Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

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Montag, 4. Dezember 2017

Grüße nach Absurdistan: Eltern sind auch nur Menschen! Ein Gastbeitrag

Gestern Abend habe ich mein Email-Postfach gewienert. Nicht das private Messi-Postfach mit ungelogen 7865 ungelesenen Mails (grausige Tatsache!) sondern das lehrerzimmereigene Frau Müller-Postfach. Das ist überschaubarer. Und weil ich das so emsig tat, hat mir der Nikolaus heute morgen einen Gastartikel geschenkt. So oder so ähnlich war's...

"Huhu - ich hab dir einen Blogartikel geschrieben - weil mir heute mal so war." Mit diesen Worten kündigte mir Mee Bodyless die Email per WhatsApp an. Mee ist Musikerin, nebenbei auch Mutter und Pädagogin und eine meiner langjährigsten Freundinnen. Wenn nicht sogar die Langjährigste. Definitiv die Langjährigste. Mit ihr teile ich  nicht nur Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit auf der falschen Seite des erzieherischen Machtgefälles sondern auch das Glück, gelegentlich ziemlich spezielle Kinder zu haben...

Die Grippewelle ist im Anmarsch. Und da ich mich sorge, dass Frau Müller mal ausfällt, hab ich mich spontan und ungefragt in den Vertretungsplan eingetragen. Ganz uneigennützig ist das allerdings nicht - ich saß heute 2 Lehrern der Gymnasialstufe gegenüber und reflektierte gemeinsam mit ihnen das Sozialverhalten meines Sohnes im Unterricht. Ich befinde mich noch im Verarbeitungsprozess. Und auch wenn ich nicht veröffentlicht werde, wird mir das Niederschreiben meiner Erfahrungen mit Lehrern verschiedener Couleur sicherlich helfen.

Ich liebe Frau Müller. Sie ist meine Freundin. Schon lange. Und auch dann, wenn wir uns lange nicht hören. Und zwar bedingungslos. An meine Schulzeit erinnere ich mich nur partiell gern zurück. Und wenn, dann erinnere ich mich an Frau Müller. Mit ihren begnadeten, rhetorisch und visuell unschlagbaren Referaten über Kafka und Co übertraf sie selbst den leidenschaftlichsten Lehrer und holte mich, sicherlich ungewollt, aus meinem Sekundenschlaf zurück. Schon damals wünschte ich  mir, dass sie später die Lehrerin meiner Kinder werden würde. Schade, dass das nicht geklappt hat. Dann hätte ich jetzt vielleicht nicht folgende Probleme zu bearbeiten:

Ich war meinen Lebensaufträgen schon immer irgendwie voraus. Und als mein Sohn mit 4 Jahren damit begann, die Bundesligatabelle im Videotext hoch und runter zu lesen, wusste ich, dass bald Arbeit auf mich zukommen würde. Sozialarbeiter wittern das. So bemühte ich mich mehr als rechtzeitig um eine vorzeitige Einschulung.  Ich suchte Beratungsstellen, Begabungsforscher, freie Schulen, halbfreie Schulen, Hobbypsychologen und Schulen mit Gemeinschaftssinn und klassenstufenübergreifendem Unterricht auf. Am Ende wurde es die staatliche Schule auf dem Hinterwelterdorf,welches ich eigentlich verließ, um in der modernen Großstadt zu leben. 

Viel Auswahl hatte ich nicht, eigentlich gar keine. Denn die "Entfaltung der Persönlichkeit", wie im Kinder- und Jugendhilfegesetz beschrieben, hat in Schulen kein Gewicht. Zwei Dinge zählen: EINZUGSBEREICH und LEHRPLAN. Nur leider hat oftmals nur der Lehrplan einen Plan. Der Lehrer hingegen ist häufig planlos. Zumindest bei der Umsetzung des Plans. Und beim Versuch, keinen seiner Schüler der Planlosigkeit auszuliefern. 


Der Lehrer ist so voller Lehrplan, dass es ihm an Empathie für seine Schüler mangelt. Insbesondere bezüglich der verschiedenen Lernwege, Persönlichkeiten und Ressourcen. Am Ende landen die Eltern der Kinder, die fernab vom Mainstreben LEBEN, beim Verbindungsheft. Ich wollte mich zweimal dagegen wehren. Hatte aber keinen akzeptablen Gegenvorschlag, der messbar und kontrollierbar ist. Mein Vorschlag über "Beziehung" zu arbeiten wurde regelmäßig mit der Benennung der Gesamtschülerzahl abgeblockt. 

