Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

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Dienstag, 31. Januar 2017

Friends with Benefits – Das RESÜMEE



Schon als ich mit dem Bloggen begann, wusste ich, dass ich die Geschichte um unsere Vierecksbeziehung ganz sicher thematisieren werde. Solch eine Story hat schließlich nicht jeder zu erzählen. Viele meiner Artikel entstanden bereits lange bevor ich den Blog anlegte. Die „Friends with Benefits“-Reihe war allerdings keine davon. Unterbewusst war mir wohl klar, wie schwer es wird all das in die richtigen Worte zu fassen. 
Als ich anfing dazu zu schreiben war EIN Artikel geplant. Dieser wollte und wollte nicht enden. Gut, dann also der zweite Teil. Das gleiche Spiel noch einmal und wochenlang unvollendet dazu. Dann war auch dieser fertig aber noch lange nicht alles gesagt. Und so entstanden Teil Drei und Vier auf dieselbe Weise wie die ersten beiden Artikel. Veröffentlicht waren sie da noch lange nicht. Irgendwie hatte und habe ich Bedenken, dass damit das Pulver meines Blogs verschossen sein könnte. Hallooo, Selbstzweifel. Ihr wart gar nicht so lange weg, ich hatte euch nicht vermisst. Ein anderer Teil in mir wehrt sich aber, sich ausschließlich in die „Schlüpfrig-Nische“ zu stellen.

Wie jeder andere Blogger auch war und bin ich gerade in der Anfangsphase über jede Art Plattform dankbar, die mich potentiellen Lesern näher bringt. Der Aufruf zur Stimmenkolumne der BRIGITTE kam gerade recht. Ich bin kein begeisterter BRIGITTE-Leser und sehe meine Zielgruppe auch nicht in dieser Klientel. Dennoch dachte ich mir, könnte gerade das „Vierer“-Thema interessant sein. Und unter 250.000 Abonennten werden sich wohl auch ein paar Müller-Fans verstecken. Ich wäre vermutlich dumm gewesen, wenn ich den Traffic auf meinem Blog, welchen die Veröffentlichung des Artikels ausgelöst hat, nicht genutzt hätte um auch die anderen Blogposts an den Leser zu bringen. 
Die Überschrift des BRIGITTE-Artikels war bewusst provokant gewählt. Ironischerweise war es Sarah, die sich besonders für DIESE Variante begeisterte. Der kleine Shitstorm, welcher sich aus den Reihen der „underfuckten Analphabetinnen“ (Danke, Paula ;-)) über mich ergoss, nachdem diese nur die neun Wörter der Überschrift geschafft hatten bevor sie kommentierten, war erstaunlich: 
Ich solle zum Psychiater, wurde als abgebrühte Drecksschlampe, Arschloch und Opfer bezeichnet. Das alles sei krank, asozial und einfach pfui. Solch ein kranker Rudelbums (Zitat!) sei wohl das Ergebnis einer langweiligen Beziehung. Was denn als nächstes käme: Sex mit Toten oder Hochzeit mit Tieren. Und eigentlich gehören wir alle in die Geschlossene.

Nichts davon hat mich wirklich getroffen. Als Social-Media-Anfänger musste ich allerdings schon erstmal mit der Dummdreistigkeit der Menschen in den Kommentarspalten klar kommen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es hat mich nicht geärgert DAS NICHT GELESEN aber GEURTEILT wurde.

Und dabei war ich schon vor der Veröffentlichung durchaus auf Kontroverse eingestellt. Ich habe Herrn Müller, Sarah und Marco mehrfach gebeten, gut zu überlegen ob wir ALLE mit dieser Öffentlichkeit und den möglichen Reaktionen klarkommen. Ich hatte Zweifel, ob das alles gut ist für uns. Einige meiner Leser kennen uns alle im richtigen Leben. Möchten wir, dass all diese Menschen wissen, wie viel uns tatsächlich verbindet? Was wenn uns Kontra-Stimmen verunsichern? Wenn nur einer von uns davon verunsichert wird? 
Sicher sollte man selbst am besten wissen, was gut für einen ist und Lebenswege auch nicht nach Meinung anderer gestalten aber sind wir ALLE wirklich immer so stark? Ich habe gute Argumente FÜR unseren Lebensstil. Es wäre vermessen zu glauben, dass NIEMAND gute Argumente DAGEGEN hat.

