Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. Juni 2018

Vom Arschloch Stoffwechsel, Laubpfauen und sexuell bedingt schütterem Haar


Wenn man eine Weile bloggt, sammelt sich ein bisschen was an. Und zwar nicht nur in dem für alle öffentlich zugänglichen Setzkasten, welcher all meine gedanklichen Ü-Ei-Figuren beherbergt, sondern auch auf dem virtuellen „Nicht fertig“- oder „Lass liegen, vielleicht gefällt es dir in ein paar Monaten besser“-Stapel. Genau an diesen Stapel wagt man sich, wenn man mal wieder entweder keine Lust oder keine Zeit (oder beides) hat, etwas Neues aus den Tasten zu quetschen. Selbiges habe ich auch heute getan. Entstanden ist ein wirres Gedankencluster aus Ansichten und Erlebnissen von damals und heute, welches sich hervorragend in den präsommerlochschen Kehraus einfügt.
  
Ich habe kein Problem mit meinem Alter. Als ich nach meinem 30. Geburtstag feststellte, dass ich nun aktiver gegen körperliche Verfallsprozesse vorgehen muss weil Gesicht allein nicht mehr reicht, war das eine Erkenntnis mit der verbundenen Konsequenz, zumindest etwas Sport zu treiben. Mehr nicht. Ich altere nicht, ich geilere. Das ist alles eine Frage der Einstellung. 
Allerdings hab ich ein Problem mit Arschlöchern. Und mein Stoffwechsel ist ein Arschloch. Dieses Arschloch schert sich herzlich wenig darum, ob und wie viel ich esse oder mich bewege. Nicht ich entscheide, wo es schwabbelt und dellt, nein – das tut Arschloch Stoffwechsel. „Es gibt kein Recht auf Gerechtigkeit“ sagte einst mein talentierter Psychotherapeut und somit wohl auch keinen Schutz gegen Arschlöcher. Nicht im richtigen Leben und auch nicht im Kopf. Und genau wie im richtigen Leben, kommt man an manchen Tagen mit den Arschlöchern besser zurecht und an anderen Tagen eben schlechter.

Einen zuverlässigeren Stoffwechsel haben vermutlich die meisten Mittzwanziger, dennoch sind sie nicht zu beneiden. Sie haben einen furchtbaren Musikgeschmack, sind gerade am Anfang der Familienplanung (haben also keinen Schimmer von Dammschnitten und Elternabenden) und frieren ständig an den Knöcheln. Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Allerdings fror man zu meiner Zeit eher im Nierenbereich oder am Arschansatz. 

Wir sind heute eingeladen zu Rudis Überraschungsparty anlässlich seines 30.Geburtstags. Rudi ist die Kurzform von Rudolf aber Rudolf heißt natürlich nicht wirklich Rudolf. Allerdings ist Rudolfs tatsächlicher Name genauso unpassend für einen Dreißigjährigen. So unpassend, dass die sehr direkte Sabrina einst in der großen Runde einer Hochzeitsgesellschaft Rudis Freundin fragte: „Rudolf? Er heißt wirklich Rudolf? Ich dachte Rudi ist nur ein Spitzname wegen irgendwas. Wie um alles in der Welt stöhnt man denn Rudolf?“
Darauf hatte die hübsche zierliche Frau mit der Hüftbreite einer Siebenjährigen so spontan keine Antwort, obwohl sie sonst weniger verlegen bezüglich der Bekanntgabe sehr persönlicher Informationen war, zumindest wenn es darum ging, mir ohne Umschweife und in Zimmerlautstärke mitzuteilen, dass sie schon den ganzen Tag kacken muss, während ums Eck vor dem Zugang zu den Toiletten die halbe Gästeliste unfreiwillig mithörte.

(Ich weiß, Grundsatzdiskussion. Wer stöhnt eigentlich den Namen seines Partners? Das macht doch kein Schwein, oder? Nur Pornosternchen schreien ekstatisch „Jaaa, Jerome, jaa. Schneller, tiefer, härter, du geiler Hengst.“ oder kichern mit süffisant überspitzten Stimmchen: „Hansi, du Stier. Gib‘s mir schmutziger, als je zuvor.“ Aber ja, sie hat es trotzdem gefragt.)