So brachte mir mein Sohn über 3 Jahre Tag ein, Tag aus,  kleine schriftliche Episoden aus dem Schulleben eines etwas zu intelligenten Schulkindes mit nach Hause. Das Beste nenn' ich gleich zuerst:

"Ben kommt morgens in der Schule an und fragt lauthals, ob alle Kinder ihren Penis mit hätten". Und damit nicht genug. Denn: "Dies fand er auch noch lustig!". Ich war entrüstet. Mein Sohn amüsiert sich in der Schule!!! 
Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht entsprechend geantwortet hätte:  
"Liebe Frau..........., als mein Sohn gestern nach Hause kam, teilte er mir völlig echauffiert mit, dass ich doch wissen müsse, dass der PULLERMANN eigentlich ein PENIS sei. Er hat sich so über diesen neuen Begriff gefreut, dass er ihn jetzt auch in der Kommunikation verwenden möchte. Er war schon immer ein Freund der Wortspiele." Und so war es wirklich.

Auf Platz 2 ist dieser Kommentar: "Die Klasse plante heute einen gemeinsamen Besuch der Kirche. Ben teilte lauthals mit, dass er darauf keinen Bock hätte...". 

Bezüglich der Abneigung gegenüber des Kirchbesuchs antwortete ich, dass wir uns immer alle wundern, dass gerade Männer oftmals Probleme haben, ihre Gefühle zu benennen und dass ich meine Kinder aber so erziehe, dass sie es sich von Anfang an gleich angwöhnen. Zudem sei es pägagogisches Geschick, meinem Sohn das Christentum schmackhaft zu machen. Gerade mit Kindern, die mitteilungsbedürftig sind und tagtäglich wirklich alles hinterfragen, ist die Kirche doch wirklich der beste Ort um ins Gespräch zu kommen. Lehrplan versus Plan Gottes. Warum hat er eigentlich nicht gleich 2 Frauen und 2 Männer erschaffen? Wäre alles viel schneller gegangen und die Erderwärmung wäre jetzt noch nicht soweit voran geschritten.


Aber gut. Null-Bock-Einstellungen waren in der Schule noch nie angesagt. Es folgten noch viele weitere kuriose Mitteilungen aus dem Schulleben meines Sohnes. Am Ende tat er mir nur noch leid. Und ich mir auch. Einer wirklich tollen Lehrerin, die sich die Jahre zuvor scheinbar in der Kirche versteckt haben muss, ist es zu verdanken, dass das letzt Jahr irgendwie glimpflich und mit 1,0 Bildungsempfehlung ausging. Gott segne sie. Übrigens trägt sie den gleichen Vornamen wie Frau Müller. Bei ihr blieb mein Sohn auch am Nachmittag noch freiwillig sitzen. Denn gedisst wird nicht nur durch Lehrer, auch Horterzieher stehen ihnen da nicht nach.

Wir springen ins Jetzt. Zu meinem heutigen Elterngespräch. Ich sitze mit zwei schon sichtbar gezeichneten Junglehrern im Klassenzimmer meines Sohnes. Schon zu Beginn weist Ben mich darauf hin, dass er nur einen Teil der im Zimmer präsentierten Klassenregeln abgesegnet hätte. Somit hat er natürlich auch Probleme, sich dran zu halten. Ich habe Verständnis, bin aber auch vernünftig und teile ihm zum 187. Mal mit, dass ich meinen Arbeitsvertrag auch nur unterschrieben habe und mich keine Sau nach meiner Meinung gefragt hat. 

Gleich zu Beginn wird mir klar: Es handelt sich um die alte Leier. Langeweile, Störverhalten im Unterricht, doofe Sprüche, schlechte Konzentration, rücksichtsloses Verhalten, Minderleister. Hochbegabte halt. Als hätte es der Lehrer von Wikipedia raus kopiert. Meine Hoffnung, dass Junglehrer hier auf einem neueren Wissensstand sind, zerschlägt sich innerhalb von Sekunden. Ich höre mir an, dass Kinder ohne Haargummi, 90 Minuten im Sportunterricht auf einer Turnbank verbringen müssen. Entrüstet wird mir mitgeteilt, dass mein Sohn den kurzen Zeitraum von NEUNZIG MINUTEN nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, Kinder zu bespaßen, Comedians zu rezitieren und aufzustehen. 