Um es weniger drastisch auszudrücken: Ich hatte mich auf ein wenig Diskussion gefreut. Tatsächlich (oder zum Glück?)  blieb diese aus. Obige Beschimpfungen sind für mich keine Argumente einer Diskussion. Ein einziger Kommentar zu Beginn der Reihe war für mich kontra UND konstruktiv. Die Schreiberin sah durch unsere Interpretation der Ehe die Werte der „traditionellen Ehe“ gefährdet und glaubt, dass es langfristig durch solche und ähnliche Modelle schwieriger wird für die überzeugt monogam Lebenden IHR Ehe-Konstrukt zu verteidigen. Die andere Seite der Medaille?
  
Tatsächlich gab es viel positives Feedback, auch von Menschen die weder Erfahrung noch ernsthaftes eigenes Interesse an einem solchen Partnerschaftsmodell haben. Für uns vier hat sich nichts verändert, auch hat uns kaum jemand aus unserem persönlichen Umfeld darauf angesprochen. Es erfordert wohl auch ein wenig Mut.

Eine Freundin, die allerdings schon vor den Veröffentlichungen Bescheid wusste, stellte mir eine Frage über dich länger nachdenken musste. Ich wundere mich im Nachhinein, dass bei meinen „Kritikern“ bezüglich dieses Themas keine Stimmen laut wurden. Es ist ein wichtiger Aspekt, daher möchte ich dieses Resümee dazu nutzen, um auch darüber MEINE Meinung loszuwerden.

Ich wurde von ihr gefragt, wie wir unseren Kindern gegenüber mit diesem Thema umgehen. Zunächst: Was bekommen die Kinder mit? Wie wohl die meisten Kinder monogam lebender Paare wissen auch unsere Kinder NICHTS über unser Sexualleben. Das ist erstmal nichts Unnormales. Situationen, in denen die Kinder „ungewollte Zeugen“ werden, vermeiden wir zu zweit ebenso wie zu viert. Andere Intimitäten, Küsse oder Berührungen, lassen wir zu viert in Gegenwart der Kinder sein. Dann fällt die Begrüßung eben platonischer aus. 

Selbstverständlich bekommen unsere Kinder mit, wie viel Zeit wir mit Sarah und Marco verbringen und welche wichtige Rolle diese zwei Personen in unserem Leben spielen. Aber vermitteln wir damit die falschen Werte: Beständigkeit einer Freundschaft, Vertrauen, Füreinander da sein, Menschen einen Platz in seinem Leben zu geben?

Ich bin nicht blauäugig. Auch unsere SchulKINDER werden älter. Sie werden Teenager und junge Erwachsene. Ich vermute, irgendwann werden sie ahnen, dass sich unsere Freundschaft in ihrer Tiefe von den meisten anderen unterscheidet oder unterschied. Parallel zu dieser Erkenntnis sind unsere Kinder bisher in einer intakten Familie groß geworden. Sie wurden durch Eltern geprägt, die sich aufrichtig lieben und ihre Beziehung pflegen, die Vertrauen zu einander haben und gemeinsam Probleme bewältigen und Entscheidungen treffen.

Wir sind als Paar im Umgang zu zweit miteinander überzeugt, ein gutes Vorbild zu sein. Auch weil wir selbst gute Vorbilder hatten. Die innige Verbindung zu einem anderen Paar ergänzt uns nur, sie verändert uns aber nicht. Wenn wir auf diese Weise unseren Kindern vorleben, dass es möglich ist einerseits wichtige Werte zu pflegen und andererseits eigenen Werten mehr Bedeutung zu schenken, ungeachtet dessen was die Allgemeinheit für Richtig hält, bin ich überzeugt, dass meine Jungs später Menschen nicht nach neun Wörtern ihrer Überschrift beurteilen.  

HIER ALLE ARTIKEL DER "FRIENDS WITH BENEFITS"-REIHE:
Wer wissen möchte WER hier eigentlich schreibt KLICKT HIER oder HIER (zu Facebook).   

Mittwoch, 25. Januar 2017

Was Mathe, Memory und Sex gemeinsam haben - Friends with Benefits Teil 4



Nach drei Teilen "Friends with Benefits", in denen ich über die Reize von "Junksex" (Teil1) , unseren Ausflug ins Swingerleben (Teil2) und Kennenlernen, Leben und Lieben in unserer Viererbeziehung (Teil3) berichtet habe,bleibt für den vierten und damit leider letzten Teil die Frage nach dem "WARUM" oder besser "WIE (funktioniert das alles so gut)?"...