Rudis Freundeskreis besteht überwiegend aus Mittzwanzigern. Während die Feiergesellschaft auf das Eintreffen des Jubilars wartet, der seit heute in ihren Augen gefährlich an der Frühbucherrabattgrenze fürs Altersheims kratzt, höre ich die folgende Aussage einer Hipsterin gegenüber ihrer Girlsclique: „ Also wenn ich mal 30 werde, will ich nicht so ein Tamtam.“ Ich glaub ich kotze gleich. Im Strahl. Nicht weil ich mich in diesem Moment um 20 Jahre gealtert fühle. Nein, so habe ich mich tatsächlich nur einmal gefühlt, als ich zu einem Konzert der Band Kraftklub mitten in 5000 bezahnspangten Teenies mit einem BMI unter 15 stand und sich Müllers nach dem Konzert einen Fluchtweg durch den Konvoi wartender Eltern bahnen mussten. 
Vielmehr habe ich den sicheren Eindruck, diese Aussage erwuchs nicht aus dem respektablen Keim der Bescheidenheit einer Person, die nicht gerne im Mittelpunkt steht und weiß, dass Luftballons eine Gefahr für Meerestiere sind. Nein, sie hätte ebenso sagen können „Wenn ich sterbe, dann möchte ich kein Hochglanzgrab aus poliertem Marmor mit Bronzeengel in Lebensgröße. Bitte streut meine Asche nur in aller Stille in den Wind.“ Alle metasprachlichen Parameter wären die gleichen.  

Warum glauben viele Menschen in den Zwanzigern, 30 zu werden ist etwas Schreckliches? Es gibt schlimmere Dinge, als einen lahmen Stoffwechsel. Milchstau, Maggifix, Rosenthaler Kadarka oder H&M zum Beispiel. Ja, man wird im Alter anspruchsvoller in vielen Dingen. Auch das habe ich an diesem Abend gemerkt. „Wer gut tanzen kann, kann auch gut vögeln.“ schnappe ich am Rande der Tanzfläche auf. Das mag gut möglich sein aber: so wie ich nicht zu allem tanze, vögle ich auch nicht mit jedem. Und noch was hat Tanzmusik mit Sex gemeinsam: Je nüchterner du bist, desto wählerischer bist du auch.

Diese Mittzwanziger-Wunschmusik ist auf jeden Fall bestialisch: sie feiern wie die Tiere zu alemannischen Botox-Blondinen mit Dyspnoe bei Dunkelheit oder Adolf Presley (wäre der mal lieber auf seinem Trecker geblieben) mit Schmalzfrise und Stricksocken. Ohne jedweden Anspruch auf hochwertige Unterhaltung. Und genauso scheinen die auch über Sex zu denken. Rudi (seines Zeichens Trauzeuge zur Quattroehe-Schließung durch den Dragqueenpfarrer.. oder die Pfarrerin?) meint zu Sarah mit Blick auf das Pärchen, dass uns am Tisch schräg gegenüber sitzt: „Die würden auch gut in eure Gruppe passen.“ 
Hallo? Gruppe? Ich meine: Wer sind wir? Das THW? Wo jeder mitmachen kann, der Lust dazu hat?Wir sind die Quattroehe. Wir sind quasi verheiratet.

Abgesehen davon warten Männer Mitte Zwanzig scheinbar alle noch auf den letzten Wachstumsschub. Die sind irgendwie klein. Ich hab mal gehört, dass Männer im Alter deswegen zu Glatzenbildung neigen, weil das Hirn nochmal wächst und daher die Kopfhaut spannt. Ich glaube ja eher, dass die Haare sich in dem Alter einfach ergeben, weil sich schon so viele Frauen drin festgekrallt haben. Dass diese fünfundzwanzigjährigen großen Jungs noch so dicht bewachsene Hinterköpfe haben, ist in dem Zusammenhang Indikator für fehlende sexuelle Qualitäten und hohen Fortbildungsbedarf. Was genau Ü30-Sex so erstrebenswert macht, habe ich übrigens HIER schon mal ausführlicher verbloggt…
  
Ich mag unsere exklusive Gruppenbildung ja sehr, aber was diese jungen Menschen unter Gruppenbildung verstehen, finde ich schon schräg. Als Pärchen dort angekommen, scheinen sie den restlichen Abend unter so etwas wie Geschlechtertrennung zu verbringen. Am Frauentisch eher wenig Alkohol. Schließlich befindet man sich ja in der Familienplanung, stillt noch oder muss morgen früh fit sein weil die lieben Kleinen ja keine Rücksicht nehmen. Hipster-Mutti-Themen: Schnittmuster für Partnerlook-Mützchen und Brei kochen im Thermomix. Die Männer am anderen Ende des Raumes müssen ihr Bier heute mal nicht in der Garage auf einem Bierkasten sitzend trinken, sondern dürfen mit Geschlechtsgenossen unter dem wachsamen Glucken-Blick vom Mutti-Tisch öffentlich männlich sein. Na, wer will jetzt nochmal Mitte Zwanzig sein?

Ich habe an solchen Abenden immer das Gefühl, der Pfau in der Entenschar zu sein. Oder die Rose im Laubhaufen. Klar, der Stoffwechsel der Rose, mit der ich mich hier vergleiche, ist sicher noch kein Arschloch. Dafür ist das Laub schon tot. Aber darum geht es nicht. Laub ist nur hübsch wenn Herbst ist, jemand einen Filter drüber legt oder die Sonne drauf scheint. Und im Herbst scheint die Sonne nun mal selten. Ansonsten ist Laub eben Laub. Rosen haben Würde. Versteht das nicht falsch. Ich mag Enten. Und Laubhäufen. Letztere sind wichtig im Kampf gegen Igel-Obdachlosigkeit. Aber beide, der Pfau und die Rose wirken in diesem Setting deplatziert. Man vergleicht nicht, weil man nicht vergleichen kann, was in unterschiedlichen Ligen spielt.
  
