Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

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Mittwoch, 29. August 2018

Nachbarn, nackte Schafe und Naturschönheiten ODER Misanthropen beim Lasertag


Wenn ich am Sonntagvormittag aus meinem Küchenfenster schaue und sehe, wie sich die Nachbarn generationsübergreifend zum lockeren Wochenrückblick mit Boulevardnewssparte am Gartenzaun versammeln und die Sterbeanzeigen der Lokalzeitung kommentieren, widert mich das an. Ich kann noch nicht mal genau sagen warum. Vielleicht weil ich Dreiviertel der Beteiligten (Kinder eingeschlossen) einfach nicht leiden kann. Das ist nichts persönliches, ich kann den Großteil der Menschheit nicht leiden. Da ist Dreiviertel schon optimistisch formuliert und zeugt von einem ausgeglichenen Seelenzustand meinerseits in dem Moment, in dem ich diese Worte niederschreibe. Schnell veröffentlichen. Morgen kann das schon ganz anders aussehen. 

Aber ich meine, den Typen mit der Rotzbremse, der in typischer Dreiecksbadehose mit seinen Kindern auf der Straße Federball spielt, kann man einfach nur ablehnen. Und das Aas, welches extra die Hecke unterhalb seiner eigenen Augenhöhe beschneidet um meine Einkäufe im Kofferraum stalken zu können, verdient meine Akzeptanz ebenfalls nicht. Aber hey, ich hasse tatsächlich nicht alle meine Nachbarn. Die alte Fraumit den zerzausten Haaren, die früher mal Lehrerin war und sich heute zum Brötchen holen nur ne Jacke mit Sofamuster übers Frotteenachthemd wirft, ist mir sehr sympathisch. Lediglich die Tatsache, dass sie mit ihrem knapp dreißig Jahre alten Opel Corsa ausgerechnet zur Kirche fährt, nachdem sie mit viertausend Umdrehungen raketengleich rückwärts aus ihrer Einfahrt geschossen ist, verleitet mir ihren Vorbildcharakter etwas. Die Kirche, nicht das Auto.

Beim idyllischen Familienspaziergang (dafür müssen die Parameter Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Tageszeit und Verkehrsaufkommen in einem sehr sensiblen Gleichgewicht aufeinander abgestimmt sein), meide ich bestimmte Wege und Straßen, um nicht auf Bekanntschaften zu treffen, von denen ich erwarte, zum pseudofreundlichen Endlos-Smalltalk genötigt zu werden. Die Frau mit den dauergeröteten Bäckchen drei Straßen weiter hat es sogar drauf, mit dem Auto neben mir anzuhalten und bei heruntergelassener Scheibe ein Gespräch zu inszenieren in dem sie mir, unter dem Wissen dass ich die Lehrerin der Parallelklasse ihres Sohnes bin, Informationen jenseits meiner Schweigepflicht zu entlocken versucht. Fällt dieses Verhalten schon unter Stalking? Kann man das anzeigen? Irgendwann springe ich vermutlich in den Straßengraben, wenn ich das KfZ dieser distanzgeminderten Person herannahen sehe. Oder ich zieh‘ einfach um.

Diese Frau steht nur beispielhaft für eine ganze Reihe von Menschen, die mich von ihren Unkrauteimern aufblickend und gummibehandschut mit einem freundlichen Lächeln grüßen während ich froh bin, dass man hinter meiner Sonnenbrille das Augenrollen nicht sieht.

Mir drängt sich eine Frage auf: Ist mein Denken und Verhalten pathologisch? Und wenn ja, macht mich das zu einem schlechten Menschen? Oder bin ich vielleicht einfach wählerisch, was die Menschen angeht, denen ich meine Beachtung und Achtung schenke. Womöglich ist es eine Art Unverträglichkeit. Ähnlich wie bei Lactose oder Gluten?

