Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Mittwoch, 1. November 2017

Fack ju Göhte: Realität mit Snapchatfilter - der Lehrerkommentar



An Fack ju Göhte scheiden sich sicherlich die Geister. Die Storys um die bildungsresistenten Jugendlichen Chantal, Zeynab, Danger, Burak und ihrem Zufalls-Pädagogen Herrn Müller werden von den einen gefeiert und von den anderen als Trash verschrien. Ähnlich polarisierend vermutlich wie Shades of Grey. Mit dem Unterschied, dass ICH Shades of Greyschlichtweg bescheuert fand, mich aber bei Fack ju Göhte bestens unterhalten fühle. Jetzt könnte man denken okaaayyy: du bist ja auch Lehrerin, bei SoG ging es um Sex und (Pseudo)BDSM. Nun, ich bin weder dem einen noch dem anderen abgeneigt. Vermutlich liegt es einfach daran, dass FjG genauso nah an der Realität geschrieben wurde wie SoG davon entfernt ist. Außerdem macht FjG in etwa das Gleiche wie Frau Müller: ein Abbild der  Realität schaffen, das garniert mit Stilmitteln wie maßlose Übertreibung, Sarkasmus und grenzwertigem Humor aus etwas Tragischem den Unterhaltungswert herauskitzelt.

Wie nah dran und manchmal eben auch nicht - das darf ja auch so sein, sonst wäre es keine Komödie sondern eine Doku- das zeige ich euch mit den folgenden, lose an einander gereihten Filmkommentaren.

„Chantal, heul‘ leiser!“
Herr Müller saß im Knast und der Versuch, dort seinen Hauptschulabschluss nachzuholen, ist gescheitert. Seine geringe Allgemeinbildung sei eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Stichwort Bildungskirse und Quereinsteiger. Aktuell leistet sich mein Bundesland den Luxus, bei Quereinsteigern noch mindestens einen Magisterabschluss zu verlangen. Ich denke es ist nur eine Frage der Zeit und der steigenden Ausfallquoten bei den Kollegen, bis die Anforderungen herabgesetzt werden. In der Praxis glaube ich, dass einem Lehrkörper Knast- und Kiezerfahrungen gerade im Haupt- und Förderschulbereich hilfreicher sein können als ein abgeschlossenes Germanistikstudium, was Herr Müller im Film ja auch eindrucksvoll beweist.

„Du bist echt die dümmste Lehrerin der Welt!“ – „Aber auch die geilste!“
Seine Freundin Charlie, die Stripperin mit dem wunderschönen Leotop und dem bemerkenswerten  „Bitch an Bord“-Autosticker, hat das erbeutete Geld, wegen dem Herr Müller 13 Monate im Gefängnis saß, auf einer Baustelle vergraben. Ein reichliches Jahr später steht dort die Turnhalle der Schule. Grober Filmfehler . In welchem behördlichen Schlaraffenland schafft man einen Neubau für eine Schule in EINEM Jahr?

Eine der Paraderollen im Job von Zeki Müllers Freundin ist die „sexy Lehrerin“ mit halterlosen Strümpfen und tiefem Ausschnitt. Unnötig, ein Klischee. Um Väter und Schüler ab Klasse 9 ungewollt wuschig zu machen reichen Jeans, T-Shirt und ein glaubwürdiger U30-Look. Das liegt an der durch die Überalterung im Kollegium ungewohnten Optik.

„Wir Lehrer werden den ganzen Tag verarscht – ab und zu muss man zurück verarschen.“
In der Goethe-Gesamtschule finden Bewerbungsgespräche statt, sowohl für Hausmeister als auch für Lehrkräfte. Wenn es in der Realität so wäre, dass sich Schulleiter ihre Arbeitskräfte selbst aussuchen könnten UND die motivierten Bewerber noch bevor sie den Arbeitsvertrag unterschreiben eine Livesequenz vom Schlachtfeld erleben (wie im Film), dann… tja, dann sähe die Bildungslandschaft anders aus. Wir hätten keine Kollegen, die eine undeutlichere Aussprache haben als meine gesamte erste Klasse zusammen oder die erst nach 45 Minuten Unterricht in einer sechsten Klasse der Förderschule feststellen, dass eine „Kasus“-Unterrichtseinheit in Deutsch gelinde gesagt deplatziert ist und noch gelinder gesagt zu Verhaltensproblemen führt. Und wir würden nicht jedes Schuljahr einen Hausmeister verschleißen.
 
