intellektuellen Mischwaldes, doch etwas zu schaffen macht. Nicht zuletzt, weil ich die Art der Veränderung pädagogisch so gar nicht vertreten kann, eine Änderung der Gesetzeslage und die Chefetage mir diesen Schritt jedoch abnötigte. Einige gehen, einige bleiben und einige kommen.

All die jenigen, die mir heute und in den verbleibenden Wochen dieses Schuljahres den Arbeitstag mit ihrer herzerwärmenden Anwesenheit und ihrem zuckersüßen kindlich-unverdorbenen Wesen verzaubern, sollen heute gewürdigt werden.

Beginnen wir mit Fabian, dem regelmäßigen Leser womöglich bereits als Rotzbläschenvulkan bekannt. Fabian klingt an vier von fünf Schultagen beim Atmen wie ein Poolfilter mit Herbstlaubfüllung. Und als könnte ich mir aus dieser Geräuschkulisse die frohe Kunde nicht selbst entnehmen, begrüßt er mich an solchen Tagen meist mit den rhinophonen Worten: „Frau Müllaaa, ich bin bissl krank.“ Aha. Fabian ist für mindestens dreiviertel meiner Kranktage in diesem Jahr verantwortlich, denn er ist es auch, der dank feinmotorischer Fähigkeiten eines 93jährigen Parkinsonpatienten mit zwei linken Händen an denen sich jeweils fünf Daumen befinden, ständig meine Hilfe beim Schreiben benötigt. Und wisst ihr womit sich Kind die krustige Schnupfennase abwischt, wenn gerade kein Taschentuch in der Nähe ist und die Zunge zu kurz zum popeln ist? Richtig, mit dem Handrücken. An dem klebt Frau Müller dann fest, wenn sie spontan zur Schreibhand greift bevor Fabian Gelegenheit hatte, seine kostbare Körperflüssigkeit abzulecken. Ach ja, ich wollte ressourcenorientiert schreiben. Also zu Beginn des Schuljahres beschäftigte sich Fabian häufig sehr vertieft damit, die kleinen Fädchen zwischen seinen Fingern zu beobachten, wenn er sie mit einem ordentlichen Spuckeklecks dazwischen auseinander streckte. Vermutlich hat er seine Studien dazu inzwischen abgeschlossen. Auch riesige Spuckepfützen auf seinen Arbeitsblättern, die er so lange versuchte trocken zu reiben bis das Papier ein Loch hatte, habe ich lange nicht mehr beobachten können. Außerdem ist Fabian sowas wie das Klassenbrain. Immer dann, wenn ich eine Frage stelle, die ernsthaftes Nachdenken erfordert (kommt hin und wieder vor), haut Fabian so ordentlich einen raus, dass es sich mein Hirn kurz vor der Selbstzerstörung durch Verzweiflung noch einmal anders überlegt.

Dann ist da Finn. Finn ist ebenso temperamentvoll wie charmant. So charmant und temperamentvoll, dass ihm die Betreuung durch mich allein nicht ausreicht. Und er ist der Schildkrötenjunge. Erinnert ihr euch noch an unseren ersten Wandertag, bei dem die kleinen Hobbybiologen glaubten, im Mittelgebirgswald eine Schildkröte entdeckt zu haben? Auf Facebook berichtete ich davon. Finn schert sich nicht viel um Individualdistanzen, auch nicht um die von Waldbewohnern. Nur mit Mühe gelang es mir die müllersche Lehrerinnencontenance zu bewahren, als mir die (Schild)kröte zwischen Finns Händen ihre hilflos hervorquellenden Augen entgegenstreckte und zu sagen schien: „Frau Müller, hättest du nicht einfach in den Zoo gehen können?“. 

Finns Stoffwechsel ist überaus aktiv – so aktiv, dass ihm der Inhalt seiner eigene Brotdose nur selten über den vierstündigen Vormittag bringt und er sich daher schon häufig als Taschen- äh.. Dosendieb ein Zubrot ergatterte. Scheinbar gibt es in jeder Klasse einen unglaublichen Hulk, in meiner letzten Klasse war es Justin, der mir den Abtransport im Streifenwagen einbrachte, in dieser ist es Finn. Wenn der sich verwandelt, kann man den Rest der Klasse und sich selbst nur noch in Sicherheit bringen oder läuft Gefahr, von umher fliegenden Stühlen und Tischkanten, mit dem Potential Zehen zu zermalmen, erwischt zu werden. Außerdem benötigen Außenstehende, wie zum Beispiel die Schulzahnärztin meine Dolmetscherdienste, da Finn eine Sprache spricht, die vermutlich eine Mischung aus Klingonisch und Suaheli ist. Wenn man sich ein wenig einhört, geht’s aber. Finns Stärke ist seine Fähigkeit, Arbeitsaufträge quasi nebenbei sowohl zu erfassen als auch zu erledigen. Während man als Beobachter durch seine merkwürdige Angewohnheit abgelenkt wird, auf Dingen herum zu kauen, die nicht dafür gedacht sind oder aber all seine Schreibgeräte in ihre ursprünglichen Bestandteile zu zerlegen, sind am Ende der Stunde dennoch alle Aufgaben erledigt.

Shanaia und Shakira sind eineiige Zwillinge. Und weil sie nicht nur gleich aussehen (ich kann sie bis heute nicht auseinanderhalten) sondern auch gleich liebenswert sind, erwähne ich sie gemeinsam. Kennt ihr Dideldumm und Dideldei aus Alice im Wunderland? Shanaia und Shakira sind zwar weder übergewichtig noch glatzköpfig aber wallendes rotes Haupthaar und ein ziegenähnliches Wesen sorgen für genauso viel Liebreiz. Der Look ist Programm. Und mehr gibt es über diese Beiden auch nicht zu sagen.


Sophie ist meine persönliche Stalkerin. Zu jedem Pausenklingeln steht sie pünktlich neben meinem Tisch, streichelt meinen Arm oder krault mir ungeachtet meiner Abneigung gegenüber nicht notwendigen Berührungen durch ungewaschene Kinderhände, den Rücken und säuselt mir dabei feengleich „Meine Frau Müller“ ins Ohr. Mit dem richtigen Filter und passender Musik könnte das durchaus der Opener einer Folge Tatort sein. Keine Ahnung ob Sophie Synästhesie begabt ist oder einfach nicht lesen kann, jedenfalls schaut sie mir beim Lesen permanent ins Gesicht. Und ich dachte immer, man liest aus Händen. Wenn etwas in meinem Gesicht stünde, dann sicher nicht „Momo und Papa TUN malen“ sondern so etwas wie „Herr, reiß die Erde auf!“ oder „Steinmetz ist sicher auch ein total interessanter Beruf“.