Überhaupt steht er im Unterricht auf. Die Tatsache, dass er einer bewegten Grundschule entspringt, lässt die Junglehrer dann doch mal aufhorchen. Man kommt mir entgegen und ich gebe gute Tips. Weil ich so entzückt davon bin, stimme ich dem Verbindungsheft zu. Dabei dreht es mir mehrfach den Magen um. Ich nehme mir vor, dies zu unterbinden, wenn ich merke, dass auch die Lehrer sich nicht an unsere Absprachen halten. 

Nach dem Gespräch bin ich nicht zufrieden, denke mir aber, dass es hätte schlimmer sein können. Ich maßregle meinen Sohn, dass er künftig andere Kinder wenigstens korrekt beleidigen soll. Einen Vietnamesen als Chinesen zu betiteln ist schon ganz schön flach. Ich bin auch beleidigt, wenn ich Kindergärtner genannt werde. Ich frage mich, wie ich beruflich und privat die Rechte der Kinder durchkämpfen soll, wenn Kinder schon soweit sind, dass sie im Klassenrat die absurdesten Konsequenzen beschließen. Als ich höre, dass mein Kind bei 3 Strichen fürs Stören etwas abschreiben muss, rutscht mir kurz die Abkürzung DDR aus dem Mund. Ich frage nach einem inhaltlichen Bezug zum Vergehen - und den gibt es. Sinn macht er keinen, aber er ist da: "Es ist Nachmittag und eigentlich könnte ich jetzt mit meinen Freunden spielen. Da ich aber heute gestört habe, muss ich an diesem Text schreiben...".


Hier bin ich an dem Punkt, wo ich nicht mehr weiß, was ich sagen soll, außer DDR. Der Junglehrer täuscht sein modernes Handeln vor, indem er Sanktionen unter dem Deckmantel der kindlichen Partizipation an mich herantragen will. Die Kinder haben entschieden. Ich frage nach Alternativen. Die gibt es wohl, aber konkreter wird es nicht. Am Ende wittert der Sozialarbeiter Überforderung beim Junglehrer.

Liebe Lehrer, euren Job möchte ich nicht haben. Ihr aber, habt euch dafür entschieden. 

Ich habe monatelang gestillt, Wochen in Krankenhäusern verbracht und 200 Päckchen mit pädagogisch wertvollem Spielzeug bei Amazon bestellt. Wir waren immer viel draußen und ich habe keine wechselnden Lebenspartner. Ich habe mein Kind nach der Geburt sofort mit nach Hause genommen. Ben hat Hobbies, unsere Urlaube sind individuell und in der Gemeinschaft. Ich komme zu jedem Elternabend. Ich habe viel gelesen und Tipps gegeben, die Kita gewechselt, mich mit den Großeltern und meinem Ehemann gestritten. Ich kontrolliere jeden Tag das Hausaufgabenheft. Wir spielen am Wochenende bis 23.00 Uhr Siedler obwohl ich eigentlich lieber vögeln oder Gitarre spielen würde. Ich höre so oft wie möglich zu. Mein Kind geht auf Fußballspiele und Konzerte. (Obwohl Sonntag ist). Ich denke, ich bin dabei. Ich denke, wir rocken das. Aber jetzt - jetzt seid ihr auch mal dran...

Ich gebe zu, ich habe mich nur dazu entschieden diesen Artikel zu veröffentlichen weil er sowohl meine Persönlichkeit als auch meine ganz individuelle berufliche Kompetenz beweihräuchert.

Soll also keiner sagen, ich wettere nur gegen Eltern und im Speziellen Mütter. Ich geb ihnen hier sogar eine Stimme - übrigens als Teil der ständigen Aktion bzw. Blogparade "Flohmarkt der Gefühle". Vermutlich, weil sich diese Stimme mit meiner bei einer Flasche Rotwein nicht nur über Analverkehr und unsere gemeinsame Schulzeit sondern auch über anstrengend-kluge Kinder austauschen kann...

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Mittwoch, 5. Juli 2017

Frau Müllers Flohmarkt der Gefühle - Blogparade: Schreib-Katharsis für ALLE



Es sind Ferien und das Hirn macht 137 Updates. Bitte unterbrechen sie die Stromzufuhr nicht. Dennoch soll der 50. Blogeintrag etwas Besonderes sein. Sehr viel Output gibt es heute nicht, dafür aber Hilfe zur Selbsthilfe...
 