Wenn man in der Szene für alternative Beziehungsmodelle so rumhorcht und zwischen den Zeilen liest, lauert in offeneren Ehen (ich schreibe ganz bewusst „offenere“ und nicht „offene“ weil wir ja sooo offen auch wieder nicht sind – immerhin leben wir monogam in unserer Quattro-Ehe) der ein oder andere Fallstrick. 

Wir sind keine klassische Vierecks-Beziehung. Der Begriff Polyamorie spiegelt nicht wieder WAS wir sind. Bei uns hat eine Einzelperson nicht die gleichen Gefühle für alle drei oder zwei anderen. Beide Paare bleiben eine Einheit. Memory macht mit 2 oder 3 Karten auch keinen Sinn. Mit vieren aber schon. Wenn es aber jedoch verschiedene Karten sind dann funktioniert das Spiel auch nicht. Also müssen zwei Paare her. Das ist im Grunde wie Mathematik… oder auch Chemie… oder Physik. Keine Ahnung. Ich war in keinem der Fächer je ein Ass. Aber mir kommt das alles irgendwie wie eine Formel oder Diagramm oder etwas Ähnliches vor.

Wir haben also zwei Paare zwischen denen es eine große Schnittmenge gibt. In dieser Schnittmenge liegen neben gemeinsamen Interessen, Gewohnheiten und Vorlieben des täglichen Lebens auch sexuelle Gemeinsamkeiten. Die „Sex-Stile“ ähneln sich und auch das, was man am jeweils anderen attraktiv findet weist bei beiden Paaren Gemeinsamkeiten auf. Wichtig ist denke ich trotzdem, dass man sich sexuell nicht komplett gleicht. Wenn einem der andere Partner genau das geben kann was einem der eigene gibt dann ist irgendwann der Reiz weg.

Obacht, ihr militanten Monogamisten: es geht nicht um MEHR oder BESSER. Es geht um ANDERS. Ihr esst ja auch nicht jeden Tag Kartoffeln obwohl sie euch schmecken. Ihr treulosen Kartoffel-Huren betrügt mit jedem anderen Lebensmittel. 

Und dennoch bestehen zwei Paare aus vier Einzelnen (ich bin sehr stolz auf mein Abitur :-). Die Ausgewogenheit der Schnittmengen und Gegensätze zwischen den einzelnen Menschen ist ausschlaggebend dafür, dass das ganze Unterfangen konfliktarm und reizvoll bleibt. 

Versuchen wir ein Beispiel: schätzt Frau an ihrem Ehemann besonders den treu umsorgenden Frauenversteher der ihr selbstlos jeden Wunsch von den Lippen abliest, während sie auf ihrem imaginären rosa Plüsch-Kissen thront (Voraussetzung: BEIDE sind glücklich mit dieser Rollenverteilung), sehnt sie sich vielleicht aber manchmal auch nach etwas mehr Chauvinismus.

Alle Beteiligten wissen, dass DIESE Verbindung nicht dauerhaft als Paar funktionieren würde und so bleibt alles ganz entspannt. Ein Mann, der beim Sex meist der Nehmer ist, weil beide das so mögen, ist vielleicht aber auch mal scharf auf eine Frau die ihn „nimmt“? Also warum nicht? An dieser Stelle muss sich keiner verbiegen oder etwas tun, was seinem Naturell nicht entspricht denn die Sehnsüchte, die man selbst nicht erfüllen kann oder will erfüllt jemand anderes. Und auch hier weiß ich: mein Mann kommt zu mir zurück denn die andere Frau könnte mit seiner liebvollen und selbstlosen Art im Beziehungsalltag wenig anfangen.

Konstellationen Mann-Frau haben wir damit also ausreichend seziert. Bleiben noch Frau-Frau bzw. Mann-Mann-Verbindungen in dem ganzen Konstrukt, die ja schließlich auch funktionieren müssen damit das System nicht doch irgendwo kränkelt. Um es vorweg zu nehmen, ein sexuelles „Mann-Mann“ gibt es in UNSEREM System nicht. Der einzige Grund dafür ist, dass sich ALLE vier Personen darüber einig sind KEINEN Reiz an solcherlei „Machenschaften“ zu finden. Ich denke aber auch DAS kann in einem System wie dem unsrigen funktionieren wenn der Rest stimmt.