Ein ganz putziger Bub ist auch Ronny. Nicht. Wenn Ronny mich mit hängender Unterlippe und einer Zunge, die scheinbar so groß ist, dass sie nicht ganz in den Mund passt, anschaut und in jeder Pause aufs Neue fragt „Kannisch ma pullrn gehen?“ und dabei ebenso regelmäßig die Antwort „Du weißt, dass du in der Pause gehen darfst. Du brauchst nicht zu fragen“ bekommt, dann springt mein Herz vor Glück fast aus der Pädagogenbrust. Wenn wir eine Stunde lang darüber sprechen, dass jeder Mensch an jeder Hand fünf Finger hat (abgesehen von der Einfachheit halber unerwähnten Ausnahmen), kann ich mir sicher sein, dass Ronny am nächsten Tag jeden einzelnen seiner Finger zählt, wenn ich ihn nach der Anzahl seiner Finger frage. Egal ob man Ronny lobt, ermuntert oder auf Streichholzschachtelgröße zusammenfaltet, Ronnys Reaktion gleicht stets der eines Findlings in der mecklenburgischen Grundmoräne an einem Dienstagabend bei einem aufkommenden Sommergewitter. Ein Klassiker: „Ronny, schau mal. Ich habe zwei Bonbons. Eins ist hier in der offenen Hand. Wie viele Bonbons sind denn jetzt in der geschlossenen?“. Ronny mit dem Zauberblick: „Fünf?“

Tim hat einen echten Weg hinter sich. Nachdem er nämlich im ersten Halbjahr jede seiner Handlungen mit der nachdrücklichen Forderung „Ich brauch mal Hilfeee!“ anging, beginnt er mittlerweile selbstständig mit der Arbeit und fragt mich nach zwei Minuten „Meinst du so?“. Tim ist ein wirklich WIRKLICH liebenswertes Kerlchen, auch wenn ich mich in Förderstunden mit ihm manchmal fühle, als würde ich versuchen einem Hund oder einer Katze das Lesen zu lernen. Du wünschst dir nichts mehr, als das er es endlich schafft Mi, Ma oder Mo zu lesen und ein L von einem P zu unterscheiden, wirst aber statt mit einem Lernerfolg, mit einem ebenso verständnislosen wie niedlichen Hundeblick belohnt. Immerhin.

Carsten sagt nicht viel aber wenn er etwas sagt, dann bringt er es auf den Punkt. Mit der Stimme von Feivel dem Mauswanderer, bittet er mich „meinen Hintern einzuziehen“ damit er zum Abwischen an die Tafel kommt. Und nach einem Klassenanschiss, der sich zumindest in meinen Augen gewaschen hat und mit „Das ist NICHT lustig“ endet, schiebt er das schweinsteigersche „Aber funny“ nach. So pointiert wie Carsten sein kann, wenn er sich sicher fühlt, so stumm ist er, wenn er etwas verbockt hat. Da für quatscht Carstens Mutter jeden Elternabend in die ewigen Jagdgründe und sorgt mit ihrem Auftritt sogar bei den hartgesottensten Anwesenden für ein Übermaß an Fremdscham. 

Ich erwähnte es bereits: Justins sind das Salz in der Suppe des Klasseneintopfs und so darf er auch in Klasse 1 nicht fehlen. Justin erinnert mich optisch an Caillou aus der gleichnamigen Kinderserie, vor allem dann, wenn Justins Papa mal wieder die Haarschneidemaschine geschwungen und den Familienfriseur gespielt hat. Das nennen wir es nicht ganz schlüssige Verhältnis von Kopfgröße zum Körperbau ist bei beiden Jungen gleich. Justin ist das Lämpchen mit der niedrigsten Wattzahl. Und wenn er mich nicht gerade durch das fortwährend geräuschvolle laterale Einsaugen seines Speichels an den Rande des Wahnsinns treibt, dann spätestens wenn er voller Überzeugung versucht, den letzten verbleibenden Stein aus der vierten Etage des bereits gefährlich schwankenden Jengaturms zu ziehen. Mit Justin Logikaufgaben lösen fühlt sich an, als würde man versuchen, ein Domino in einem Trampolin aufzubauen, während eine ganze Kindergartengruppe darin springt. Unser gemeinsamer Start gestaltete sich etwas schwierig, nachdem er mir täglich mit grimmiger Miene beteuerte, dass er morgen nicht mehr kommt und seiner Mama sagt, dass ich gar nicht lieb sei. Nichts von allem geschah, aber die Bäche seiner Trotztränen versiegten immerhin.

Irgendwie hab ich sie trotzdem alle gern und das Hühnerfrikassee der Seniormüllerin ist kein Hühnerfrikassee, wenn kein Mais dran ist. Ihr wisst was ich meine. Wie oben bereits erwähnt, werden mich einige der kleinen Schwachstrompersönlichkeiten verlassen, dafür werden mir aber auch einige neue Passagiere in den Bus der Erkenntnis gesetzt. So widerwillig ich zu Beginn des Schuljahres war, nachdem man mir meine großen Äffchen weggenommen hatte, so wehmütig bin ich heute. Was mir Mut macht, ist der Gedanke an Tiefkühlfrikassee, das zwar nicht schmeckt wie von Muttern aber auch lecker ist. Ganz ohne Mais.

Das hat wesentlich mehr Spaß gemacht,

als echte Zeugnisse zu schreiben.

Spaß macht mir auch,

euch via FACEBOOK über Absurdistan

und Neues aus der Müllermansion

zu informieren. Also HIER reinschauen


Montag, 4. Dezember 2017

Grüße nach Absurdistan: Eltern sind auch nur Menschen! Ein Gastbeitrag

Gestern Abend habe ich mein Email-Postfach gewienert. Nicht das private Messi-Postfach mit ungelogen 7865 ungelesenen Mails (grausige Tatsache!) sondern das lehrerzimmereigene Frau Müller-Postfach. Das ist überschaubarer. Und weil ich das so emsig tat, hat mir der Nikolaus heute morgen einen Gastartikel geschenkt. So oder so ähnlich war's...

"Huhu - ich hab dir einen Blogartikel geschrieben - weil mir heute mal so war." Mit diesen Worten kündigte mir Mee Bodyless die Email per WhatsApp an. Mee ist Musikerin, nebenbei auch Mutter und Pädagogin und eine meiner langjährigsten Freundinnen. Wenn nicht sogar die Langjährigste. Definitiv die Langjährigste. Mit ihr teile ich  nicht nur Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit auf der falschen Seite des erzieherischen Machtgefälles sondern auch das Glück, gelegentlich ziemlich spezielle Kinder zu haben...

Die Grippewelle ist im Anmarsch. Und da ich mich sorge, dass Frau Müller mal ausfällt, hab ich mich spontan und ungefragt in den Vertretungsplan eingetragen. Ganz uneigennützig ist das allerdings nicht - ich saß heute 2 Lehrern der Gymnasialstufe gegenüber und reflektierte gemeinsam mit ihnen das Sozialverhalten meines Sohnes im Unterricht. Ich befinde mich noch im Verarbeitungsprozess. Und auch wenn ich nicht veröffentlicht werde, wird mir das Niederschreiben meiner Erfahrungen mit Lehrern verschiedener Couleur sicherlich helfen.