Weil die Musik nicht besser wird, als diese jungen Erwachsenen anfangen ihrer Ehrfurcht vor dem Alter durch Klassiker und Oldies auszudrücken und mein Versuch auf dem Klo einfach zu sterben scheitert, beschließen wir zu gehen. Wir bahnen uns den Weg durch die rauchenden Pfirsichwangen vor der Tür, die nur davon träumen können, bei gleichbleibender Nikotin-Exposition in zehn Jahren noch meine Haut zu haben.

Mir drängt sich in dem Moment eine Frage auf: Du kannst dreimal die Woche Yoga oder Crossfit machen um nicht körperalt zu werden. Du kannst teuer schmieren und günstig nichtrauchen um nicht gesichtsalt zu werden. Aber was kannst du AKTIV tun, um nicht kopfalt zu werden? Damit meine ich weniger senil als viel mehr unbeweglich. Gibt es da gesicherte Erkenntnisse?

Im Auto provoziert mich Herr Müller: „Schatz, wenn du 30 wirst, schmeiß‘ ich dir auch so ne Party.“ Ich antworte ihm nur mit einem hysterischen Lachen. Ich möchte jetzt nicht an Partys denken. Ich möchte raus aus diesem engen Kleid, den furchtbar hohen Schuhen und aufs Sofa zu meinem Einteiler. Dort sollte man mir morgen früh wortlos eine Kopfschmerztablette und einen Eierlikör reichen und mich die nächsten 72 Stunden für nichts einplanen. Schließlich bin ich nicht mehr die Jüngste, feiern ist anstrengend und dann ist da ja auch noch das Stoffwechselarschloch. Das hält sich in meinem Alter gerne länger an Alkohol und Pizzabrötchen auf.


An dieser Stelle stelle ich den Laptop beiseite, lehne mich in mein Terrassensofa zurück und nehme Mittwochnachmittag kurz nach fünf einen großen Schluck gekühlten Riesling. Dank fernspielender Müllerkinder ist es hier so ruhig, dass ich zwischen Vogelgezwitscher das leise "wuuuäääähhh" aus den Kinderwägen der Mittzwanziger hören kann, die vorne auf der Straße vorbei rollen. 
Absurdistan,
die Quattroehe und
alle wichtigen und weniger
wichtigen Protagonisten rund
um die MüllerMansion haben
um nichts zu verpassen. 

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Alle Jahre wieder: Herr, lass' Glühwein und Ohrenstöpsel regnen!

Im letzten Jahr gab es an dieser Stelle den GAYZEMBER. In diesem Jahr blieb mir  LEIDER die Mehrzahl der zuckerwattig-zauberhaftigen Erlebnisse mit meinen homosexuellen Einhornfreunden verwehrt, weswegen es mir nicht möglich war einen ganzen GAYZEMBER 2018 inhaltlich zu füllen. Verzeiht mir also, wenn ich es wie alle mache und irgendwas über Weihnachten schreibe. Es ist ein bisschen wie mit Glühwein. Eigentlich ist es immer nur Glühwein - allerdings kommt es auf die Qualität an. Und manchmal auch auf den entsprechenden Schuss. Bei mir gibt's viel Schuss. Mit ohne Aufpreis.


An sich mag ich Weihnachten. Mir bleibt im Grunde auch gar nichts anderes übrig, dann da wo ich herkomme wird Weihnachten zelebriert. So sehr, dass es sogar eine Art Weihnachtstourismus ins Land der Müllerin gibt und an den Wochenenden volkskunstgeile Rentner massenhaft von Reisebussen ausgespuckt werden. 

Soweit so gut. Wenn man an der Autobahn wohnt, hört man irgendwann den Verkehr nicht mehr. Für mich bedeutet Weihnachten, dass Weinkonsum jenseits abendlicher Dunkelheit relativiert wird solange die Spirituose dampft und sich in einer bunten Henkeltasse befindet. 
Keiner wundert sich über den Grinch als WhatsappProfilbild und im Radio laufen diese wunderbaren Weihnachtsschinken, die alle hassen. „Last Christmas“, "Driving home for Christmas" und Band Aid… sorry Leute, ich liebe es. Ich steh' sogar auf dieses uralte Mundartliedgut aus meiner Region, das jedem Auswärtigen ein Stirnrunzeln aufs Gesicht zaubert.  Und "Sind die Lichter angezündet" ist sowas wie Ritalin für eine Frau Müller, die kurz davor ist, jemanden mit Kräuselband zu erdrosseln.