Der Bullshit-Button, den auch Frau Gerster auf ihrem Schreibtisch stets griffbereit hat. Informiert mich bitte umgehend, wenn ihr irgendwo eine deutschsprachige Version entdeckt. Meiner spricht leider nur Englisch.
Die Schulleiterin Frau Gerster, übrigens meine Lieblingsfigur, schnüffelt zum Stressabbau am Leimstift. Meine Schulleiterin sitzt in jeder Pause in ihrem Auto vor der Schule und raucht. ICH als Schulleiterin würde wahrscheinlich den ganzen Tag Dosenprosecco statt Kaffee trinken und eine Katze streicheln. Kennt ihr Dr.Kralle aus Inspektor Gadget und seinen Kater? Oder wie Dr.Evil aus Austin Powers... so in etwa.

„Ey, red ma höflich du Opfa!“
Die Schülerschaft, ihre Gepflogenheiten und der Umgang miteinander sind verdammt nah an der Realität abgebildet. Rauchende Schüler sind ein Kapitel für sich, bei dem es für den aufsichtshabenden Lehrer viel Kapazität zum Kräfte sparen gibt. Schließlich kann man nicht alles sehen und wem außer sich selbst schaden sie damit? Das hat auch Film-Kollegin Caro Meyer verstanden und zündet sich erstmal in Ruhe eine an.
Bei uns in der Schule tun sie es hinter den Himbeersträuchern im Schulgartenbiotop. Zu meiner Schulzeit war es der Fahrradparkplatz. Dumm wenn der Lehrer, um das aus dem Schulhaus heraus zu maßregeln ans Fenster im Mädchenklo muss: „Ich sehe, dass ihr raucht!“ – „Wir sehen, dass sie im Mädchenklo sind, Herr Schlott!“ – wer im Glashaus sitzt, ne?

„Drücken sie sich mal aus, Frau Schnabelstedt, ich versteh kein Wehleidig!“
Referendarin Fräulein Schnabelstedt steht noch am Anfang ihrer Karriere auf dem Bildungssektor aber eine wichtige Sache hat sie schon gelernt: Im Kühlschrank muss Prosecco sein. Ihre Kollegin und Mitbewohnerin Frau Meyer ist mir wahrscheinlich am ähnlichsten, außer der Tatsache, dass Sie mit dem Rennrad zur Schule fährt. Wenn Caro Meyer telefoniert, dann klingt das so:  

„Elternabende sind das letzte… ich muss erstmal pissen … Lernbehinderungen kommen nicht von ungefähr … kann es sein, dass sie ihr Kind zu einem asozialen Penner erzogen haben … boar, ich hab schon wieder zugenommen, nur an den Titten nicht.“  
- Ja, definitiv ich.

„Ganz ehrlich Herr Müller, sind sie geborderlined oder was, sie Geisterkranker?“
Herr Müller nimmt einem Schüler das Frühstück weg und beißt genüsslich hinein. Lieber würde ich mich von innen selbst verdauen als etwas aus einer Schülerbrotbüchse zu essen. Einer meiner Schüler hat seiner Mutter einmal erzählt, ich würde ihm seine Brote wegnehmen. Und als wäre das nicht genug, behauptete er außerdem, ich würde seine Stullen meinen Kindern mit nach Hause nehmen. Ich lass das jetzt mal auf den Leser wirken.

„Das hab ich für dich in der Burnout-Klinik getöpfert.“ – „Ist das spülmaschinenfest?“
Kollegin Leimbach-Knorr, die geburnoutete Lehrerin, wie Chantal sagen würde, wünscht sich den Tod und springt aus dem Fenster des Lehrerzimmers im ersten Stock. Tatsächlich sind Lehrer mit Burnout einfach langzeitkrank. Das ist traurig für diese Kollegen und soll an dieser Stelle von mir keinesfalls bagatellisieren. Zumal ich selbst schon Erfahrungen mit dieser Krankheit gemacht habe. 
Wenn allerdings alle Lehrer mit Burnout aus dem Fenster springen würden, dann hätten die Tatortreiniger keine Zeit mehr Dielen und Teppichböden in Wohnungen von Blutflecken zu befreien, sondern würden hauptberuflich das Pflaster des Schulhofs schrubben. Außerdem können die Stellen toter Lehrer nachbesetzt werden, die von Dauerkranken jedoch nicht. Nachbesetzung würde das bis dahin Vertretung schiebende Kollegium schonen, ist aber auf Grund des fehlenden ambitionierten Pädagogennachwuchs gar nicht so leicht. Und hier schließt sich der Kreis. Ich geh‘ töpfern.

„Ich will Lehrerin werden, weil das der einzige Beruf ist, in dem Frauen Kinder haben können ohne dick sein zu müssen.“
Nach dem missglückten Suizid von Frau Leimbach-Knorr fragt die Schulleiterin das Kollegium wer die Arschlochklasse übernehmen will. Was dann passiert ist das wahre Leben, jeder hält seinen Job für den härtesten und hat natürlich keine Kapazitäten. In der Realität gibt es für sowas Dienstanweisungen, im Film eine übermotivierte Referendarin, die Schnabelstedt.