Ich liebe Frau Müller. Sie ist meine Freundin. Schon lange. Und auch dann, wenn wir uns lange nicht hören. Und zwar bedingungslos. An meine Schulzeit erinnere ich mich nur partiell gern zurück. Und wenn, dann erinnere ich mich an Frau Müller. Mit ihren begnadeten, rhetorisch und visuell unschlagbaren Referaten über Kafka und Co übertraf sie selbst den leidenschaftlichsten Lehrer und holte mich, sicherlich ungewollt, aus meinem Sekundenschlaf zurück. Schon damals wünschte ich  mir, dass sie später die Lehrerin meiner Kinder werden würde. Schade, dass das nicht geklappt hat. Dann hätte ich jetzt vielleicht nicht folgende Probleme zu bearbeiten:

Ich war meinen Lebensaufträgen schon immer irgendwie voraus. Und als mein Sohn mit 4 Jahren damit begann, die Bundesligatabelle im Videotext hoch und runter zu lesen, wusste ich, dass bald Arbeit auf mich zukommen würde. Sozialarbeiter wittern das. So bemühte ich mich mehr als rechtzeitig um eine vorzeitige Einschulung.  Ich suchte Beratungsstellen, Begabungsforscher, freie Schulen, halbfreie Schulen, Hobbypsychologen und Schulen mit Gemeinschaftssinn und klassenstufenübergreifendem Unterricht auf. Am Ende wurde es die staatliche Schule auf dem Hinterwelterdorf,welches ich eigentlich verließ, um in der modernen Großstadt zu leben. 

Viel Auswahl hatte ich nicht, eigentlich gar keine. Denn die "Entfaltung der Persönlichkeit", wie im Kinder- und Jugendhilfegesetz beschrieben, hat in Schulen kein Gewicht. Zwei Dinge zählen: EINZUGSBEREICH und LEHRPLAN. Nur leider hat oftmals nur der Lehrplan einen Plan. Der Lehrer hingegen ist häufig planlos. Zumindest bei der Umsetzung des Plans. Und beim Versuch, keinen seiner Schüler der Planlosigkeit auszuliefern. 


Der Lehrer ist so voller Lehrplan, dass es ihm an Empathie für seine Schüler mangelt. Insbesondere bezüglich der verschiedenen Lernwege, Persönlichkeiten und Ressourcen. Am Ende landen die Eltern der Kinder, die fernab vom Mainstreben LEBEN, beim Verbindungsheft. Ich wollte mich zweimal dagegen wehren. Hatte aber keinen akzeptablen Gegenvorschlag, der messbar und kontrollierbar ist. Mein Vorschlag über "Beziehung" zu arbeiten wurde regelmäßig mit der Benennung der Gesamtschülerzahl abgeblockt. 

So brachte mir mein Sohn über 3 Jahre Tag ein, Tag aus,  kleine schriftliche Episoden aus dem Schulleben eines etwas zu intelligenten Schulkindes mit nach Hause. Das Beste nenn' ich gleich zuerst:

"Ben kommt morgens in der Schule an und fragt lauthals, ob alle Kinder ihren Penis mit hätten". Und damit nicht genug. Denn: "Dies fand er auch noch lustig!". Ich war entrüstet. Mein Sohn amüsiert sich in der Schule!!! 
Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht entsprechend geantwortet hätte:  
"Liebe Frau..........., als mein Sohn gestern nach Hause kam, teilte er mir völlig echauffiert mit, dass ich doch wissen müsse, dass der PULLERMANN eigentlich ein PENIS sei. Er hat sich so über diesen neuen Begriff gefreut, dass er ihn jetzt auch in der Kommunikation verwenden möchte. Er war schon immer ein Freund der Wortspiele." Und so war es wirklich.

Auf Platz 2 ist dieser Kommentar: "Die Klasse plante heute einen gemeinsamen Besuch der Kirche. Ben teilte lauthals mit, dass er darauf keinen Bock hätte...". 

Bezüglich der Abneigung gegenüber des Kirchbesuchs antwortete ich, dass wir uns immer alle wundern, dass gerade Männer oftmals Probleme haben, ihre Gefühle zu benennen und dass ich meine Kinder aber so erziehe, dass sie es sich von Anfang an gleich angwöhnen. Zudem sei es pägagogisches Geschick, meinem Sohn das Christentum schmackhaft zu machen. Gerade mit Kindern, die mitteilungsbedürftig sind und tagtäglich wirklich alles hinterfragen, ist die Kirche doch wirklich der beste Ort um ins Gespräch zu kommen. Lehrplan versus Plan Gottes. Warum hat er eigentlich nicht gleich 2 Frauen und 2 Männer erschaffen? Wäre alles viel schneller gegangen und die Erderwärmung wäre jetzt noch nicht soweit voran geschritten.


Aber gut. Null-Bock-Einstellungen waren in der Schule noch nie angesagt. Es folgten noch viele weitere kuriose Mitteilungen aus dem Schulleben meines Sohnes. Am Ende tat er mir nur noch leid. Und ich mir auch. Einer wirklich tollen Lehrerin, die sich die Jahre zuvor scheinbar in der Kirche versteckt haben muss, ist es zu verdanken, dass das letzt Jahr irgendwie glimpflich und mit 1,0 Bildungsempfehlung ausging. Gott segne sie. Übrigens trägt sie den gleichen Vornamen wie Frau Müller. Bei ihr blieb mein Sohn auch am Nachmittag noch freiwillig sitzen. Denn gedisst wird nicht nur durch Lehrer, auch Horterzieher stehen ihnen da nicht nach.

Wir springen ins Jetzt. Zu meinem heutigen Elterngespräch. Ich sitze mit zwei schon sichtbar gezeichneten Junglehrern im Klassenzimmer meines Sohnes. Schon zu Beginn weist Ben mich darauf hin, dass er nur einen Teil der im Zimmer präsentierten Klassenregeln abgesegnet hätte. Somit hat er natürlich auch Probleme, sich dran zu halten. Ich habe Verständnis, bin aber auch vernünftig und teile ihm zum 187. Mal mit, dass ich meinen Arbeitsvertrag auch nur unterschrieben habe und mich keine Sau nach meiner Meinung gefragt hat. 

Gleich zu Beginn wird mir klar: Es handelt sich um die alte Leier. Langeweile, Störverhalten im Unterricht, doofe Sprüche, schlechte Konzentration, rücksichtsloses Verhalten, Minderleister. Hochbegabte halt. Als hätte es der Lehrer von Wikipedia raus kopiert. Meine Hoffnung, dass Junglehrer hier auf einem neueren Wissensstand sind, zerschlägt sich innerhalb von Sekunden. Ich höre mir an, dass Kinder ohne Haargummi, 90 Minuten im Sportunterricht auf einer Turnbank verbringen müssen. Entrüstet wird mir mitgeteilt, dass mein Sohn den kurzen Zeitraum von NEUNZIG MINUTEN nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, Kinder zu bespaßen, Comedians zu rezitieren und aufzustehen. 