Ich glaube, ich bin schon von Berufswegen täglich in so hohem Maße sozial, dass ich mir im Privatleben ohne schlechtes Gewissen eine gute Portion Misanthropie leisten kann. Das ist ein bisschen so wie sozio-emotionales Yoga. In den Asanas, also den Yogaübungen, versuche ich die Situation so gut es geht zu meistern, ich achte auf richtige Atmung, meine Haltung und die richtige Stellung der Gelenke. In meiner Arbeit tue ich das gleiche. Ich bin professionell (meistens), nehme Probleme ernst und bin Ansprechpartner für Kinder und Eltern. Weil es anstrengend ist, so professionell zu sein – beim Yoga ebenso wie in der Schule – verdient man sich eben Entspannung. Entweder in Form von Phantasiereisen durch die Körperzonen unter Begleitung von Klangschalen oder eben als ausgelebte Misanthropie. Ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die mit ihrem Freundeskreis den Jupiter bevölkern könnten und flüchtige Bekanntschaften, die nicht den intrinsischen Wunsch hegen, mich näher kennen zu lernen, neigen dazu mich zuweilen als arrogant einzuschätzen.

Es sprechen aber durchaus auch Argumente für meine erhöhte Sozialkompatibilität. So war ich vor einiger Zeit zum Beispiel zum Junggesellinnenabschied einer sehr langjährigen und sehr wichtigen Freundin eingeladen, die mir vorher extra noch gestand, dass ich eine der Personen sei, auf die sie bei diesem Unternehmen am wenigsten verzichten möchte. Warum kann ich mir jetzt auch nicht so gut erklären. Ich bin ja gerne mal die Frau fürs Grobe beziehungsweise Übernehme die Aufgabe des Auslotens der schmalen Grenzen zwischen fürchterlich lustig und unsagbar peinlich. Früher nannte man das glaube ich Klassenclown. Aber ob es jetzt wirklich daran lag?
Na klar nehme ich mir die Zeit für so etwas, ich bin ja sozusagen selbsternannte Junggesellenabschiedologin, beschäftige mich im Nebenfach mit dieser Art der kontroversen Freizeitgestaltung häufiger und verblogge das auch gerne mal. Und so fand ich mich ein halbes Jahr später in einer Gruppe Frauen wieder, welche allesamt Look „Ewige Studentin – ein Akademiker kennt keine Stylingzwänge“ einigte. Man stelle sich eine Schafherde vor, alle Schafe naturbelassen und ungeschoren. Nur eines steht „nackt“ dazwischen.

Nichts ist wie es scheint
Wir verbrachten bei aller Verschiedenheit einen durchaus kurzweiligen Tag in der Großstadt, auch wenn die Organisatorinnen noch viel über die Ausgestaltung eineserfolgreichen JGAs lernen sollten. Man erkennt nämlich die erfahrungslose Ersttäterin daran, dass sie vermutlich gegoogelte typisch „junggesellenabschiedische“ Freizeitaktivitäten auf die Tagesordnung setzt, bei der sie die Eignung der Teilnehmerinnen unberücksichtigt lässt.
Nicht zu vergessen der Fauxpas mit dem Alkohol. Ich habe das an anderer Stelle schon erwähnt: nur bei den Wenigsten steckt hinter der Aussage „Ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben“ ein Fünkchen Wahrheit. Die meisten Spaßbremsen, die das behaupten, trauen sich noch nicht mal nüchtern im Auto zu singen weil sie Angst haben, jemand beobachtet sie im Rückspiegel. Vier Piccoloflaschen Sekt für acht Frauen sind zu wenig! Das trinke ich zum Warm-up auf dem Weg zur Straßenbahn. Kennt ihr den Ausdruck "Nur im Suff zu ertragen"? Er wurde erfunden, um Junggesellenabschiede in fünf Wörtern zu beschreiben.
Die nüchternen Akademikerinnen finden sich wieder beim Lasertag. Vorweg eine Preisfrage: Welche Personengruppe bildet an samstäglichen Nachmittagen im Sommer in der Großstadt wohl das Hauptklientel einer Lasertag-Anlage? Richtig! Der Kandidat hat 1 Million Punkte und gewinnt die Collectors Edition Wunderbäume und ein Originalpaar Filzpantoffeln handmade im Chemnitzer Umland. Es sind betrunkene Männergruppen.