Es ist tatsächlich ein bisschen wie Ebay. Etwas, das man nicht mehr braucht oder sogar dringend loswerden will, nimmt ein anderer sehr gerne und hat womöglich auch noch viel Freude damit. Ebay für Emotionen. Besonders aus den Feedbacks zu Artikeln, in denen ich mich über irgendetwas auskotze, lese ich nicht selten viel Dankbarkeit heraus. „Ich habe mich köstlich amüsiert“, „Zum Totlachen“ und vor allem viel Wiedererkennungswert im eigenen Gefühlsleben. Also meine Inneneinrichtung ist gut mit eurem Interieur kombinierbar. Wie schön, dass euch Gefühle, die ich loswerden wollte, so viel Freude bereiten. Nicht selten wird ein kleiner netter Austausch daraus, von dem man dann als Gefühls-Anbieter auch noch etwas hat. Genau wie bei Flohmärkten und Kleinanzeigen.
 
Eine Bekannte, die über die Pathogenese meiner wechselnden Gefühlszustände rudimentär Bescheid wusste - oder kurz, bei der ich mich ab und zu smalltalkmäßig ausgekotzt hatte -  sagte, als der Blog gerade seine ersten Atemzüge getan hatte, einmal zu mir: „Jetzt hast du deine Therapie gefunden!“ 
Und auch eine psychotherapieerfahrene Kollegin gab mir in einer schwierigen Phase schon einmal den Rat ‚alles aufzuschreiben‘, wobei sie ihren eigenen Therapeuten zitierte. 
Valide Nachweise zur Wirksamkeit dieser „Therapieform“ kann ich euch an dieser Stelle nicht bieten und gewohnheitsmäßig verweigere ich auch die Recherche. Vielleicht ergänzt das die Schwarmintelligenz in den Kommentaren.

Ich kann aber sagen, dass das sich dem Ende nähernde Schuljahr, in welchem ich zu bloggen begann, das Erste ist, in dem ich KEINEN kopfbedingten Krankenschein benötigte.
Wie auch immer. Lange Rede – kurzer Sinn. Ich möchte mit euch einen Flohmarkt veranstalten und euch die Möglichkeit geben, eure Gefühle erstens loszuwerden und zweitens im günstigsten Falle noch in irgendwas Positives umzuwandeln.


Was müsst ihr dafür tun? 
Möglichkeit 1: Im Sinne einer Blogparade veröffentlicht ihr den Artikel zum Gefühlsflohmarkt bei euch auf dem Blog und ich stelle euren Post hier im Lehrerzimmer vor. Selbstredend gegenseitig verlinkt im Sinne der Vernetzung. Wuuuuh. Ich hab die bösen Blogger-Wörter in die Tasten getippt.
Möglichkeit 2: Ihr habt keinen Blog aber was loszuwerden? Kein Problem. Schickt mir eure fertig im Text verpackten Gefühle per Mail an lehrerzimmer@outlook.com und ich mach einen „Gefühls-Flohmarkt-Artikel“ hier für den Blog draus. Ihr dürft dabei gerne anonym bleiben, müsst ihr aber nicht. 
 
Erlaubt ist alles was raus muss. Allen voran der Job. Hey, nur weil man sich vielleicht eine Arbeit ausgesucht hat, muss das nicht heißen, dass man nichts daran scheiße finden darf. Nerven euch Chefs, Kunden, Kinder, Eltern, Kollegen oder wer auch immer? Dann her damit, wir lesen euch zu. Euch gehen Menschen allgemein oder Teile unserer Gesellschaft auf den Geist? Dann bitte. Rassistisches oder homophobes Zeug lasst ihr aber bitte stecken.

Ein offenes Ohr bzw. Auge haben wir auch für bescheuerte Expartner und Schwiegermütter, Personalchefs, Beamte, Nachbarn oder oder oder. Probiert es aus und erlebt die heilende Wirkung des „Gefühle einfach rausschreiBens“.

Viel mehr hab ich heute dann gar nicht zu sagen. Ich gebe der Aktion Frau Müllers Flohmarkt der Gefühle keinen Zeitraum, sie läuft neben her und ich hoffe natürlich auf die ein oder andere emotionsgeladene Beteiligung. Rege Teilnahme trau ich mich nicht zu schreiben, da die Reaktionen auf solche Aufrufe meistens sehr überschaubar sind.