Überhaupt steht er im Unterricht auf. Die Tatsache, dass er einer bewegten Grundschule entspringt, lässt die Junglehrer dann doch mal aufhorchen. Man kommt mir entgegen und ich gebe gute Tips. Weil ich so entzückt davon bin, stimme ich dem Verbindungsheft zu. Dabei dreht es mir mehrfach den Magen um. Ich nehme mir vor, dies zu unterbinden, wenn ich merke, dass auch die Lehrer sich nicht an unsere Absprachen halten. 

Nach dem Gespräch bin ich nicht zufrieden, denke mir aber, dass es hätte schlimmer sein können. Ich maßregle meinen Sohn, dass er künftig andere Kinder wenigstens korrekt beleidigen soll. Einen Vietnamesen als Chinesen zu betiteln ist schon ganz schön flach. Ich bin auch beleidigt, wenn ich Kindergärtner genannt werde. Ich frage mich, wie ich beruflich und privat die Rechte der Kinder durchkämpfen soll, wenn Kinder schon soweit sind, dass sie im Klassenrat die absurdesten Konsequenzen beschließen. Als ich höre, dass mein Kind bei 3 Strichen fürs Stören etwas abschreiben muss, rutscht mir kurz die Abkürzung DDR aus dem Mund. Ich frage nach einem inhaltlichen Bezug zum Vergehen - und den gibt es. Sinn macht er keinen, aber er ist da: "Es ist Nachmittag und eigentlich könnte ich jetzt mit meinen Freunden spielen. Da ich aber heute gestört habe, muss ich an diesem Text schreiben...".


Hier bin ich an dem Punkt, wo ich nicht mehr weiß, was ich sagen soll, außer DDR. Der Junglehrer täuscht sein modernes Handeln vor, indem er Sanktionen unter dem Deckmantel der kindlichen Partizipation an mich herantragen will. Die Kinder haben entschieden. Ich frage nach Alternativen. Die gibt es wohl, aber konkreter wird es nicht. Am Ende wittert der Sozialarbeiter Überforderung beim Junglehrer.

Liebe Lehrer, euren Job möchte ich nicht haben. Ihr aber, habt euch dafür entschieden. 

Ich habe monatelang gestillt, Wochen in Krankenhäusern verbracht und 200 Päckchen mit pädagogisch wertvollem Spielzeug bei Amazon bestellt. Wir waren immer viel draußen und ich habe keine wechselnden Lebenspartner. Ich habe mein Kind nach der Geburt sofort mit nach Hause genommen. Ben hat Hobbies, unsere Urlaube sind individuell und in der Gemeinschaft. Ich komme zu jedem Elternabend. Ich habe viel gelesen und Tipps gegeben, die Kita gewechselt, mich mit den Großeltern und meinem Ehemann gestritten. Ich kontrolliere jeden Tag das Hausaufgabenheft. Wir spielen am Wochenende bis 23.00 Uhr Siedler obwohl ich eigentlich lieber vögeln oder Gitarre spielen würde. Ich höre so oft wie möglich zu. Mein Kind geht auf Fußballspiele und Konzerte. (Obwohl Sonntag ist). Ich denke, ich bin dabei. Ich denke, wir rocken das. Aber jetzt - jetzt seid ihr auch mal dran...

Ich gebe zu, ich habe mich nur dazu entschieden diesen Artikel zu veröffentlichen weil er sowohl meine Persönlichkeit als auch meine ganz individuelle berufliche Kompetenz beweihräuchert.

Soll also keiner sagen, ich wettere nur gegen Eltern und im Speziellen Mütter. Ich geb ihnen hier sogar eine Stimme - übrigens als Teil der ständigen Aktion bzw. Blogparade "Flohmarkt der Gefühle". Vermutlich, weil sich diese Stimme mit meiner bei einer Flasche Rotwein nicht nur über Analverkehr und unsere gemeinsame Schulzeit sondern auch über anstrengend-kluge Kinder austauschen kann...

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Mittwoch, 22. November 2017

„Frau Müllaaa, ich muss mal pullern!“ – Zwischen Bildungsmisere, häufigem Harndrang und Arschlöchern in verschiedenen Größen



Auch für diesen Artikel habe ich auf Recherche im engeren Sinne verzichtet. Es handelt sich um meine Erfahrungen, auf deren Grundlage ich mir getraut habe, eine Meinung zu bilden. Personen, denen diese Meinung nicht gefällt, dürfen mir dies gerne mitteilen oder vom x in der rechten oberen Bildschirmecke Gebrauch machen...

Ein Zehnjähriger fragt den Lehrer wenige Minuten nach Unterrichtsbeginn, ob er zur Toilette dürfe. Der Lehrer verbietet den Gang zum Klo, woraufhin der Junge einpieschert. Von Lehrer, Klassenkameraden und Schulleiter wird das Kind gerügt und sogar ausgelacht. Es folgt eine dreiwöchige Krankschreibung des Jungen sowie eine Anzeige durch die Mutter gegen den Pädagogen. (So passiert kürzlich im Süden Deutschlands und von diversen Medien ausführlich besprochen)

Ohne Zweifel, in diesem Fallbeispiel ist einiges schief gelaufen. Wir wissen nicht, ob der Junge psychische oder organische Probleme hatte – ebenso wenig wissen wir das vom Klassenlehrer, den Mitschülern, dem Schulleiter, dem Arzt oder gar der Mutter. In seinem Verlauf ein unglücklicher Einzelfall, die Diskussion zum Problem jedoch ist ebenso uralt wie haarsträubend und steht für mich sinnbildlich für den Ursprung unseres Bildungsproblems.

Der Umstand, sowohl Lehrerin als auch Mutter von schulpflichtigen Kindern zu sein, sorgt zwar für ein fast unmenschliches hohes gefordertes Maß an Interaktionsfähigkeit mit anstrengenden Eltern und nötigt mir die Anwesenheit auf viel zu vielen Elternabenden pro Schuljahr ab, ermöglicht mir aber zugleich bei der Pipi-Diskussion einen Standpunkt einzunehmen, der irgendwo zwischen Schwarz und Weiß liegt - ganz im Gegensatz zum Standpunkt mit Nullradius vieler Mütter und anderer Menschen mit viel Meinung aber wenig Ahnung.

Fakt ist, dass ein Lehrer, der verantwortlich dafür ist, dass sich mein Kind in die Hose macht und es vor allem dann noch vor der Klasse bloß stellt, auch von mir äußerst unangenehmen Mutterbesuch bekommen würde. Das steht fest.