Sozialkompatibilität hat auch bei den ehemaligen Pädagogikstudentinnen ihre Grenzen und die Vorstellung mit diesen betrunken „Wilden“ in einen dunklen Kellerraum bei Schwarzlicht gesperrt zu sein, erregt einiges an Besorgnis bei meinen Begleiterinnen, nein, es versetzt sie geradezu in eine Art Schockstarre, die nur durch intensives Diskutieren zu lösen ist.
Nachdem auch die Letzte verstanden hat, dass Lasertag nichts mit Besenreißern oder Sehfehlern zu tun hat und man pazifistisches Gedankengut hier eher schlecht unter die Leute bringt, folgt eine Grundsatzdiskussion, deren Länge in keinem Verhältnis zur eigentliche Spielzeit steht. Die Braut erhebt ein Machtwort – „man könnte es doch einfach mal probieren, denn schließlich ist man schon mal hier“ – und beweist damit, dass jede noch so wortreiche Diskussion mit nur wenigen richtigen Worten entschieden werden kann. Der hoch motivierte und durchaus sympathische Betreiber (Ja, ich fand ihn sympathisch!) weckt mit den Worten „Los, Mädels – macht die Jungs platt!“ die Amazonen mit Killerinstinkt in den Pippi Langstrumpfs: Feministinnen aller Lager vereinigt euch gegen den Chauvinismus in Biermarinade.
Das erste Spiel zur Orientierung noch verloren, sind wir durchaus angefixt nach 20 Minuten Jagd auf Männer, von denen viele schon bei der Wahl des Hauptschulbildungsganges unseren weiblichen Respekt verwirkt hatten. Spiel 2 gewinnen wir in der Unterzahl gegen eine Gruppe „männlicher Kampfmaschinen“, die mangelnde Orientierung und Koordinationsfähigkeit in der Dunkelheit durch brutales Umrennen der Leichtbauwände kompensierten. Da halfen ihnen auch plumpe Betrugsversuche nichts.
Als Killerinnen hatten meine skeptischen Mitstreiterinnen binnen kürzester Zeit Taktik entwickelt. Als Siegerin in der Gesamtwertung entpuppte sich allerdings meine Taktik „Schießen auf alles, was sich bewegt“ als die erfolgreichste. Am Schluss wird deutlich: Berufspädagoginnen und Trägerinnen akademischer Titel rücken bei einer Treibjagd auf Männern die Gewehrläufe eng zusammen.
Ich muss wirklich zugeben, ich hatte auf diese Art der Freizeitgestaltung wirklich keine Lust, vielmehr hätte ich mir etwas ladyhafteres gewünscht. Poledance beispielsweise, wobei ich mir meine wuschlig-wollige Schafherde dabei auch ungerne vorstellen möchte. Wahrscheinlich hätte der artistische Stangentanz mit exotischen Elementen zu ähnlichen Grundsatzdiskussionen im Vorfeld geführt wie der Lasertag-Plan. Aber auch Frau Müller irrt sich mal und muss sich revidieren. Mädels, das macht echt Spaß! Vergesst nur Sagrotan, Wechselklamotten und Duschsachen nicht! Ich mag meine Laserpistole nicht gerne, wenn überall an ihr Schweiß und Sabber von fremden Männern klebt. Ich bin eine Lady!
Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage. Bin ich sozial nicht kompatibel? Ist meine Abneigung einer Vielzahl von Menschen gegenüber gar pathologisch? Weil es so aufschlussreich ist: bleiben wir beim kollektiven Brautverramschen. Bei einem anderen JGA, welchem ich beiwohnte, war ein Viertel der Beteiligten schwanger. Schwangere sind auch nicht meine bevorzugte Peergroup, aber auch hier kam es zu keinerlei ernsthaften inneren oder äußeren Spannungen, die sich auf mangelhafte Kompatibilität meinerseits zurückführen ließen.
Ich empfinde den Wechsel aus Schwangeren, Ökofrauen, missratenen Kinder sowie deren Eltern und meiner Hand voller sehr guter Freunde  - die berühmte exklusive Sammlung ausgewählter Irrer, die Facebook so oft lobpreist -  als Kneippkur für mein Seelenwohl. Ich denke es ist wichtige Psychohygiene, wenn ich mich selbst vor Konversation und sozialen Interaktionen schütze, die weder meinen Geist noch mein Herz bereichern.
Eine Flora gedeiht besonders gut, wenn das Gleichgewicht zwischen den guten und schlechten Bakterien ausgeglichen ist. Das wissen wir schon aus den Antworten von Dr.Sommer, die es auf weniger reißerische Fragen gab. Ja, ich habe immer die ganze Doppelseite gelesen. Ich sorge für den Ausgleich wenn ich sonntags Umwege im Dorf gehe und auch bei bedecktem Himmel Sonnenbrille trage, mich dafür aber auch mal mit studierten Naturschönheiten in einen finsteren Keller sperren lasse und auf Spruchshirts mit Bier- und Senfflecken schieße. 
auf FACEBOOK und macht
werdet Teil des Menschenhass-
Shavasana... Oooohmmm. 