Weihnachten ist ganz okay. Noch okayer sind Schnapspralinen im Adventskalender und Mäntel, die lang genug sind um unter der Last des Christstollens anschwellende Arschbacken und Oberschenkel zu kaschieren. Temperatur und Witterungsbedingungen legitimieren Netflix statt Outdoor. Bis an diesen Punkt hat die Weihnachtszeit etwas Beseeltes und Heimeliges. Hygge heißt das doch neudeutsch, oder?
 
Mit der Hygge isses aber spätestens vorbei, wenn das große Müllerkind Montagabend sagt: „Ach Mama, morgen Abend um sechs is das Weihnachtskonzert unserer Schule!“ Und weil ich die Hoffnung nicht aufgebe (oder einfach dumm und naiv bin), frage ich wie jedes Jahr: „Machst du da mit?“ 
– selbstredend macht er da mit. Es ist eine christliche Schule. Natürlich machen da alle mit. Und wo findet das Weihnachtskonzert einer christlichen Schule statt. Yeeehaa – sechs Richtige: In der Kirche natürlich. Freude, Freude!

Nun fragen sich die Kenner unter den Lesern sicherlich, warum eine Frau wie ich, mit einem quasi nichtvorhandenem Verhältnis zum christlichen Glauben, ihr Kind an eine solche Schule schickt. Wie soll ich das erklären. Hier auf dem Lande hat man bei der Entscheidung für eine Schule die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Ich bin an sich ein Lokalpatriot und kaufe meine Weihnachtsgans beim Dorfbauern. Und auch bei der Auswahl der Grundschule gab ich zunächst der Bildungseinrichtung in Steinwurfentfernung eine Chance. Das Problem war allerdings, dass die Philosophie der Chancengeberei nicht auf beiden Seiten funktionierte und die Klassenlehrerin des großen Müllers anscheinend kein Fan der BigBangTheory war. Jedenfalls konnte sie mit dem leicht nerdigen Leistungsverweigerer, welcher sechs Jahre zuvor meinem Becken entsprang, nicht viel anfangen. 

Erlösung fanden wir tatsächlich in den flexibleren Unterrichtsmethoden und einem sehr viel humaneren Menschenbild der Privatschule in christlicher Trägerschaft aus dem Nachbarort. Nützt eben nix. Jetzt verweilt der große Müller eben dort und bereichert den Unterrichtsalltag mit glaubenskritischen Diskussionseinwürfen und unser Weihnachtsfest alljährlich mit einer Veranstaltung, bei der wir mitten unter betenden Menschen weilen.

Einziger Lichtblick ist der Weihnachtsmarkt direkt vor der Kirchentür. Zwei Tassen Glühwein mit Schuss vor Beginn des Programms ermöglichen mir zwar, das Ganze geistig durchzustehen, spätestens nach der ersten Viertelstunde nötigt mir meine Blase allerdings einen Besuch auf dem Heiligen Stuhl, also der Kirchentoilette, ab. Bemerkenswert finde ich, dass es dort angesichts der gesteigerten Luftfeuchtigkeit des alten Gemäuers, feuchtes Toilettenpapier direkt von der Rolle gibt. 

Es folgen 60 Minuten Inferno aus Kindern, die Instrumente foltern – Blockflöte from Hell – und pickligen Milchbärten, die mit brüchigem Bass den Einsatz beim Kanon verpassen. Die Kombination aus einer Geige, die klingt als würde sie das Lied vom Tod spielen und nicht „Leise rieselt der Schnee“, der Wirkung des Glühweins und der erhöhten Konzentration elterlicher Glückshormone in der Luft versetzt mich in einen tranceähnlichen Zustand in dem ich halluziniere, dass dem kleinen rothaarigen Mädchen aus dem Mittelgang plötzlich gewundene Hörner und Hufe wachsen und es dem Pfarrer an die Kehle springt.

Herr Müller reißt mich aus meinem Tagtraum, als er mich fragt ob es eigentlich erlaubt ist in der Kirche zu essen. „Hallooo? Weißt du wie egal mir das ist? Kuck, dort drüben, die stillt. Also kannst du auch essen. Außerdem wurde mir hier nie eine Hausordnung oder irgendwelche Nutzungsbedingungen präsentiert. Ich hab nichts unterschrieben.“
Herr Müller kramt in meiner Handtasche nach den gebrannten Mandeln vom Weihnachtsmarkt. Und während er mitten im Gebet mit der Tüte raschelt und geräuschvoll Mandeln knuspert, denke ich: Ein Eismann, so wie im Kino. Das wäre jetzt gut. Dann wäre auch ein Schild am Kirchenportal mit der Aufschrift „Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken verboten“ legitim. Vermutlich würde ich Nachos mit Käsedipp essen. Hier drin isses ja schon kalt. Kirchen haben ein schlechtes Catering.