Fakt ist aber ebenso, dass die Fähigkeit, Bedürfnisse aufzuschieben und sich an Tagesstrukturen anzupassen, eine Grundkompetenz bei Schulanfängern darstellt. Dass einige Erstklässler das noch lernen müssen ist völlig klar. 

Nicht jeder wird im späteren Leben Freiberufler. Es reicht schon Lehrer zu werden, um nicht täglich die Chance zu haben zwischen 8 und 12 Uhr zur Toilette zu gehen oder gar etwas zu essen. Von Kassierern, Fabrikarbeitern oder Berufskraftfahrern reden wir gar nicht erst.

Vor einiger Zeit unterrichtete ich probeweise eine Gruppe Vorschüler für ein paar Tage. Zum Unterricht, einer Art Beobachtungs- und Diagnosephase, gehören auch standardisierte Testverfahren, bei denen Instruktionen und Testbedingungen wichtig sind um Ergebnisse später objektiv verwerten zu können. Mitten in einer Aufgabe beschließt einer der Sechsjährigen plötzlich ganz dringend pullern zu müssen und weil Harndrang genauso ansteckend wie Gähnen ist, müssen plötzlich fünf von sechs Kindern. Um die Aufgabe zu beenden, hätte ich noch zwei oder drei Minuten gebraucht. Natürlich hab ich alle sofortgehen lassen. Das Ganze hat mich gute zehn Minuten gekostet, inklusive Öffnen und Schließen diverser Reißverschlüsse und Hosenknöpfe sowie der Suche eines Verschollenen, der den Weg zurück vom Klo zum Klassenzimmer nicht fand. Die Testergebnisse sind streng genommen nicht verwertbar. Aber das nimmt man eben in Kauf um Pfützen und Anzeigen zu vermeiden. Die Kinder kamen direkt aus dem Kindergarten, dort geht man wenn man möchte. Halloo, ich bin kein Unmensch… .
  
Vor kurzem übernahm ich die Leitung einer ersten Klasse. Am ersten Tag meldet sich Ronny eine Viertelstunde nach Beginn der zweiten Stunde: „Duuuu, kannisch ma bullrn gehn?“, noch bevor ich antworten kann, ruft einer seiner Klassenkameraden „Ich aauuch!“ dazwischen und zusätzlich schnellen zwei weitere Hände in die Höhe. Ich antworte mit folgendem Vortrag: „Ihr seid jetzt in der Schule. Hier haben wir Pausen um zu essen, zum trinken und auch um auf die Toilette zu gehen. Daran solltet ihr denken. Versucht bitte auszuhalten so gut ihr könnt. Wenn es jemand gar nicht mehr aushält, dann fragt noch einmal, bevor es in die Hose geht.“ Ronny hat an diesem Tag nicht mehr gefragt. Und auch keiner seiner Mitschüler. In den Wochen nach Schulbeginn hat er es noch drei oder vier Mal versucht und immer die gleiche Antwort erhalten. Seine Hose ist trocken geblieben.

An dieser Stelle möchte ich, für alle denen das bisher entgangen ist, noch einmal erwähnen, dass ich an einer Förderschule arbeite. Ich lehne mich einfach mal so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass man etwas, das bei den meisten Kindern mit oft umfassenden Entwicklungsstörungen und -verzögerungen funktioniert, doch eigentlich auch vom Durchschnittsgrundschüler erwarten kann.

In einer sechsten Klasse, welche ich einige Jahre leitete, versuchte sich ein Junge regelmäßig durch Toilettengänge vom Unterricht zu entziehen. Der Gute war und ist kein unbeschriebenes Blatt, aktuell ist er vom Unterricht suspendiert und schon damals eilte ihm sein Ruf voraus, unter anderem gerne unbeobachtet durchs Schulhaus zu tingeln und allerhand Kreatives anzustellen. In der zweiten Hälfte der Stunde fragte er, ob er zur Toilette dürfe. Natürlich durfte er nicht. Ich verwies ihn auf das baldige Unterrichtsende. Kurz vor Schluss bemerkte ich seinen wirklich gequälten Gesichtsausdruck und die wässrigen Augen. Um Schlimmeres zu vermeiden entließ ich ihn in Richtung Porzellanausstellung.

Dennoch höre ich immer wieder von Kollegen aus den kleineren Klassen, von größeren und kleineren verunfallten Geschäften vor Erreichen der rettenden Räumlichkeiten. Zum Glück hörte ich bisher nur davon. Selbstverständlich weiß ich, dass auch ich früher oder später an die Wechselsachen im Schrank ran muss.

Manche Blogger haben nicht nur Meinung sondern auch Ahnung. Und "wenige manche" können zusätzlich noch so wunderschöne T-Shirts mit Aussage machen. Coffeepotdiary kann das.
 
Zurück zur Einstiegsgeschichte. In der Kommentarspalte zum Artikel ging eine 21 jährige Kinderlose, die angab beruflich mit Paragraphen zu tun zu haben (Ich vermute, sie ist Rechtsanwaltsgespielin …äh… gehilfin.) auf alle los, die sich auch nur ansatzweise für die Lehrer und kritisch gegenüber der Reaktion der Mutter aussprachen. Paragraph X… Nötigung …Paragraph Y … Körperverletzung und so weiter und so weiter. Hüa, ihr Paragraphen, spürt ihr die Sporen!?

Eine Dame mit Wohnsitz im Glücksbärchiland warf mir vor, Kinder zu hassen und den Beruf verfehlt zu haben, nur weil ich behauptete, dass die Prinzen und Prinzessinnen nicht immer nur wollen weil sie gerade müssen. Und wie abfällig ist überhaupt der Ausdruck Prinzen und Prinzessinnen. Ja, wie abfällig ist das eigentlich? Fragt ihr Übermamis und Babybloggerinnen mit den Bauchzwergen euch das auch manchmal?

Hasse ich Kinder? Hasse ich Eltern? Hasse ich meinen Job? Hasse ich Menschen? Hm. Gute Frage. Ich hab das sicher schon mal so oder so ähnlich irgendwo geschrieben. Wahrscheinlich auch mehrfach. Auch wenn das die Kopfstimme oft aus vollster Überzeugung schreit, weiß die Bruststimme instinktiv, dass ich meine Arbeit vermutlich nicht zur tatsächlichen Zufriedenheit aller Beteiligten machen würde, wenn ich von generalisiertem Hass angetrieben werden würde.

Es ist vielmehr eine Art Kette. Eltern bringen mich dazu sie zu hassen, weil sie sich verhalten wie überhebliche Arschlöcher, die mir meine Arbeit erklären wollen und glauben, Paragraphen sind mehr wert als Entwicklungspsychologie, Konsequenz und Einfühlungsvermögen. Nicht selten produzieren Arschlocheltern Mini-Arschlöcher, die dem Lehrer mit der Erhabenheit eines 130cm großen Pablo Escobars gegenübertreten. Richtig, das bringt mich dazu manchmal Kinder zu hassen. Und dann eben „ganz manchmal“ auch meinen Job. Wer hat schon Lust auf einen Job, bei dem einen von Anderen ständig gesagt wird, wie man ihn besser oder überhaupt richtig macht. Überlegt noch jemand Lehrer zu werden? Nein? Warum denn bloß?