Mittwoch, 18. Juli 2018

Sektsklaven, Arschfummel und gerettete Augenbrauen - wie man einen Junggesellenabschied feiert ODER Wer braucht schon eine Braut



Es ist Sommer und damit Hochzeitshochsaison. Zu den traditionellen Must-Haves eines jeden Vor-Hochzeits-Horrors gehört ein zünftiger Junggesellenabschied...

Junggesellenabschiede scheinen sich sowohl bei einigen Teilnehmern als auch bei Beobachtern keiner großen Beliebtheit zu erfreuen. Wenn wir auf ein solches Grüppchen treffen, wechseln wir wenn möglich sofort die Straßenseite, schauen angestrengt in die andere Richtung oder schubsen die Freundin nach vorn, wenn es darum geht, dem stark alkoholisierten Bräutigam in Spe ein Herzchen aus dem Schritt seines rosa Schlüpfers zu schneiden.

Auch man selbst empfängt die Nachricht, Teil einer solchen „Bauchladen-Fremdschäm-Aktion“ in der Fußgängerzone zu werden, ähnlich freudvoll wie einen positiven Streptokokken-Abstrich. 
Frau Müller sagt: KOMMT DRAUF AN!

Ein erfolgreicher Junggesellenabschied ist in etwa wie Eintopf kochen. Zu allererst – und das ist ganz wichtig: genauso wie ein Eintopf mit oder ohne Fleisch schmecken kann, funktioniert ein JGA mit oder ohne Braut bzw. Bräutigam. Man muss sich einfach herantrauen an solch eine vegetarische Variante .

Wir hatten vor zwei Jahren einen äußerst legendären echten Junggesellenabschied. Höhepunkte waren mehrere Flaschen Sekt, spendiert vom regionalprominenten Baulöwen gesetzten Alters, die in Teilen aus Pumps getrunken wurden, der Bräutigam in Socken, Schlüppi und T-Shirt mit "SALE"-Aufdruck im Schaufenster einer Teenager-Modekette, der gemeinsame Ausklang beider JGAs (Braut und Bräutigam) im Stripclub, bei dem die Braut von einem irritieren weiblichen Gast gefragt wurde „wieviel sie hier an einem Abend verdient“, ein von unserer frisch getrennten Freundin an der Bar abgeschleppter Chirur, der auch prima Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen drauf hatte und das finale Versacken mit allen Beteiligten um morgens halb fünf im Hotelbett. Beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen dann der Beschluss: war scheiße - das machen wir mal wieder! 
Völlig egal, wenn niemand heiratet geht es auch ohne Brautpaar. 

Die Sache mit dem Bauchladen ist wie Wirsing – da kann man drauf verzichten, da steht eh kaum jemand drauf und der Effekt ist nicht wie erwartet. Die Teile funktionieren wie Freddy Krügers Klingenhände. Erst sie machen das Ganze so abstoßend. Es reicht völlig gut auszusehen und in der Gruppe aufzutreten. Damit erweckt man genug Aufmerksamkeit.  

Stichwort "Gut aussehen": ALLES was ihr beim Versandriesen unter dem Suchbegriff "Junggesellenabschied" angezeigt bekommt. gehört NICHT dazu. Damit übt ihr eher eine abschreckende Wirkung aus, die im Wesentlichen darin besteht, dass die Menschen an den Tischen der Straßencafes angestrengt in ihrem Latte rühren sobald ihr in Sichtweite gelangt.