Die Szene in der Elisabeth Schnabelstedt zum ersten Mal im Klassenzimmer auf die 10. Klasse trifft ist absolute Realität. Problem: Sie nimmt sich zu viel vor. Sie möchte gesiezt werden, besteht auf Artikel und  alle sollen sitzen und ruhig sein. Utopisch. Sie sollte sich an Wygotski erinnern. Der sprach von der Stufe der NÄCHSTEN Entwicklung. Für diese Schüler hieße das, nicht in die Ecke zu kacken und an den Türrahmen zu pinkeln. 
Für bedeutet Schnabelstedt es: überleben, nicht heulen und zumindest dafür sorgen, dass man das Chaos nicht bis nach draußen hört. Wie auch immer sie das anstellt. Alles Weitere ist Wunschdenken.
 
„Wer heute noch Lehrer wird, muss wahnsinnig sein“
Bei der Lehrprobe der Referendarin entdeckt jeder Insider einen groben Filmfehler. Die Tafel ist nicht sauber abgewischt unter dem Tafelbild. Sowas wird als erstes angemahnt, wenn’s auf den Scheiterhaufen konstruktiver Kritik zur didaktischen Inquisition geht. Anfängerin.

Das Fräulein verknallt sich in den Herrn Müller und folgt ihm aufs Klo, als er von Chantal geschminkt und frisiert aufwacht, nachdem er seinen Rausch auf dem Lehrerpult ausgeschlafen hat. ICH würde noch nicht einmal den Chippendales an diesen Ort folgen, den ich nur betrete wenn Schülerleben oder vom Landkreis finanziertes Sanitärporzellan samt Rohrleitungen gefährdet sind. Ihr macht euch kein Bild … fliegende Klobürsten … Pausenbrote im Abfluss der Pissoirs … wie ein gekacheltes Mordor.

„… ich bin doch jetzt schon drei-  bis viermal pro Woche in der Schule!“
Herrn Müllers erster pädagogischer Ansatz ist eine Überlegung wert: „Ihr steht alle auf Eins. Jeder, der mir auf die Eier geht, kriegt ne Note Abzug.“
Gar nicht schlecht, die Idee. Bei den Kleinen funktioniert das, der Erstkontakt mit den Zehnern endet allerdings jäh. Der Neu-Pädagoge sitzt im Auto und schlägt brüllend auf sein Lenkrad ein: „Diese Wichseeeer!“ - Jeder Lehrer. Immer.

Am nächsten Tag fordert er die Schüler per Paintballkanone auf, den Schulhof zum Zwecke des Unterrichts zu verlassen. Mir persönlich würde manchmal schon ein Betäubungsgewehr reichen. Mein ganz individuelles Problem mit der Treffsicherheit lassen wir an dieser Stelle außen vor. Betäubungs-Schrot vielleicht...

„Sie haben nicht gesagt, dass das Asoziale sind!“ – „Wie bitte? Was ist das denn für ein Unwort. Jugendliche aus bildungsfernen Schichten bitte schön.“
Daniel „Danger“ und Chantal sind das Zentrale Nervensystem und die Achilles-Sehne des Sauhaufens. Sozusagen der Dorn im Holzbein. Herr Müller schlägt sie mit ihren eigenen Waffen. Schmiert ihnen Dreck ins Gesicht, macht sie vor ihren Freunden lächerlich und nimmt ihnen das Gras weg. Und während die Jugendlichen der 10b immer mehr zu Schülern werden, wird Herr Müller immer mehr zum Lehrer. Er konfrontiert sie mit ihren (nicht vorhandenen) Berufswünschen und bringt sie zu Junkies auf Entzug, den HarztIV-Eltern seiner prostituierten Freundin und ihrem Bruder Ronny, dem gewalttätigen Nazi. Zum Mittag gibt’s Döner für alle. Lebensweltnaher Unterricht nenne wir Pädagogen das - mit dieser Deklaration bekommt man jede Exkursion bewilligt.

Und sonst? Er übersetzt Romeo und Julia mit ihnen in Bordsteindeutsch und begeistert sie so fürs Schülertheater. Er erörtert Jurassic Park und schafft es auf diese Art, zumindest halbwegs akzeptable Aufsätze produzieren zu lassen. Okay, er flunkert ein wenig wenn es darum geht, den Schülern ihr eigenes Kompetenzniveau vor Augen zu führen, spätestens als er Chantal für Jugend forscht anmeldet – wir alle erinnern uns nur zu gerne an den Wimperntuscheautomat -  aber immerhin gelingt es ihm so, die Klasse für Schule und Lernen zu begeistern und von ihren eigenen Fähigkeiten zu überzeugen.