Als ich vor fast 30 Jahren eingeschult wurde, wäre keiner auf die Idee gekommen mit dem Lehrer eine Diskussion über Toilettengänge anzufangen. Beschissene Lehrer gab und gibt es – damals wie heute. Die neue Klassenlehrerin meines Bruders zum Beispiel, die den kleinen Kerl nach dem Umzug behandelte wie einen Aussätzigen – bis meine Mutter ihr die Müllerin machte. Oder die erste Lehrerin des großen Müllers, die ihm erst eine LRS und dann auch noch ADHS andichten wollte - bis der Schulpsychologe ihm einen überdurchschnittlichen IQ diagnostizierte. Statt sich damit auseinanderzusetzen, empfahl sie den Müllers einen Schulwechsel...

Wir brachten früher am Lehrertag Blumen mit zur Schule und ich möchte behaupten, dass aus den meisten von uns fähige Erwachsene wurden, denen die herkömmliche Struktur eines Schultags nicht geschadet hat. Keiner wäre auf die Idee gekommen, Lehrer unter den Generalverdacht des Machtmissbrauchs und Sadismus zu stellen. Nein, damals genossen Lehrer sogar noch eine Art Respekt und Ansehen. Nichts Übertriebenes. Nur das Gefühl, sich für seine Arbeit nicht rechtfertigen oder gar schämen zu müssen.

Dann passierte etwas, dessen Anfänge ich gar nicht genau beschreiben kann, weil ich zu diesem Zeitpunkt in den späten Neunzigern verweilte und Sonnenblumen an mein Loveparade-Kostüm nähte. Jedenfalls mussten Kinder plötzlich kleine Erwachsene sein, die ihre Grenzen selbst definieren durften und für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse eigenverantwortlich sein sollten. Wie soll denn so ein Kind sonst später wissen was es will, wenn ihm der eigene Wille im Kindesalter abtrainiert wird. Es soll bitte spielen, essen, trinken, pullern, vermeiden und überhaupt machen was es will. Wo genau da die Grenzen bezüglich des Alters und dem, was eine Gesellschaft aushalten kann, sind – darüber lässt sich sicher streiten.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Fortschritt. Ich danke Gott für Pampers, bin froh dass weibliche Hysterie nicht mehr mit Stromschlägen oder gar Vibratoren behandelt wird und freue mich, dass bei Zahnschmerzen heute nicht mehr dieselben Methoden wie vor 200 Jahren angewandt werden. Ich halte es aber für falsch, alles was „alt“ ist sofort als „veraltet“ und damit als „falsch“ anzusehen. Logisch müssen wir kritisch bleiben, hinterfragen, uns weiterbilden und neue Erkenntnisse mit bestehenden Methoden abgleichen. 

Aber wir müssen uns auch revidieren können, spätestens dann, wenn die freie Entfaltung im Kindergarten in Gleichgültigkeit mündet und zur Folge hat, dass manche Schulanfänger noch nie mit Schere und Leimstift hantiert haben und Mütter mit der Kunstlehrerin diskutieren, weil es eben für den ansonsten perfekt gemalten Schneemann nur eine Zwei gibt wenn er grün und nicht weiß ist.

Entwicklungsforscher machen einen guten Job. Zweifelsohne. Ihre Arbeit ist wichtig. Aber das beste Rindfleisch nützt nichts, wenn der Hobbykoch es klopft wie ein Schnitzel.

Mamas, lest euren Kindern vor, lasst sie ohne Helm und Sicherungsseil aufs höchste Klettergerüst des Spielplatzes und vergesst ruhig mal das Hände waschen nach dem Rehe füttern aber bitte BITTE glaubt nicht länger, dass die Bereitschaft sich auch mal anzupassen und Regeln anzuerkennen oder die Fähigkeit sich auch mal unangenehmen Herausforderungen zu stellen etwas Schlechtes sind. Ihr erzieht sie sonst zu respektlosen und nicht belastbaren Jugendlichen, die den Satz des Pythagoras nicht kennen dafür aber die Nummer des Familienanwalts und die noch in der Ausbildung lieber krank feiern als bei Schneeregen mit dem Bus zur Berufsschule fahren, vor lauter Selbstverständlichkeit aber Homestories auf Snapchat posten.

Kürzlich schauten wir den dritten Teil von Fack ju Göhte im Kino – ein wenn auch stellenweise stark mit dem Stilmittel der Übertreibung garniertes Abbild unserer Bildungslandschaft. Warum hat sich das so entwickelt, fragt mich Sarah, ich meine wir waren auch manchmal kacke zu den Lehrern und hatten keinen Bock aber SO? 
Weil man vor ein paar Jahren glaubte, fähige Erwachsene zu produzieren indem man ihnen als Kindern suggerierte, dass ihre Individualität das kostbarste Gut ist. Das ist richtig und wichtig. Darüber sämtliche Grundkompetenzen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu vernachlässigen oder gar als Schwäche zu betrachten, stellt sich spätestens jetzt als falsch heraus.

Kommen wir zum Abschluss nochmal zurück zum Pipi-Problem und die Debatte um den Umgang mit einem Grundbedürfnis, welche sinnbildlich für den kontroversen Wert schulischer Bildung und damit einher gehenden Regeln und Normen steht. Kinder verweichlichen, sie dürfen wann sie wollen alles was sie wollen und notfalls wird das mit richterlicher Gewalt durchgesetzt. 
„Meine Mama hat gesagt, du darfst mir das gar nicht verbieten.“ 
Bääääm. Danke Mama! Danke, dass sich unser pädagogisches Wirken so gut ergänzt. Danke, dass du mit deiner Rechtsbehelfsbelehrung dein Kind optimal auf die Schule vorbereitet hast. Danke.
Und Mäuschen, Prinz, Räuberchen oder Püppi: Hätte dir die Mama mal lieber gelernt, wie man sich Anforderungen stellt ohne zur Vermeidung aufs Klo zu flüchten, wie man Regeln und Standards des Zusammenlebens achtet und Bedürfnisse auch mal zumindest vorübergehend unterdrückt 
anstatt Misstrauen zu säen, gegenüber einer Person über deren beruflichen Erfolg auch ein Vertrauensverhältnis zwischen allen am Bildungsprozesse beteiligten entscheidet. 

Aber nein. Wir wünschen uns selbstbewusste Kinder, die wissen was sie wollen und ihre Ziele energisch verfolgen. Was wir bekommen sind Arschlöcher, die wahrscheinlich anderen schon mit 21 Jahren ihren Job erklären. Diese kleinen Arschlöcher wissen nicht, dass das Du hinter Frau Müller keinen Sinn macht aber sie wissen was ein Anwalt ist. Sie lernen nicht, dass es sich lohnen kann sich anzustrengen. Warum auch. Entweder macht‘s Mutti oder eben der Anwalt. 