Dann ganz wichtig: KEINE Schwangeren oder Stillenden! Tut mir leid wenn ich das so proletenhaft sagen muss aber: Alkohol ist das Salz im JGA-Eintopf. Ja, manch eine Wahrheit muss ausgesprochen werden, auch wenn sie den Sprecher nicht gerade auf das Level eines Philosophen hievt. Und kommt mir nicht mit "Ich kann auch ohne Alkohol lustig sein". Das ist wie Jodeln - nur ein Bruchteil der Personen, die behaupten sie könnten dass, können es tatsächlich.

Zu viele Drinks sind auch nicht gut. Es kann nämlich passieren, man legt sich unter massiven Alkoholeinfluss nur ganz kurz im Hotelzimmer hin um später selbst durch laute Klopfattacken nicht zu erwachen, so dass das Gruppentaxi ewig wartet und eine Befreiung erst durch eine an der Rezeption erbettelte Schlüsselkarte möglich wird. Manche Aktionen verlieren durch zu viel Alkohol auch ihren Charme. Unwiederbringlich weggeworfene Schlüssel von Fußfesseln oder abrasierte Augenbrauen zum Beispiel. Alles schon erlebt. Mindestens einer oder eine sollte die JGA-Mutti machen und eingreifen, bevor der Tätowierer die Maschine ansetzt. Der Shitstorm des Moments ist nicht aufzuwiegen mit lebenslanger Dankbarkeit.

Mit zu wenig Sekt schmeckt der Eintopf aber fade und wird nicht aufgegessen bzw. alle sitzen um halb elf im Zug und fahren nach Hause. Auch schon erlebt.

Ich hörte sogar schon von Junggesellinnenabschieden, bei denen Mütter ihre Kinder mitnahmen. Hallo? Ein Kinderwagen zum JGA ist ungefähr so passend wie mit einem BobbyCar an einer Ausfahrt der HellsAngles teilnehmen zu wollen. Kann man zwar machen aber das führt dazu, dass die ganze Gruppe nicht mehr ernstgenommen wird. Ein Junggesellenabschied ist nicht wie Kacken gehen. Wenn sich das große Geschäft ankündigt, dann MUSS man halt, notfalls mit Hosenscheißer neben der Kloschüssel. Kollektiv auffallen KANN man auch aufschieben und auf einen Zeitpunkt termineren, zu dem sich die Küken ihre Würmer selbst suchen können und nichts von Mama in den Hals gesteckt bekommen müssen. Notfalls lasst ihr die Glucken einfach daheim.

Ganz wichtig ist noch das Ambiente in dem der Eintopf serviert wird, so wie man in einem Nobel-Restaurant niemals auf die Idee käme, Eintopf brotstippenderweise vor sich hin zu schlürfen sondern das eben eher bei Mutti auf der Eckbank tut, sollte man einen JGA oder Pseudo-JGA (die vegetarische Variante ohne Brautpaar) nicht in die Fußgängerzone der Kleinstadt verlegen. Ein Junggesellenabschied im Einkaufscenter? Leute, ganz ehrlich, wenn das euer Makrokosmos ist, was ist dann der Mikrokosmos? Euer Nachttisch?

Man nehme also zum Beispiel großstädtisches Flair garniert mit dem regenbogenfarbenen Glitter des Christopher-Street-Days. Dies bietet Raum für öffentlich konsumierten Alkohol, viel nackte Haut, obszönes Verhalten und Phallus-Symbole auf offener Straße. Man muss sein Rezept unterscheiden von Standard-Eintöpfen, damit es gegessen wird und auch Kritiker mal kosten. Also keine Schärpen, rosa Krönchen und „Xy heiratet“-Tops sondern schwarze Mini-Fummel mit sehr hohem Nuttenfaktor und für den Trash-Bonus ein Gruppen-Regenbogen-Arsch-Tütü! Ich hab mich umgeschaut: Wir sind die Geilsten hier.