Am sexuellen „Frau-Frau“ haben wiederum alle vier ihre Freude, egal ob aktiv oder passiv. Eifersucht vom eigenen Partner ist an dieser Stelle von meinem Erfahrungshorizont aus völlig fehl am Platze. Vorausgesetzt man erkennt und akzeptiert, dass eine Frau einer Frau eben „andere Dinge geben kann“ als ein Mann. Ein praktisches Beispiel: fremde Brüste fühlen sich unfassbar gut an und den selbst herbei geführten Orgasmus einer anderen Frau zu erleben, erweitert den Geist und das Gespür für sein Gegenüber enorm.

Auch hier kann sich der Mann auch wieder ganz entspannt zurücklehnen DENN logischerweise kann die Frau auch nicht was der Mann kann. Sex mit Männern und Frauen ist nicht vergleichbar. Keiner versucht Erdbeeren mit einem Steak zu vergleichen. Das ist absurd. Und nur weil ich das eine mag muss ich auf das andere nicht verzichten.

Jetzt ging es aber schon wieder nur um Sex. Viel wichtiger ist aber die Freundschaft. Darüber habe ich schon einmal in einem anderen Blogpost geschrieben (Der Unterschied zwischen einer besten und einer besonderen Freundin). Schließlich muss ich die Frau sehr gerne haben um ihr meinen Mann „zu überlassen“. Bei den Männern ist es nicht anders.

Gemeinsame Interessen jenseits der Betten sind das A und O. Wenn der eine mit dem anderen über Geschäftliches, Wirtschaft und Finanzen sinnieren kann, die Vorliebe für Whisky teilt, zusammen sporteln geht oder für die Preview eines Films um null Uhr vor einem Arbeitstag das Kino aufsucht dann ist alles right. Wenn dann der eine zum anderen auf dem Heimweg sagen kann: „Du - meine Frau steht drauf wenn du sie beim Vögeln an den Haaren hältst. Du kannst ruhig fester zu packen“ dann ist alles sehr sehr right.

Mir ist klar, dass ein solch nahezu perfektes Verhältnis von Unterschieden und Gemeinsamkeiten unter vier Menschen bzw. zwei Paaren wahrscheinlich nichts Alltägliches ist. Daher empfinde ich den Umstand in meinem Leben auf diese Personen gestoßen zu sein als großes Glück. Allen voran mein geliebter Herr Müller, der mit mir die Freude an und Offenheit für diesen Lebensstil teilt. Und natürlich Sarah und Marco, die nicht nur unser Sex-Leben um Erlebnisse erweitert haben, die wir in fünfzig Jahren gerne unseren Enkeln erzählen würden (wir werden wohl sorgfältig sortieren müssen). 

Ich werde mich wohl in den nächsten Tagen zu einem kleinen Nachwort oder Resüme bezüglich dieser Artikelreihe und den Reaktionen darauf hinreißen lassen. Danach freue ich mich auf einen Februar, der thematisch völlig ungebunden und zum Ausgleich auch mal wieder ganz "unerotisch" wird. Ich freu mich über alle, die über die "Friends with Benefits"-Reihe als Leser zu mir gefunden haben und noch mehr über die jenigen die bleiben. Schaut auf Facebook vorbei und bleibt am Besten da - so verpasst ihr nix und werdet auch nicht nur hier im Blog mit Müllerschem Gedankengut versorgt. (Frau Müller auf Facebook gibt's hier!) 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Interaktiver WunschPORNO und Karamellkonfekt – Friends with Benefits Teil 3




Teil1 gab einen Einblick wie unsere Art das Sexualleben zu erweitern eine Ehe bereichern kann. In Teil 2 haben wir dann eine kleine Safari durch unsere gelebtenPhantasien gemacht und dort nicht nur die Schönheit der Natur entdeckt. Es geht weiter mit dem Versuch eine Schublade zu finden. Und wenn man keine findet baut man sich halt eine.

„Das kulturelle Tabu um Sex mit unseren Freunden hängt direkt mit der Vorstellung zusammen, dass Sex allein in monogamen, eheähnlichen Beziehungen stattzufinden hat. Wir hingegen halten Freundschaft für einen hervorragenden Grund, miteinander zu schlafen. Unserer Ansicht nach werden Freundschaften durch Sex zusätzlich gefestigt.“

Wo kann ich unterschreiben? Das Zitat stammt aus dem Buch „Schlampen mit Moral“ von Dossie Easton und Janet W. Hardy. Ich habe das Buch zufällig auf dem Couchtisch meines promiskuitiven Lieblingsschwulen Rick gefunden. Der Untertitel „Eine praktische Anleitung für Polyamorie, offene Beziehungen und andere Abenteuer“ macht mich neugierig.  Vielleicht liefert mir dieses Werk eine Definition für den Lebensstil, den wir nun schon seit mehr als zwei Jahren sehr glücklich und aus Überzeugung leben?