„Wir waren ja seit vier Jahren nicht mehr bei Jugend forscht … seit diesem Hundescheiße-Vulkan.“
Ich bin ja ein Fan unkonventioneller Lernmethoden und Lehrplanreformen. Herr Müller kann die Klasse durch seine spezielle Art so für sich gewinnen, dass Chantal und Danger den Tunnel unter der Turnhalle auf ihre Kappe nehmen und behaupten, sie hätten einen Nazi-Schatz gesucht. Die Loyalität der Schüler ist wertvoller als jeder Nazi-Schatz. Das kann ich aus der Praxis bestätigen. Wenn du sie auf Streichholzschachtel-Größe zusammenfalten kannst und sie dir anschließend sagen, dass dein T-Shirt cool ist oder der Klassenrowdy aus der Neunten, der kurz vor der Suspendierung steht, handzahm wird und vor allen gesteht: „Orrr, das ist voll schön wenn mal eine junge Lehrerin mit uns Unterricht macht!“ obwohl die Klassenlehrerin noch nicht mal an der 50 kratzt, dann klopfst du am Lehrerolymp.

Für die Hackordnung gibt es an der Goethe-Gesamtschule ein Online-Lehrerranking auf dessen Ergebnisse die Lehrer ganz gespannt sind. Gewählt werden unter anderem die heißeste Lehrerin, der süßeste Lehrer und der größte Alptraum. Bei uns sind immer alle ganz heiß auf die Geburtsanzeigen des örtlichen Klinikums. Die Namen der ehemaligen Schüler werden bei den Eltern der Babys rausgesucht, markiert und im Lehrerzimmer ausgehangen. Fragt mich nicht.

„… und dann einfach aufpassen, dass keiner stirbt!"
Fräulein Schnabelstedt nötigt Herrn Müller zur Schwimmbegleitung. Bei uns schwimmen nur die Kleinen. DAS ist der Horror für jede Begleitung. Lieber acht menstruierende Jugendlich in Socken auf der Bank als geflochtene Zöpfe aufdröseln, Schuhe zubinden und ein Jason Lee mit Magen-Darm, der die ganze Dusche vollkackt.

Swagetti Yolonese, Burak!
Ein nachts von der ganzen Klasse besprühter Zug als Kunstprojekt, das ist doch mal was anders als bemalte Schuhe, Handpuppen aus Pappmache und Masken aus Gipsbinden. Ich bin ja leider Werkenlehrer. Aber vielleicht sollte ich mal eine Lichtinstallation aus Warnbaken, Begrenzungspfosten und Baustellenbeleuchtung vorschlagen. Schon alleine weil ich bei der nächtlichen Aktion auch so eine zauberhaftIGE Katzenmaske wie die Referendarin im Film tragen dürfte. Da ich immer die letzte beim Sprint zum alljährlichen Sportfest war, wäre ich wohl die Erste, die man verhaften würde. Aber ich hab ja Erfahrung darin, MEINEN Dienst zum Dienst der Freunde und Helfer in Uniform zu machen (Hier mehr dazu). 

Bei einem Ausflug auf den Biobauernhof  landet das Projektil mit den Sexualhormonen für die Lamas versehentlich im Hintern der Lehrerin. Damit kann ich auf Exkursionen bisher nicht dienen. Aber mit einem großen Brunnen im Eingangsbereich eines Zoos, der nach einem Ausflug ohne Zwischenfälle dafür sorgt, dass zwei Schüler an den Handtrocknern in den Toiletten ganzkörpertrockengeföhnt werden müssen damit sie überhaupt in den Bus zur Heimreise steigen dürfen.


„Die Klasse befindet sich in einem intellektuellen Vakuum!“
Am Schluss schenkt Zeki Müller das Beutegeld seines Banküberfalls von damals Fräulein Schnabelstedt, damit die Turnhalle instand gesetzt werden kann und so die Schule nicht pleite geht. Eine Schule kann Pleite gehen? Wie geht das? Werden Schüler und Lehrer dann an den Meistbietenden zu Spottpreisen versteigert und ein Sonderpostenkaufhaus zieht ein? Und vor allem: woran merkt man, dass eine Schule pleite ist? Wenn der Kaffee im Lehrerzimmer zweimal aufgekocht wird und statt einlagigem Toilettenpapier einfach gar keins mehr da ist? 

Die Schulleiterin hat bei entsprechenden Leistungen der Schülerschaft vielversprechende Belohnungen in Aussicht. Ein besserer Platz im Ranking steht für eine Cafeteria und Smartboards. Wenn das so wäre, würde man bei uns sicher noch auf Schiefertafeln schreiben.