Weil wir nicht wie gute Eltern schon vor Einlass an der Kirchentür standen um die Plätze mit der besten Sicht zu ergaunern, sondern lieber zum Dienstagabend das Tagesgeschäft der Budenbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt retteten, sitzen wir jetzt hinten irgendwo am Rand auf den Stühlen quer zur Betrichtung. Das hat den Nachteil, dass einen beim Mandeln knuspern strafende Blicke aus allen Richtungen treffen und man nur kurz einen Blick aufs im Klassenverband singende Müllerkind werfen kann. Unschlagbarer Vorteil dieser Plätze ist allerdings, dass man die betenden und singenden Menschen beobachten kann. Das ist echt lustig. Wer Walking Dead kuckt, kann die Faszination am Menschen verstehen.

Den krönenden Abschluss eines solchen Events bilden die Kinder mit den Kollektekörbchen am Ausgang. Herr Müller kann den Sanifair-Wertbon vom Autobahnklo nicht so schnell finden und ich entschließe mich spontan die Edeka-Treuepunkte doch lieber in neue Steakmesser zu investieren. Also klimpert man im Vorbeigehen nur kurz mit den Fingern im Kleingeld des Körbchens. Ihr wisst schon, wegen Weihnachtskarma und wegen des Eindrucks. 

Das mit dem Eindruck hat übrigens noch nie funktioniert, weswegen dem jüngeren Müllerkind die Beschulung mit Gottes Segen verwehrt wurde. Der geht jetzt in die Dorfschule nahe der Müllermansion und dank gesteigerter Anpassungsbereitschaft seinerseits und seitens seiner Lehrerin verglichen mit der Causa „Müllerkind 1“ klappt das auch ganz gut. Schade eigentlich für die Seelenfänger unterm Kruzifix, denn der jüngste Müller ist der Einzige mit Glaubensambitionen in der Familie. Nun gut, ich denke auch er lernt noch, dass die Gebrüder Grimm und StarWars glaubwürdiger sind.

Der Versammlungsort, an dem ich Ende der Achtziger eingeschult und den die Dorfbewohner Volkshaus nannten, wurde wenige Jahre nach meiner Schulanfangszeremonie dem Erdboden gleich gemacht. Das lag nicht an mir oder meinem Matrosenkleidchen von damals, sondern viel mehr an der Bausubstanz, die den neuen Standards nicht entsprach oder schlicht weg am Wandel der Zeit. Denke ich. Heute steht dort ein schmucker Prunkbau der Freiwilligen Feuerwehr. 
Da jedoch im Spritzenhaus zu wenig Platz für die Familien von acht Grundschulklassen ist und eine Bestuhlung der örtlichen Turnhalle zu aufwendig wäre, greift auch die staatlich-weltlich finanzierte Grundschule natürlich auf welchen Veranstaltungsort für das obligatorische Weihnachtsprimborium zurück? Selbstverständlich! Auf die Kirche!

Zwei Kirchenbesuche in einer Woche. Eigentlich ein Fall für Amnesty International, wie ich finde. Aber ich mach ja gerne den Märtyrer. Weil alle wissen, dass Zeit kostbar ist, Grundschüler sich besonders lange konzentrieren können und die Grundschullehrerinnen unter den Dörflern hier ein besonderes Geltungsbedürfnis haben, geht dieser darstellerische Schwanzvergleich der Unterstufenpädagogik ganze zwei Stunden. 

Immerhin wurden dieses Jahr die Eintrittskarten pro Familie auf Drei beschränkt. Entweder die Brandschutzbeauftragten der örtlichen Feuerwehr haben nach dem Chaos des letzten Jahres die Auflagen verschärft oder eine der Mütter im Elternbeirat hatte genau wie ich nicht im Schlafsack vor der Kirche übernachtet, um einen der wenigen Sitzplätze mit Blick auf die Aktionsfläche zu bekommen und musste ebenso auf graue Kaltwellen, Halbglatzen und die Digitalkamera-haltenden Filzärmel in gedeckten Farbtönen von Urgroßtante Ursula und Stiefschwippschwager Herbert starren.

Aktionsfläche ist das Stichwort. Die Architektur einer Kirche ist nicht gemacht für eine Revue mit 170 halben Menschen unter 1.50m. Sie ist gemacht für genau einen Selbstdarsteller, der viel zu viele Jahre Studium und damit vermutlich staatliche Ausbildungsförderung darauf verschwendet hat, etwas sehr hanebüchenesaus einem Buch zu studieren, dass mich bei der Lektüre in die Gefühlswelt eines Legasthenikers mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom schlüpfen lässt. Dieser Selbstdarsteller steht sonntags auf dem eigens für ihn gezimmerten hölzernen Podest und erzählt entweder schräges Zeug oder übersetzt grundlegende Regeln eines friedlichen und respektvollen Miteinanders ins Wort von Jesus Crispus. 