Für unseren vegetarischen Bitch-Barbie-Eintopf fehlt nur noch diese eine besondere Zutat, sozusagen das gewisse Etwas: wie Ingwer, Muskat oder Creme Fraiche. Also werfen wir noch einen niedlichen devoten Schwulen in den Topf, der es liebt sich mit schönen Hetero-Frauen zu umgeben und von uns allen die größte und einzig wahre Hure ist - und das mit Stolz und nach eigener Aussage! 

Irgendjemand muss ja den Trolly mit den Prosecco-Dosen und Einhorn-Lollies ziehen. Rick, unser homosexueller Haupt-Sekt-Sklave der ersten Stunde hat im Vorfeld weder Kosten noch Schmerzen gescheut und zusätzlich zur Hyaluronsäure-Implantation am Augenknochen täglich Termine zur permanenten Haarentfernung auf sich genommen. Kaum zu glauben, dass er – der seinen Beauty-Doc auch gerne mal mit der anderen „Spritze“ von hinten an sich ran lässt wenn die Botox-Dosis dafür umsonst ist - zumindest dann mal rot wird, wenn er in Hündchenstellung auf dem Behandlungstisch kniet um sich auch den allerletzten kleinsten Flaum permanent entfernen zu lassen.
 
Rick ist unser Mädchen für alles. Er pilgert los und holt Wasser, wenn unser Küken feststellt, dass der Pegel ungewohnt hoch ist, er mimt bereitwillig die Braut wenn mit Google geplante JGAs die Botschaft unseres Grüppchens nicht so ganz verstehen und geht in erbitterte Preis-Verhandlungen, wenn wir mal wieder als begehrtes Foto-Motiv herhalten müssen. Notfalls streckt er dem Fotopirat energisch die flache Hand gegen die Linse. Im Übrigen sorgte dieses wirtschaftliche Talent am Ende für eine prall gefüllte Schwarzkasse und das ohne dass wir ursprünglich Gewinnabsichten hatten. Zum Dank darf er sich von uns an der Leine führen lassen und sich mit uns schmücken. Oooooh my fucking goooooood – wir sind sooo awesome!

Der Eintopf köchelt vor sich hin – mit der Mengenzusammensetzung der Zutaten hat jedoch der ein oder andere seine Probleme. Es ist Sellerie. Nicht jedermanns Sache. Wichtige Benimm-Regel: Versohle dem besoffenen Junggesellen und seinen Kumpels den Arsch, so dass er sich nach dem Ausnüchtern durch die blauen Flecken daran erinnert, dass er in der Fußgängerzone blank gezogen hat, aber zieh ihm in Gottes Namen nicht die Hose ganz runter. Das will KEINER sehen. Also ich mag Schwänze nicht so gerne ankucken, wenn sie schlaff an einem Besoffenen mit Strohhut runter baumeln. 
Korrekt wäre ein divenhaft-abweisender Gesichtsausdruck gepaart mit der Peitsche in den verschränkten Armen und die Aussage über sich selbst in der 3.Person: „Die Domina hat jetzt keine Lust!“ gewesen, nur um sich dann doch für ein paar Schläge herabzulassen. So fühlt sich der Gepeinigte geehrt und nicht vergewaltigt. Das hat Stil.   
Was bleibt vom Sellerie ist der Nachgeschmack  - wie die Aussage „Sonntag ist mein Tag. Da dusche ich und kuck mich im Spiegel an!“, ein Satz der uns allen noch heute Muskelkater in den Denkfalten auf unserer noch ungebotoxten Stirn verursacht.

Wie auch immer, Eintopf geht immer – und lecker war es trotzdem irgendwie. Wir werden am Rezept feilen. Vielleicht etwas weniger Sellerie, dennoch vegetarisch. Wir brauchen die Braut wie der JGA den Bauchladen – sowas von gar nicht.  Mal sehen was uns noch so an Geheimzutaten einfällt. Glitzer und Regenbogen geht immer. Und Einhörner. Um Himmels Willen, vergesst die Einhörner nicht! Und nein! Flamingos sind NICHT die neuen Einhörner. Weil Äpfel auch nicht die neuen Birnen sind. Wo kommen wir da hin!

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Wenn du ein Einhornphobiker bist - 
Tu es trotzdem. 
Ängste sind da um besiegt zu werden.
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