„Sie is Nutte, sie weiß was gut aussieht!“
Der gröbste Fehler verbirgt sich am Filmende und hat eigentlich gar nichts mit Schule zu tun: eine verheulte Frau mit wüsten Haaren und Nutella in den Mundwinkeln schafft es binnen fünf Minuten sich zu schminken, zu frisieren und ausgehtauglich anzuziehen. Sind wir in Pandora? Pandora liegt in Asien, würde Danger sagen. Pandora gibt es nicht? Gibt es wohl, sonst wäre es nicht in 3D…

Fazit für die Leser: Ein bisschen als hätte Chantal die Realität mit einem Snapchat-Filter versehen. Kann man sich aber anschauen, wenn man sich der eigenen Intelligenz so sicher ist, dass man weiß sie ist auch da, wenn man einen Abend lang mal nicht Hermann Hesse oder Friedrich Nietzsche liest. 

Fazit für mich: Dass Erfahrunshorizonte jedweder Art jenseits des Schulgeländes auch im pädagogischen Überlebenskampf nützlich sein können - DAS wusste ich bereits vor Fack ju Göhte. Dass aber sowohl mein Kollegium als auch die Schülerschaft so normal sind, dass sich reale sowie fiktive Charakere fast schon erschreckend ähneln, DAS war mir bisher nicht bewusst. 

Ihr könnt vielleicht keinen Herrn Müller haben, der euch mit der Paintball-Kanone zur Arbeit treibt. Aber mit dem Klick auf "Gefällt mir" bei Facebook habt ihr eine Frau Müller, die euch immer gerne daran teilhaben lässt, wenn sie sich bei ihrer Arbeit eine Paintballkanone
herbeisehnt. 

Zum Abschluss noch Chantal und ihr Kommentar zum Literaturklassiker "Dschurässik Park": 








Dienstag, 31. Oktober 2017

BLOGTOBER 10 Funfacts über Frau Müller - die Zusammenfassung


Im Blogtober wollte ich ausnahmsweise mal professionell in meinem Autoren-Tun sein und habe mich (wie man das eben macht wenn man es RICHTIG macht) für Nischen entschieden und eben so ganz typische Bloggersachen gemacht. Ich hab euch meinen Style gezeigt, hab gebastelt, bin um die Welt gereist und habe sogar gekocht kochen lassen. Da eine gute Portion Narzissmus zum erfolgreichen Bloggen unabdingbar ist und all das noch lange nicht ausreicht, habe ich den ganzen Oktober über die Karten auf den Tisch gelegt, die Hosen runter gelassen, eben Tacheles geredet. Die Menschen wollen auch die staubigen Dreckecken, Wollmäuse und Abstellkammern der Vergangenheit ihrer Idole kennen. Richtige Fans brauchen Futter.  Auf Facebook postete ich immer montags und mittwochs ein schmutziges Detail aus dem aufregenden Leben der Müllerin. (...schiebt nur eben schnell den bösen größenwahnsinnigen Zwilling mit Gewalt vom Laptop weg...). 
Für alle, die mir in ihren Abonniereinstellungen noch kein Sternchen gegeben haben (das ist mir lieber als der Walk of Fame), kommt hier noch einmal die Zusammenfassung:

No.1: Sächsisches Hollywood meets Frottee in Pastell
Vor etwa zehn Jahren hatte ich eine Statistenrolle bei In aller Freundschaft. Ich saß im Bademantel und in Pantoffeln im Rollstuhl und wurde aus dem Fahrstuhl geschoben. Wegen mir musste die Szene zweimal gedreht werden. Ich hielt es für authentischer zu husten. Dadurch hat man die Hauptdarsteller allerdings nicht verstanden. Laien!
Der große Müller hat kurz darauf auch mitgespielt. Allerdings eine Mädchenrolle. Er hat's verkraftet.
(Bevor jetzt wieder Fragen kommen: Beim großen Müller müsste es Folge 368 aus Staffel 10 gewesen sein. Bei mir Staffel 9 denke ich, die Nummer der Folge weiß ich allerdings leider nicht mehr.)

No.2: Der Räudige Rüdiger - ein Kater goes Guinessbuch
Als ich etwa 10 Jahre alt war, zog ein Kater in die MüllerMansion. Er lebte als Mäusefänger im Keller, konnte durch ein geöffnetes Fenster rein und raus und wurde von den Seniormüllers nur gefüttert. Erst mit gut 20 Jahren bekam er den Namen RÄUDIGER RÜDIGER, weil der taube Katzenherr vom vielen Schlafen in der prallen Sonne des Vorgarten-Beets etwas abgerissen aussah. Der RÄUDIGE RÜDIGER starb mit stolzen 25 Lebensjahren an Altersschwäche. Ruhe sanft, Rüdiger.
(Wenn ihr jetzt denkt Rüdiger war alt: eine Leserin hatte eine Katze mit 30 Lebensjahren vorzuweisen!)