Jedenfalls haben alle frommen Menschen einen guten Blick auf den Referenten des Herrn. Ich habe jetzt nur einen guten Blick auf seine leere Kanzel und die geschnitzten Hipster in weißen Bettlaken an der Wand. Kinderstimmen kommen aus dem Off und Lautstärke steigt bei einigen Jungtalenten proportional mit gesanglicher Inkompetenz.
Hatte ich schon erwähnt, dass es in unserem Dorf  nur einmal im Jahr an einem einzigen Adventssonntag nachmittags öffentlich Glühweinausschank gibt. Dieser Tag ist nicht heute. Und der Ort, an dem das Büdchen steht, ist auch mehr als eine Becherfüllung von der Kirche entfernt.

Wie dem auch sei: wenn ich nach zu viel Tag – und dieser Tag war verdammt viel Tag für einen einzigen Tag – noch so nüchtern bin, ist der Grat zwischen resignierter Starre und emotionalem Ausbruch schmal. Es war nur Glück für die fremde Frau hinter dem großen Müllerkind, dass Herr Müller zwischen ihm und mir saß, als sie ihn recht unfreundlich aufforderte, das Handyspielen zu unterlassen. Niemand hätte den Bitchfight zum Ende des Programms dokumentieren können, weil alle Handyakkus am 6-Minuten-Löffelpolka starben. Und wenn das Kind nicht Handy zocken darf, dann faltet es eben Origami-Schwäne aus den herumliegenen Krippenspielflyern für Heilig Abend.

Ob nun ein flüchtiger Blick auf mein vor Publikum popelndes Kind, ein beherztes Gähnen seinerseits just in dem Moment als sich die Kaltwellen und Halbglatzen vor mir lichten oder aber ein mit inbrünstiger Mimik und Gestik vorgetragenes Lied: Bekommt Kinder, haben sie gesagt. Sie machen Freude, haben sie gesagt. Tun sie auch. Nur manchmal muss man die Freude eben suchen.

zwar nicht beim Geschenke einpacken oder
Teig ausrollen, aber möglicherweise
lenkt sie euch davon ab. Ob das jetzt
besser oder schlechter ist,
müsst ihr selbst entscheiden. Also
brav liken. Dann bringt euch auch
der Weihnachtsmann einen Gutschein
für den Drogeriemarkt. Oder so. 

Donnerstag, 18. Mai 2017

Bist du auch dabei? - "Nicht ohne mein Smartphone" und sieben weitere kuriose Konzertbesucher-Typen



Im heranbrechenden Sommer steht wieder das ein oder andere Konzert an. Veranstaltungen dieser Art verlangen der Misanthropin in mir einiges ab, trotzdem fühle ich mich in Hallen voller Menschen oder OpenAir auch in Menschenmengen sehr wohl. Liegt wohl daran, dass man hier auch in der Masse wunderbar alleine sein kann, ohne viel kommunizieren zu müssen...
 
Alles begann mit David Hasselhoff, der die Mauer zu Fall brachte und sich direkt in mein kindliches Herz sang. Dann kamen Pferde und mit ihnen der Wunsch nach vorpubertärer Selbstbestimmung und Freiheit. Mit den Hormonen wurden aus den Vierbeinern Zweibeiner, keine Männer, aber immerhin Wesen männlichen Geschlechts. New Kids on the Block wurden gefolgt von East 17 und Caught in the Act. Auf dem Höhepunkt der Pubertät verlieh ich den emotionalen Höhen und Tiefen meines reifenden Charakters abwechselnd mit Kuschelrock und Techno musikalischen Ausdruck. Dann bin ich ausgezogen. Der Werdegang meiner Wanddekoration ist wahrscheinlich typisch für einen Teenager der 90er.
 
Man hat damals nie nur Teile der Mega-Poster-Collection ausgetauscht. Es gab nur Schwarz oder Weiss. Schmusende Pärchen in Sepia neben Marusha mit den grünen Augenbrauen hätten sicher verstörend gewirkt. Genauso wie David Hasselhoff neben einer Haflingerstute mit Fohlen. Alle paar Monate wurde komplett neu tapeziert: Wendy, Bravo und GIRL lieferten fleißig nach. Die Rauhfaser untendrunter hatte in ihrem kurzen Kinder- und Jugendzimmer- Leben mit mehr Nadeln Bekanntschaft gemacht als Christiane F.

Heute bin ich froh, meinen Leidenschaften nicht mehr über Wände Ausdruck verleihen zu müssen. Oder tue ich das angesichts der Versace-Tapete im Wohnzimmer womöglich doch?
Wenn dann allerdings missverständlich, denn diese Tapete ist das einzige echte Designer-Stück in meinem Besitz, hat mich harte Überzeugungsarbeit bei Herrn Müller gekostet und ist nur eingezogen, weil Farbe und Muster exakt meiner unverrückbaren weiblichen Vorstellung entsprachen. Zumindest käme ich nie auf die Idee DIESE Tapete mit Nadeln zu traktieren.
By the way: wenn es diese Tapete bei ALDI für ein Zehntel des Preises gegeben hätte, hätte ich sie auch dort gekauft. Andererseits konnte ich zumindest dem Maler eine Freude machen, der die Reste mitgenommen hat, um seiner Frau eine Versace-Tasche zu basteln. Guter Mann!