Beim Studieren der Kundenrezensionen bei Amazon entpuppt sich das Buch als eine Art Bibel für die Verfechter alternativer Partnerschaftsmodelle. Beim Querlesen suche ich allerdings vergeblich, einzig das oben stehende Zitat würde ich ohne Wenn und Aber unterzeichnen. Versuchen wir uns also selbst an der Beschreibung unserer Lebens- bzw. Liebensweise.

Kurz gesagt endet unsere Freundschaft nicht an der Bettkante. Mir reicht das aber nicht. Als wir vor ein paar Jahren beschlossen zumindest unser Sexualleben gelegentlich für dritte bzw. vierte zu öffnen, stellten wir uns das wie bereits erwähnt sehr einfach vor. Ist ja nur Sex, eine flüchtige Bekanntschaft, die unseren ästhetischen Ansprüchen genügt, wird wohl ausreichend sein.

Nach der Erkenntnis, dass sich eine Freundschaft rund um den Vierer durchaus bereichernd auswirken kann (auch weil die Suche nach dem Filetstück im Schlachtabfall bei jedem neuen Swingerclubbesuch entfällt wenn man seine Begleitung für den Abend schon mitbringt)  dachten wir unser Lieblingsstück vom Kuchen gesichert zu haben.

Nur irgendwie wurde uns der Kuchen mit der Zeit zu staubig und trocken – Gründedafür im Teil 2. Also kuckt man mal was noch so auf dem Tisch steht. Nicht das man irgendwann von diesem riesigen Stück Rührkuchen so satt ist das kein Platz mehr für Sahnetorte ist? Also weg mit dem Kuchen und her mit der Torte.

Wir treffen Sarah und Marco bei einem dieser zwanglosen Dates auf neutralem  Boden, dass nach virtuellem Beschnüffeln und beiderseits für gut Befinden per Email anberaumt wurde. Trotz kurzfristig bei einem Unfall im Rahmen des Eltern-Kinder-Freizeitsports zum Freitagabend abgebrochenen Schneidezahn Herrn Müllers sowie Sarahs gedankenlosem Tzatziki-Genuss zum Feierabend ohne Hinblick auf das abendliche Vorstellungsgespräch mit potentiellen Bettgenossen ist der Abend ein voller Erfolg.
 
Das vor uns sitzende Pärchen wirkt nicht als müsste es seinen altersbedingt sinkenden Marktwert durch materielle Ablenkungsmanöver wie der mediterranen Villa als Eigenheim  und dem Geschäftsführerposten aufbessern. Vielmehr erkennen wir beim Anblick der beiden unseren eigenen tatsächlichen Marktwert, den wir in der vergangen Zeit einfach nur verramscht haben. Die beiden sind zumindest schon mal der optische Deckel für unseren Topf.

Dank „Fuckbook“ (mehr dazu in Teil 2) sind die Intentionen auf beiden Seiten geklärt. Man sucht das Freundschaftsplus. Neben dieser Gemeinsamkeit entdecken wir im Gespräch noch mehr Schnittstellen. Vom gemeinsamen langjährigen Arbeitgeber der beiden Männer über unsere Vorliebe für eigenwillige Couchgenossen im Fellkleid bis hin zu ähnlichen Ess-, Trink und Feiergewohnheiten. 

Marco bringt es in einer dieser unangenehmen Gesprächspausen auf den Punkt und durchbricht das Schweigen mit den bedeutungsschweren Worten „Joooaaa, sympathisch…“ – „Wir sind im Reeeeecaaall!“ schießt es mir in diesem Moment durch den  Kopf. 

Da wir ja alle ganz anständig das umfassende Kennenlernen vor dem ersten Körperkontakt favorisieren, planen wir  ein weiteres Treffen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Nahrungsaufnahme am nächsten Wochenende. Nach ergebnisloser Diskussion zur Wahl der Location stellen wir in der zweiten Wochenhälfte gemeinschaftlich fest, dass das Essen im Swingerclub doch eigentlich auch recht gut schmeckt.

Es bleibt alles ganz anständig, man beschränkt sich nahezu ausschließlich aufs Nebeneinander, trotzdem macht das Gesehene und Gehörte und natürlich das „zufällig“ Gefühlte Lust auf meeeehr Miteinander. 