No.3: Fernseh-Containern und ADHS
Ich liebe es zu zappen. Ich kann einen ganzen Fernsehabend nur mit Drücken der Fernbedienung verbringen. (Und Herrn Müller damit in den Wahnsinn treiben.)
(Mit dem Netflix-Abo hat Herr Müller unsere Ehe gerettet.)

No.4: Kenne deinen Feind
Als Grundschülerin ging ich zur Christenlehre. Weil das alle meine Freundinnen taten. Obwohl ich damals als Beste den Bibeltest mit Auszeichnung bestand, bin ich heute Atheistin mit Leib und Seele. Von meinem damaligen Wissen ist nichts mehr übrig. Ich konnte schon immer gut Bulimie-Lernen.
(Ich überlege schon seit Längerm, wie sich diese Referenz in meinem Lebenslauf macht. Kommt wahrscheinlich auf die angestrebte Position an.)

No.5: Heute sinkt für sie DAS NIVEAU
Ich kann mich über Flachwitze totlachen. Meine zwei liebsten Flachwitze:
Sagt die Null zur Acht: „Hey, cooler Gürtel!“
Was ist grün und stellt zu viele Fragen? – Günther Lauch
(Die Reaktionen auf diesem Post bei FB sind zu einem unfassbar lustigen Flachwitz-Kompendium angewachsen. Ich danke meiner Lesern und den Fans einfacher Unterhaltung unter ihnen.)

Meine drei liebsten Leserwitze:

  1. "Sitzt eine Kuh auf'm Baum und strickt eine Keksrolle, kommt ein Polizist vorbei und sagt: "Hier wird nicht geraucht!" Und die Moral von der Geschicht': "Yoghurt hat keine Gräten!"  (oder wie ich in der zwölften Klasse Mathe verstand)
  2. Was ist bunt und rennt über'n Tisch? - der Fluchtsalat
  3. Was ist rot und steht an der Laterne? - eine Hagenutte 

No.6: Die Braut, die sich traut...
Ich war ein braver Teenager. Zu meinem Junggesellinnenabschied habe ich das erste Mal in meinem Leben Gras geraucht. Aus der Wasserpfeife des minderjährigen Schwagers meiner Schwägerin. Davon musste ich so husten, dass ich fast in den Pflanzkübel im Garten seiner Eltern gekotzt hätte.
(Gruppenzwang wird dann zu etwas Schönem, wenn man ihn als solchen erkennt und zulässt.)

No.7: Stephen King's "LAPPEN" (und jetzt bitte ein Kreischen im Hintergrund vorstellen)
Ich ekle mich vor fremden Spüllappen. Vor fremden Lappen allgemein. Vor Lappen. Wuuhä. Eklig. Bäh.
(Wenn wir das Wort LAPPEN als Teekesselchen -oder Homonym, wie die Intelligenzbestien sagen würden- verstehen, bleibt meine Aussage zu beiden Bedeutungen bestehen. Lappen sind was furchtbares.)

No.8: Ich bin so froh, dass ich'n Mädchen bin...
Herr Müller hat mir vor drei Jahren zu Weihnachten eine MonsterHighPuppe geschenkt. Er hat sie laut seiner Aussage nach der Ähnlichkeit zu mir ausgewählt. Ich bin die einzige Frau hier im Haus. Er hat mein verliebtes Schwelgen in den Mädchenabteilungen der Spielzeugdealer nicht mehr ausgehalten.
(Sie steht im Schuhkämmerchen neben dem Hexenkessel, den sie mitgebracht hat und meinem dreißig Jahre alten LITTLE PONY, welches auch in diesem hohen Alter immer noch nach Vanille duftet. Ach ja, und Miss Krabappel komplettiert das Trio meines Herzens.)

No.9: Pussy Wagon auf dem Lehrerparkplatz
Als Fahranfängerin fuhr ich einen hellblauen FordKA mit Ledersitzen in der D2-CallYa-Edition mit Freisprecheinrichtung für’s Nokia 5110. Ich war so stolz. Dann lernte ich Herrn Müller kennen, der konsequent sein Gedankengut in mich hinein pflanzte. Heute heißt mein Traumauto MuscleCar DODGE CHALLENGER. Und wenn Herr Müller die Augenbrauen hochzieht bei meiner Antwort auf die Frage nach dem nächsten Auto heißt es von mir nur: „Ernte die Früchte deiner Saat.“ Ich würde notfalls auch einen Chevrolet Camaro nehmen, den gibt’s wenigstens als Cabrio oder wie ich immer argumentiere: „Du kaufst dir ja auch nicht ein teures Gemälde und hängst es in den Keller.“
(Was wäre es für ein Meega-Auftritt, in dieser Karre vor der Schule zu parken. Obwohl: Jerome hat damals schon der mit der Fernbedienung geöffnete Kofferraum des Passaratis gereicht um in maximales Erstaunen auszubrechen und theatralisch "Frau Müllaaaa, wie kannssst du dir DASSS leisssten!" zu lispeln.)