Wie dem auch sei - von Tapeten zurück zur Musik. Ich bin froh, heute nicht mehr den Drang zu haben, Bandposter aufzuhängen. War meine Identifikation mit Künstlern und Musikrichtungen damals schwarz ODER weiss ist sie heute grau, dafür in sämtlichen Tönen. Ich höre was mir gefällt. Ob jetzt die eine Fan-Base mit der anderen kompatibel ist, ist mir reichlich egal. 

Die Begeisterung für Musik im Allgemeinen und Bands oder Künstler verschiedenster Lager ließ mich diverse Konzerte besuchen, woraus die folgende lose Zusammenstellung der verschiedenen Konzert-Besuchertypen wurde. Ich beanspruche keine Vollständigkeit. Ihr seid hiermit aufgefordert, die Kategorisierung in den Kommentaren zu ergänzen. Auch ist mir vollkommen klar, dass je nach Musikgenre des Konzerts die Dichte der jeweiligen Typen stark variiert.

Die Rangsitzer
Ich weiß, die Meinungen gehen da auseinander. Ich verstehe allerdings nicht, warum sich gesunde kinderlose Menschen freiwillig einen Rangplatz kaufen, wenn es sich bei der Veranstaltung nicht gerade um ein Musical handelt. Ganz ehrlich, warum besorgen sich diese Leute von dem Geld nicht einfach eine LIVE-DVD und genießen ihre Musik bequem vom Sofa aus?
Ich bin nur knapp über 1,60m aber mein Bewegungsdrang lässt sich bei entsprechender Musik nur schwerlich unterdrücken. Sicher, ich sehe wenig Künstler, dafür umso mehr Rücken und 120 Minuten auf Zehenspitzen sind anstrengend, zudem wiege ich mehr als 45 Kilo und möchte meine Last Herrn Müller nicht mehr als einen Titel lang zumuten aber für mich gehört tanzen, angerempelt werden, fremder Schweiß und „Bierregen“ trotzdem zum Gesamtpaket.
Der aufmerksame Betrachter erkennt den Rangplatz des Fotografen: Grund ist der GroßeMüller (schwarzer unfertiger Mensch im Vordergrund), dessen kindlichem Körperbau ich die Strapazen nicht zumuten wollte, welchen man im Stehplatzbereich dieser Band ausgesetzt ist. Ich spreche aus Erfahrung. Aber wenn ich direkt werden darf: MIR juckt es im Arsch... 

Die Display-Kucker
Sie verfolgen das Konzert auf ihrem Handydisplay, wenn sie nicht gerade whatsappen. Keine Ahnung, wo die das Netz in der Halle und den Speicherplatz für einen kompletten Konzertmitschnitt hernehmen. Vielleicht flippen sie ja dann beim Anschauen des selbst gemachten Clips oder den Likes der virtuellen Gemeinde richtig aus. Während des Konzerts selber wirken sie aber eher teilnahmslos, abgesehen vom aktuellen Whatsapp-Chat. Ist ja auch nachvollziehbar: beim Tanzen oder Klatschen würde das Bild verwackeln. Daher macht es besonders Spaß diese Hobbyregisseure beim Tanzen versehentlich anzurempeln.

Typischerweise handelt es sich meist um Personen (überwiegend Frauen) um die 20, die mit ihrer Körpersprache maximales Desinteresse ausdrücken, so als wären sie täglich Gast auf Veranstaltungen mit Tausenden von Menschen, die ihren Idolen vom anderen Ende der Welt huldigen.
Vielleicht können Personen meines Alters diese Coolness aber auch deshalb einfach nicht nachvollziehen, weil wir noch zur Kreisch-Quetsch-Ohnmachts-Fangeneration von damals gehören - Eloy, ich liebte dich aufrichtig. Wie auch immer: ich finde ein bisschen Respekt haben die Künstler auf der Bühne schließlich verdient.

Die Nerds
Sie sehen aus, als wären sie nur widerwillig aus ihrem platt gesessenen Bürostuhl aufgestanden um das Konzert im gleichen T-Shirt zu verfolgen, wie beim letzten Auftritt vor zwei Jahren (selbstverständlich höchstens einmal gewaschen). Eher arm an Bewegungsdrang brechen sie nur einmal richtig aus, wenn sie ihren halbvollen Bierbecher nach hinten oder vorn in die Menge werfen.