Ich schließe heute mit ein paar Auszügen aus meinen in den Gefühlskleinanzeigen angebotenen Artikeln und den Links dazu. Sozusagen zur Inspiration…

„(…)Ich hasse Facebook. Ich hasse es wenn Herr Müller morgens nach dem Aufwachen bei geschlossenem Rollladen vor dem Fenster zu mir sagt: „Schatz, es hat geschneit!“ – er weiß es von Facebook. Verdammt, was bringt Menschen dazu morgens nach dem Aufwachen die Großwetterlage zu posten?(…)“ 

„(…) Ich träume die Szene anders: auf dem Billigflug nach Palma dutzt der neunjährige Kevin die Stewardess, besteht auf die Trovatos im Bordfernsehen, protestiert 45 Minuten lautstark weil es kein Bordfernsehen gibt und spült seine Schuhe aus Protest die Bordtoilette runter. Die Stewardess ruft: „Ein Lehrer. Ist hier ein Lehrer an Board?“ Ich mache mich ganz klein in meinem Sitz, halte meinen ausgestreckten Zeigefinger vertikal vor meine gespitzten Lippen und schaue meine Kinder drohend mit aufgerissenen Augen an. Dann wache ich schweißgebadet auf. (…)“ 


„(…) Sollen wir ernsthaft ein schlechtes Gewissen wegen unserer Arbeitszeiten haben gegenüber Eltern, die vormittags genug Zeit haben Anzeige gegen Sechstklässler wegen harmloser Rangeleien auf dem Schulhof zu erstatten, uns in verdienten Pausen auflauern um uns zu einem ungeplanten Gespräch wegen Belanglosigkeiten zu nötigen oder die zu bequem sind, bei einem Unfall ihres Kindes mit dem Bus in die Schule zu fahren weil alle anderen arbeitslosen Freunde mit Auto ohne TÜV wohl gerade einen Pflichttermin beim Arbeitsamt wahrnehmen? Ich denke nicht. (…)“ 

„(…) Weitere fünf Minuten später – die Tür öffnet sich erneut. Kollege M.: „Weißt du wo Pflaster sind?“ Ich: „Äh, ja, da – im Verbandskasten!“ M. wirkt etwas gestresster und verlässt mit dem Pflaster den Raum. Diesmal nicht ganz fünf Minuten später öffnet sich die Tür ein letztes Mal. M.: „Ich brauch mal mehr als Pflaster!“ – „Ja, im Verbandskasten…“ Bei der Erstversorgung der Wunde eilt ihm dann schließlich noch der unterrichtende Kollege der dritten Werkgruppe zu Hilfe. Mittlerweile ist der Schülerfinger, nachdem er später noch fachmännisch notfallmedizinisch versorgt wurde, gut verheilt. Keine bleibenden Schäden. In diesem Fall.(…)“ 

„(…) Da ich hier aber nun mal nicht in der Schule sondern in MEINEM Lehrerzimmer bin MUSS ICH GAR NICHTS. Und wisst ihr was noch besser ist? IHR MÜSST AUCH NICHTS. Ihr dürft kommen wann ihr wollt und lesen was ihr wollt und ich schreibe WAS ICH WILL. Hört sich doch traumhaft an, oder?! Im günstigsten Falle finden wir sogar gelegentlich einen gemeinsamen Nenner… JACKPOT.(…)"

„(…) Nur eins will ich damit sagen: Mütter, zieht euch endlich den Stock aus dem Arsch! (…)“ 

Mit diesen bedeutungsschwangeren Worten möchte ich heute schließen. Nächste Woche gibt's wie gewohnt einen neuen Blogartikel - unabhängig vom Flohmarkt. Vom Niveau her wird sich dieser rund um die Grenze zwischen Schlaf und Wachzustand bewegen, also seicht. Für die Eindämmung eurer wissenschaftlich übrigens nachgewiesenen Ferien- bzw. Urlaubsverblödung bin ich nicht verantwortlich. Ich hab da mit mir selbst zu tun. Löst doch ein paar Sudokus, hab gehört das soll helfen. Oder nehmt einfach an meinem Flohmarkt teil. Das ist Psychohygiene at it's best. 

Wem bis dahin ganz fürchterlich langweilig ist,
 dem rate ich in der Lehrerzimmeraußenstelle 
Dort tue ich in unregelmäßigen Abständen 
nichts gegen Verblödung. Aber gegen Langeweile.