No.10: Ich bin KEIN Messi - Mein Geschmack ist neo-eklektisch
Ich liebe Schrottwichteln. Nicht weil ich da etwas loswerden kann. Sondern weil ich es durch eine Mischung aus Glück und Tauschgeschick hervorragend verstehe, die heimlichen Schätze der Wichtelrunde zu ergaunern. Highlights bisher: ein Karton Gratis-Wein vom Pizzadienst (reicht zum Kochen und Bowle machen völlig) und eine ganz zauberhaftIGE Reisetasche mit Leopardenmuster, welche mir jetzt als Trainingstasche für den Kampfsport dient. Ich bin gespannt was dieses Jahr für mich bereithält. Zum Glück ist bald Weihnachten.
(Ich hab die geschnitzte Ringkatze mit dem überlangen senkrecht nach oben aufgerichteten Schwanz vergessen. Ganz zauberhaftIGES Teil.)
 
In diesem Sinne: ich wünsch euch ein schaurig-schönes Halloween. Ach, da fällt mir ein - noch ne FunFact-Geschichte: ich ging mal als Wilma Feuerstein auf eine Halloweenparty. Ausgerichtet wurde diese von Leuten, die ich vierzehn Tage vorher bei IKEA kennengelernt hatte, als Herr Müller und ich ein Bett gewannen. Genauer gesagt waren es zwei Betten... 

Geschichten, die das Leben schreibt 
(und mein manchmal abgedrehter Verstand)-
mal als Nobelpreisträger 
mal als Legastheniker - 
gibt's immer Mittwochs HIER

Mittwoch, 27. September 2017

Ein Jahresrückblick ohne Günther Jauch – ReFlexionen einer Kuckuckslehrerin



Es ist so weit. Frau Müller feiert einjähriges Blogbestehen. Was passiert jetzt? Eine Festwoche? Gewinnspiele? Ein Fanshop? Kollektives Ausrasten? Nichts dergleichen. Ich brauche keine Festivitäten um zu feiern. Aber manche Festivitäten brauchen eine Feier. Und manche eben nicht. Ob das Befüttern eines Blogs über die Dauer eines Jahres eine Feier braucht, vermag ich allerdings nicht einzuschätzen. 

  
Plusquamperfekt  - Ich hatte gebloggt (hatte ich aber eigentlich noch nie)

Am Anfang war die kreative Energie, die irgendwie in mehr als nur viel zu langen WhatsApp-Nachrichten umgesetzt werden musste. Dem gegenüber stand das gefährliche Halbwissen um Menschen, die im Internet irgendwie irgendwas schreiben. Ich hätte googlen oder mich durch die Blogosphäre lesen können. Tat ich aber nicht. Warum auch. Ich wollte doch schreiben, nicht lesen.

Außerdem war da eine rund 15 Jahre alte Abi-Zeitung, welche ich zwar zu nicht unerheblichen Teilen selbst geschrieben hatte, die allerdings dennoch viele Lügen über mich propagierte (von wegen ich bin arrogant und kann nicht einparken, pahh!). Diese prophezeite, auf Basis einer natürlich völlig unvoreingenommenen anonymen Befragung meiner Jahrgangskameraden, dass ich später einmal potentielle Besitzerin einer eigenen Fernsehshow werden würde. Gedanken sind da um weitergesponnen zu werden, meinem Größenwahn und den seherischen Fähigkeiten meiner damaligen Mitschüler sei Dank. Die Kulisse von Wahre Liebe auf einem Sendeplatz bei ARTE und ich mittendrin. So in etwa. 

Seit dem Untergang des Qualitätsformats „Talkshow“ in den 90ern allerdings, verliert Fernsehen an Substanz. Galileo erklärte in seinen Anfängen vorabendtauglich wie Faradays Käfig funktioniert – heute schauen bildungshungrige Acht- bis Achtzigjährige Jumbo Schreiner beim Schnitzel essen zu. Also was soll ich im Fernsehen… Potential verschwenden 2.0.

Kein Plan also, nur eine Idee. Und immer wieder Menschen, die mir zuhörten und meinten ich müsste das unbedingt mal aufschreiben. Hab ich dann gemacht. Für die Festplatte erstmal. Und für mich, ihr wisst schon: sich gerne schreiben lesen. Und ich tat es für Sarahs Kunden, die die analoge Papierversion samt Tippfehlern im Plastikschnellhefter vor dem Hintergrund meiner Anonymität auf Breitentauglichkeit prüften und für gut bekloppt befanden.