"Sponsored by Mutti"
Abiturienten vermutlich, die die Karte von den Eltern gesponsert bekommen haben und in zwei Stunden dreimal rauchen, viermal Getränke holen und fünfmal aufs Klo müssen. Immer im Grüppchen. Und dann drängeln sie sich an den Platz zurück, wo der Rest der Gang schon wartet. Diese Spezies ist eng mit der Display-Kategorie verwand.

Die Selfie-Süchtigen 
Logischerweise meist Frauen bis etwa Ende 30. Sie nutzen das Konzert als perfekte Kulisse für aktualisierte Profilbilder nach dem Motto „Schaut her wie wild ich jenseits des Büros bin“. Dabei benutzen sie die Foto-App mit dem „Fick mich“-Filter, den ich auch immer benutze, die Hang-Loose-Geste (ihr wisst: schon Faust mit abgespreizten kleinen und Zeigefinger) und blenden die Menschen um sich rum beim Posing völlig aus.

Manche habe eine Art Selfie-Gesicht antrainiert. Man selbst steht daneben und fühlt sich irgendwie deplatziert, möchte seine Hilfe anbieten und hat das unerklärbare Bedürfnis immer in die Richtung zu schauen in die die Kameralinse zeigt, um herauszufinden was da so interessant ist. 

Die Stylischen
Wahrscheinlich Inhaberinnen von Fashion-Blogs. Sie schmücken die Konzert-Halle mit Hotpants, Designer-Mützen auf geglätteten Haaren und Absatzschuhen in denen ich noch nicht mal einen einzigen Song auf meinem Stehplatz ertragen würde. Während der Vor-Vorband bewegen sie sich flanierend im Zuschauerraum umher. Trifft man sie nach dem Konzert, sehen Haare und Make-up exakt wie vorher aus.

Freezies
Sie sind so geerdet, dass sie sich während der gesamten Dauer des Gigs weder vom Fleck noch am Fleck bewegen. Stattdessen stehen sie mit verschränkten Armen, leicht geöffneten Beinen und zur Bühne gerichteten Blick wie zur Salzsäule erstarrt. Ein kaum wahrnehmbares rhythmisches Nicken ist das höchste der Gefühle. Auf Nachfragen hin fanden sie das Konzert aber „hammermäßig!“ und man selbst ist bei dieser emotionalen Beschreibung der Szenerie sofort wieder mitten drin.

Der Prinz und sein Pferd
Er wiegt geschätzt fünf bis acht Kilo weniger als sie, dennoch ist er Manns genug, sie mindestens die Hälfte der Veranstaltung auf Händen, äh – auf Schultern zu tragen. Während die Pummelprinzessin auf die Menge herabblickt bemerkt sie gar nicht, dass Prinz Stiernacken unter ihr feuerrot anläuft und ab morgen wohl Physio und eine Halskrause braucht.

Mir würden jetzt noch die Bodensitzer einfallen, wobei es die ja nicht nur auf Konzerten sondern häufig auch in Innenstädten und an Bahnhöfen gibt. Über Betrunkene schweige ich mich hier lieber aus, auch deren Existenz beschränkt sich ja nicht nur auf Veranstaltungen mit Live-Musik. Wenn ich plane, mich zu betrinken, dann habe ich immer gute Freunde dabei, die meine Umwelt und mich vor den Schäden bewahren, die wir uns gegenseitig zufügen würden. Das sollten die Konzert-Trinker auch beherzigen.

Ich schließe meinen Beitrag mit einem Wunsch meiner „Dinge-die-ich-vor-meinem-Tod-unbedingt-noch-machen-möchte-Liste“: Crowdsurfen. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu vielen Display-Süchtigen oder Freezies „zugereicht“ werde, sonst endet meine Reise über den Köpfen der Meute wohl jäh.

Sicherlich entlarvt der Kenner an den beschriebenen Typen auch die Art der Konzerte, für welche ich mich begeistere. Ihr seid also an der Reihe. Wen hab ich in meiner Konzert-Besucher-Typologie vergessen? Da wären zum Beispiel auch noch die, die pogen – um die mach ich aber immer einen Bogen. Nobelpreisverdächtiges Wortspiel. Für diese Art kollektiver Eskalation ist mein Körperbau nicht geeignet. Das würde enden wie bei Shrek und Fiona. Oder auch die Headbanger, bei denen mir schon bloßes Zusehen Schmerzen bereitet... Abschließend schenke ich euch ein Zitat einer meiner Lieblingsbands, welches die Botschaft dieses Artikels in wenigen Worten zusammenfasst:

"Counting all the assholes in the room - Well I'm definitely not alone..." (Volbeat in Still Counting)

Ich wünsche euch viel Spaß im Konzertsommer 2017, dem Menschenkino und euren Studien dazu. Vielleicht trifft man sich ja.

Kuckt mal bei Frau Müller auf Facebook rein. Da geht's seltener um Musik aber dafür um so öfter um Menschen.