Nach dem Kennenlernen auf neutralem Boden und feucht abwischbaren Club-Matratzen kam der Sex und danach die Freundschaft und mit ihr kam noch besserer Sex und eine noch bessere Freundschaft.

Dem eigenen Partner beim Sex mit einer anderen Frau erleben ist wie ein ganz persönlicher Wunsch-LIVE-Porno, vorausgesetzt natürlich die Chemie unter ALLEN Beteiligten stimmt. Mal ehrlich: vielleicht macht es uns scharf wenn wir solche Filmen kucken aber der „anspruchsvolle Zuschauer“ wird immer wieder etwas an den Hauptdarstellern entdecken, das seiner persönlichen Lust abträglich ist, seien es Fingernägel, Silikonmöpse, bescheuerte Tattoos oder „Wortbeiträge höchster Schauspielkunst“ a la „Warum liegt hier Stroh?“. 

Hier vögeln nun zwei Personen die man selbst sexuell UND menschlich äußerst attraktiv findet, außerdem kann man jederzeit ins Geschehen „eingreifen“, die Handlung quasi lenken. Klingt doch reizvoll, oder? 

Nicht nur der tatsächliche Sex bereichert solch eine Freundschaft sondern auch der den man hatte: man kann den nämlich wunderbar im Dirtytalk mit dem eigenen Partner auswerten. Der den man gedanklich hat bzw. gerne hätte, sorgt für genauso  angenehmes Kribbeln unterhalb der Bikini-Linie. Und in manchen Situationen ist gerade der Sex den man nicht haben kann der der dich am schärfsten macht.

Zum Beispiel wenn die Kinder eine Etage höher schlafen, man unverfänglich zusammen coucht aber viel lieber in einer wilden Orgie über einander herfallen würde, es aber nicht tut, weil die Folgen eines kindlichen Traumas für die nächtlichen Klo-Gänger wohl noch verheerender wären als nur die eigenen Eltern beim Sex zu hören oder gar zu sehen (Ich denke die Mehrzahl der Leser weiß wovon ich spreche. Also MEINE Eltern haben UND hatten NIE Sex. Auf keinen Fall. Hallo?)

Wir sind nun seit langem nicht nur in der Horizontalen ein Team. Eigentlich gehört das jeweils andere Pärchen zur Familie. Egal ob Schulanfang, Hochzeit, Umzug, Urlaub, Grillerchen oder Besuch am Krankenbett – jeder ist immer mit dabei. Wir bezeichnen das als die Quattro-Ehe (übrigens von einer „Standesbeamtin“ die so echt war wie ihre Wimpern im Jahre 2016 im Rahmen der CSD-Abschlussparty persönlich getraut). 
Ein Paar „geht eine Bindung ein“ mit einem Paar, mit ALLEN „Verpflichtungen“ wie sie Partner sonst auch haben: Sex (nur weil der hier an erster Stelle steht heißt das nicht… blablabla), in guten wie in schlechten Zeiten und natürlich Treue. Übrigens gibt es auch maßvolle Eifersucht wie in jeder „guten“ Beziehung auch. Aber nicht auf einander, sondern – wie könnte es anders sein – auf andere Paare.
Streng genommen passt darauf weder die gängige Definition von Polyamorie noch die der offenen Beziehung.
  
Wir leben in einer modernen Gesellschaft, bestehend aus verschiedensten sozialen Konstrukten. Die klassische Ehe wird zunehmend in Frage gestellt. Darüber habe ich in einem der vergangenen Posts schon einmal geschrieben (Hier klicken). Es gibt Patchworkfamilien, Homo-Ehen, Ein-Elternfamilien, Singlehaushalte, unzählige „wilde Ehen“ (hübscher Begriff, auch wenn er antiquiert klingt)  und wer weiß was sonst noch.

Ich esse immer erst das Karamell-Konfekt in der Colorado-Tüte und dann den Rest. Will heißen: suchen wir uns das aus der  bunten Vielfalt heraus, was uns am glücklichsten macht und schätzen wir den Rest trotzdem. Mein Konfekt ist die Quattroehe.

Nächste Woche Mittwoch, am 25.01., gibt’s dann den vierten und letzten Teil der Reihe „Friends with Benefits“. Es bleibt die Frage WARUM das alles so gut funktioniert. Ich hab’s mit „einer Art Mathematik“ und wie gewohnt bildhaften Vergleichen versucht. Ihr dürft gespannt sein.

Für mehr "Philosophie" diesseits und jenseits der Bettkante folgt mir auf Fuck- HALT! Facebook ,-)