Los geht's. 
Ich hab Lust mit euch zu diskutieren.
Wenn du Frau Müller 
dann heißt das nicht,
dass du mit dem Pipi machen 
bis zur Pause warten musst. 
Aaaber du verpasst nix mehr
im Lehrerzimmer.

Mittwoch, 20. September 2017

The truth beyond the Klassenzimmertür: Ein Arbeitstag mit Frau Müller - Schulpraktische Studien Teil 2



An meinem Vormittag als Schneewittchen im Haus der Zwergen-Bildungselite habe ich euch bereits im letzten Blogartikel "The truth beyond the Klassenzimmertür: Ein Arbeitstag mit Frau Müller Teil 1" wortreich teilhaben lassen. Doch wer glaubt, Schneewittchen hat Zeit für prinzenrelevanten Schönheitsschlaf und ihre Maniküre während die Zwerge zurückkehren an ihre heimischen Fliesentische, der irrt gewaltig. Schließlich spielt das Leben nicht Grimms Märchen. Auch wenn es manchmal genauso grausam ist...


Mittlerweile ist es kurz vor halb zwölf. Große Mittagspause. Den König unter den Schwarzen Petern hat man, wenn man auch hier wieder Aufsicht hat. Nach vier Stunden Unterricht werden die Irren quasi auf dem Schulhof ausgewildert. Optimale Witterung: circa 17,5 Grad Celsius, bewölkt und niederschlagsfrei. Bei allen anderen Wetterverhältnissen drehen die sensiblen Schülerindividuen am Rad und pflügen übers Gelände wie eine Horde Affen nach dem ersten Schuss mit dem Betäubungsgewehr. Wenn es sein muss auch bei sengender Hitze und Sonnenschein, nur um nach der Pause mit heraushängender Zunge und hochrotem Kopf im Klassenzimmer eine Nahtoderfahrung zu machen.

Apropos Nahtoderfahrung: 
gehe nie zwischen eine Prügelei, 
bei der die Körpergröße 
mindestens eines Beteiligten 
deine eigene Körpergröße 
um mehr als die Hälfte übersteigt. 
Ich bin zum Glück nicht groß. 
Oder wie ein älterer Kollege zu sagen pflegt: 
Wir müssen unsere Ressourcen schonen – 
Schüler kommen immer nach, Lehrer sind rar.


Wenn man keine Aufsicht hat, macht man das Gleiche wie in allen Pausen – entweder sich erfolgreich verstecken oder Erledigungen, für die bisher keine Zeit war: Unterrichtsvorbereitung zum Beispiel oder leidige Telefonate mit Eltern:


 „Ja Hallo, Frau Erte-Elzwei. Hier Müller von der Hans-Meißer-Schule zur Lernförderung…neeein, es ist nichts Schlimmes passiert blabla…Federmäppchen bitte täglich kontrollieren…blabla… schon drei Wochen keinen Bleistift … blabla … hatte ich schon fünf Mal ins Hausaufgabenheft geschrieben… blablabla… sie müssen  mit der Schule zusammenarbeiten.“


Am anderen Ende: „Mimimi… den Luca-Finley-Tyron sein Papa ist ausgezogen… mimimi…kann mir die Wohnung nicht mehr leisten… wuuuhäää… muss noch umziehen bevor den Luca seine Schwester geboren wird…mimimi… Bleistifte schon in Umzugskarton… mimimi…das Hausaufgabenheft zeigt mir der Luca immer gleich wenn er um fünf mit den Taxi aus den Hort kommt … wuhäää…“


Das folgende Gestammel aus dreisten Lügen und dummen Ausreden wird übertönt vom „Dingdongdong“ und schon ist Hufgetrappel auf dem Flur zu hören. Pause ist rum. „Vielen Dank Frau Dings, einen schönen Tag noch.“

  
Die ganz Hartgesottenen gehen mittags Essen in der Schulkantine. Wenn ich ekliges warmgemachtes Essen aus Eimern und Dosen zwischen lauten und ungepflegten Menschen haben möchte, dann kauf ich mir ein Festivalticket für Rock am Ring und ne Dose Ravioli. Dort ist wenigstens die Musik besser.



 
Fächer mit einem hohen Grad an Eigenaktivität und praktischem Handeln werden ja bevorzugt auf die Zeit rund um das Mittagstief gelegt, das heißt so lange sich die Schulleitung bei der Stundenplanung diesen Luxus leisten kann. Für mich bedeutet das: Werkunterricht, yeah! 


Die Förderung im Bereich Feinmotorik, Koordination und Handlungsplanung beginnt bereits vor dem eigentlichen Unterricht, wenn die kleinen Körperwunder gefordert sind, auf ihrem Rücken aus den Bändern ihrer Schürzen eine Schleife zu binden. Bei einigen erinnern mich die ausgeklügelten Strategien an mich selbst, wenn ich abends auf dem Sofa meinen BH durch den Ärmel meines T-Shirts ausziehe. Der Rest sieht aus wie Pinguine beim Rückenkratzen. 


Eine Werkstunde kann so vielgestaltig sein – eigentlich ist dafür ein eigener Blogpost nötig. In Kurzform:


Schulgarten: für mich die angenehmste und netteste Version von Unterricht. Wenn diese putzigen Gartenzwerglein in den Furchen des Gemüsebeets kauern, Steinchen aufsammeln, ich dazwischen stehe und die kleinen Pflänzchen auf das Unkraut aufmerksam mache …halt nein, andersrum…erinnert mich das immer ein wenig an den Film „Die Verurteilten“. Schulgarten ist toll. An der frischen Luft riecht es auch in einer sechsten Klasse zur sechsten Stunde nicht nach ungewaschenen Vorpubertären. Und man braucht nichts vorbereiten. Unkraut, Kartoffeln und Bodendecker gedeihen quasi von allein. 


Töpfern und Modellieren: gut ist, wenn man das selbst nur semiprofessionell kann, denn dann sind die Ansprüche an die Schülerarbeiten auch nicht so hoch. Schlecht wenn man Schüler wie Mohammed hat, deren formbare Masse nach jedem Zwischenschritt, den man selbst erledigt um dem Kind zu helfen, wieder wie in dem Moment aussieht als man den Klumpen aus dem Eimer gefischt hat. Wie Schnee schippen wenn es schneit. Das, was den Schülern an Phantasie fehlt, braucht man als Lehrer zusätzlich, um die Lücke zwischen der Definition des Gebildes durch den Schöpfer und der deformierten Realität zu schließen.


Worst case Holzbearbeitung: es gibt hier zwei Sorten von Schülern. Die Einen, meistens die, deren Formulare für Ordnungsmaßnahmen auf dem PC der Schulleitung noch in der Taskleiste geöffnet sind um möglichst ökonomisch beim nächsten Vergehen nur das Datum zu ändern, sind wahre Paganinis an der Laubsäge. Wenn sie jetzt noch wüssten, dass Millimeter ein Längenmaß sind, könnte man sich direkt eine Zukunft im Handwerk für sie vorstellen. Und dann sind da noch die Anderen: man zieht eine Feinsäge aus dem Schrank, hält sie dem Schüler hin und die Körpersprache gleicht augenblicklich der Reaktion auf eine geladene und entsicherte Walter PP. 
Sie greifen nach den Werkzeugen mit zwei linken Händen an denen sich insgesamt zehn Daumen befinden, so als wären es Uran-Brennstäbe und sorgen auf diese Weise dafür, dass Frau Müller nach einer Doppelstunde Werken Muskelkater im Arm und Sägemehl vom Fuchsschwanzgebrauch auf ihren hübschen Schuhen hat, weil sie nicht mitverantwortlich sein möchte für den Tod von Schutz und Futter suchenden Standvögeln, die im Winter an Vogelhäuschen landen, welche eine Beleidigung für jeden TÜV-Prüfer darstellen.


Die letzten zehn Minuten einer solchen Unterrichtsstunde schenken wir der Erkenntnis, dass Dreck von oben nach unten fällt. Der Schwerkraft sei Dank. Wenn man nicht möglichst eingängig und anschaulich wiederholt, dass doch erst der Tisch abgeputzt und dann der Fußboden gekehrt wird, ergibt sich so etwas wie ein Putz-Perpetuum Mobile.


Die Kirsche auf der Pädagogen-Tagestorte verbirgt sich hinter einer schmucken Dienstberatung alle paar Wochen. Ihr könnt euch darunter nichts vorstellen? Kein Problem – das Ganze läuft in etwa ab wie ein Familienessen bei der Schwiegerfamilie. 
Alle treffen mehr oder weniger gestresst und pünktlich am Ort des Geschehens ein, während die Schwiegermutter bzw. Schulleiterin auch schon mit den Augen rollt. Sie ist es dann auch, die der Veranstaltung ihren anstrengend einzigartigen Charakter verleiht indem sie 90 Minuten wirres Zeug erzählt. Die Schwiegermutter drischt Phrasen, die aus dem Wahlprogramm der AfD stammen könnten. Die Schulleiterin stammelt irgendwas über Dienstvorschriften, Quereinsteiger und Altpapiersammlung. Dabei wirkt sie genauso kompetent und aufgeklärt wie ihr Pendant am Familientisch. Effekt beim Zuhören bei Beiden: Fremdscham und der Wunsch, an Ort und Stelle vom Blitz erschlagen zu werden.
  
Die stellvertretende Schulleiterin gibt den Schwiegervater, der sich nur ins Gespräch einklinkt, wenn er den Blödsinn nicht mehr aushält. Quittiert wird der vorwitzige Einwurf mit einem Laser-Blick, der selbst Metall trennen könnte. 


Weitere Gemeinsamkeiten zwischen Familienessen und Dienstberatungen: wenn es Alkohol gibt, hebt das die Stimmung ungemein, 
irgendjemand lacht ständig bescheuert an den unpassendsten Stellen, 
die Schlauen beschäftigen sich heimlich unter dem Tisch mit was anderem und alle, die nicht reden kämpfen gegen die Müdigkeit. 
Ach ja und mindestens einer schläft ein. 
Beim Familienessen ist das in der Regel die Oma. Bei der Dienstberatung ist das die Kollegin, die mangelnde Kompetenz mit Schwerbeschädigung ausgleicht und deswegen so fest auf ihrem Posten wie Schimmel im Mauerwerk von Gutshäusern sitzt. Das Figurenschlafen der Kollegin steht dem der dicken Omi im Seniorensessel in nichts nach und wenn die Zufallspädagogin auch sonst nichts kann, für die Belustigung des ganzen Kollegiums sorgen, in dem sie während den Redebeiträgen der Schwiegermutter… äh Direktorin gut sichtbar für alle am langen Tisch immer wieder einnickt – das kann sie. True Story.

Wie dem auch sei, genau wie bei Familientreffen werden solcherlei Zusammenkünfte bevorzugt genutzt um unangenehme Nachrichten, an die sich später keiner mehr erinnern kann oder will, unters „Volk“ zu bringen. Dennoch wird es immer heißen: „Darüber haben wir doch gesprochen!“ Haben wir? Vermutlich. Möglicherweise habe ich da aber auch gerade einen Post für Facebook geschrieben, Diktate korrigiert oder einfach diskret geschlafen. Und im Privatleben wie im Beruf freuen sich alle Beteiligten wenn das Leiden ein Ende hat.


Gegen halb drei macht Frau Müller sich endlich auf zur zweiten Schicht pädagogischen Wirkens und sammelt ihre Nachkommen ein. Sie hofft, dass beide heute möglichst wenig Hausaufgaben aufhaben. Ihre Geduld ist inzwischen so aufgebraucht wie die Plastik-Christbaumkugeln bei Ikea am letzten Wochenende vor Weihnachten. Noch schnell in die Hausaufgabenhefte kucken, rotes Gekrakel erblicken und sich fragen, welcher dieser nichtsnutzigen Lehrer heute lieber Einträge geschrieben hat, statt sich vor der Arbeit auf dem Klo zu verstecken.

"Werte Frau Müller, ihr Sohn hat heute in der Stunde
seinen Radiergummi gesucht!"
Frau Müller: "Und? hat er ihn gefunden?" 


Wenn man es zwischen oder nach den Stunden noch nicht geschafft hat, das didaktische Feuerwerk des nächsten Schultages zu planen, dann bleibt einem diese freudvolle Tätigkeit für die kostbaren Abendstunden. Ein ebenso variantenreiches Unterfangen, das stark von der intraindividuellen Motivation abhängt und in seiner Bandbreite vom Laminieren bunter selbst am PC erstellter Kärtchen über die Suchwörter „Arbeitsblatt“ und "Mandala" bei Google bis hin zur Auswahl einer Lehrbuchseite und der dazugehörigen Aufgabe im Arbeitsheft reicht. 
Seltener sammelt man Laubblätter, Blumen, Klorollen oder Bilder aus Zeitschriften. Immer allerdings reinigt man gummibehandschuht die Schreibfolien der Erstklässler mit Nagellackentferner.


Den wahren Experten erkennt man übrigens nicht daran, dass er täglich sein Equipment für jede einzelne Stunde im Trolly in die Schule karrt sondern dass er auch völlig unvorbereitet, übermüdet und wenn es sein muss auch mit 39Grad Fieber vier Stunden Klassenleiterunterricht abfeuert ohne dass Schüler oder Lehrer aus Frust durchdrehen oder dauerhafte Schäden erleiden. Ich nenne mich den Rüdiger Nehberg der Didaktik…