Perfekt - Ich habe gebloggt (zum allerersten mal)

Zum Glück funktioniert Blog bauen so ähnlich wie das Einrichten eines Hauses damals bei SIMS. Herr Müller, der Halb-IT-Experte hatte nämlich keine Zeit. Eigentlich auch egal. Dann mach ich‘s eben selbst. Natürliche Blog-Geburt aus eigenen Kräften. Kein Kaiserschnitt. Und weil ich zwar mein zeichnerisches Alter-Ego gedanklich erfinden konnte, sich aber meine Fähigkeiten im Umgang mit Grafiksoftware in etwa auf Hauptschüler-Niveau bewegen, übernahm das eine befreundete Berufsgrafikerin dankenswerter Weise für mich und gebar eine Version meiner selbst aus Primärfarben, die treffender nicht hätte sein können.

Wenig später veröffentlichte ich den ersten Artikel und musste feststellen, dass gar nichts passiert. Noch nicht mal eine einzige Email eines euphorischen Verlegers, der alle meine ungeschriebenen Bücher kaufen will und mir einen unverschämt unrealistischen Vorschuss bietet, geschweige denn ein Stalker oder sonst irgendwer. Wer soll auch wissen, dass ich an irgendeinem Baum X in der Taiga rumstehe und dort auf Besucher mit Kaffee und Kuchen lauere, wenn ich niemandem sage, dass ich dort warte und vor allem wo.

„Mach Social Media“ schrie es sogleich aus allen Ecken. Was jetzt kam war die eigentliche Überwindung. So als müsste der Arachnophobiker endlich seine Angst überwinden um in das geerbte Baumhaus im südamerikanischen Regenwald einziehen zu können. Und so legte ich mir einen Facebook-Account an, learnte by doing und entwickelte mich vom Analphabeten sozialer Medien zumindest zu einem Legastheniker. Teilleistungsschwäche Sozialmedien-Marketing. Ich fordere Nachteilsausgleich.


Präteritum - Ich bloggte (das schreibt kein Schwein so)

Ich beneide noch heute viele Blogger darum, dass sie aus ihrer wahren Identität kein Geheimnis machen müssen. Was muss ich euch für herrlich bescheuerte Bilder manchmal leider vorenthalten. Den Anonymitätskritikern sei gesagt: meine Artikel wären nicht halb so ehrlich und vor allem oft auch sehr privat, wenn ich Gesicht zeigen würde. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, dass mir etwas unwohl bei dem Gedanken wird, auf Eltern und halb erwachsene Schüler zu treffen, die wissen, dass ich mit meiner besten Freundin im Bett manchmal den Ehemann tausche? (Übrigens kann man mir für mehr Bildmaterial auch auf Instagram folgen. Bei kuckuckseiimlehrerzimmer gibt es allerdings überwiegend Bilder von Dingen, die kurz davor stehen, meinen oder den Schlund meiner Familie zu passieren oder noch mehr Catcontent.)

Meinen Lesern kann ich allerdings versichern, dass ich auch ohne Gesicht authentisch bin. Die Handvoll Menschen, die wissen wer wirklich hinter Frau Müller steckt und denen ich ein tolles Präteritum zu verdanken habe, würden euch das bestätigen. Sie waren es, die in den Anfängen dank treuem und konsequentem Teilen und Liken immer mehr Menschen erreicht haben, für die Frau Müller nur die boshaft-lustige Sonnenbrillen-Bobfrisur-Lehrerin ist. 
Ich gebe zu, ich habe meine Freunde und Bekannten mit einer unfucking fassbaren Party, finanziert durch ebenso unfucking fassbaren Fame meinerseits, bestochen. Die fand übrigens noch nicht statt. Ich warte noch auf den Fame. Und die Leute auf die Party. Macht also weiter.

Hilfreich dabei, immer mehr Menschen zu erreichen, die in Blogs weniger den Mehrwert als vielmehr die Unterhaltung suchen und im günstigsten Fall die Vorliebe für grenzwertigen Humor teilen, waren natürlich auch die Bloggerkollegen. Ich danke an dieser Stelle allen, die mich verlinkt, geteilt, kommentiert, erwähnt und sonst irgendwie unterstützt haben. Einige ihrer Blogs findet ihr in meiner Blogroll.   
Info für Nicht-Blogger: eine Linkliste der Blogs, die ich selbst gerne lese oder einfach empfehle. 
Diese Liste ist nicht vollständig und wird immer mal wieder erweitert. Wenn sich jemand selbst vermisst, bitte melden. Ich hab schon zweimal den Geburtstag des Herrn Müllers fast vergessen. Ich mach sowas nicht aus Böswilligkeit, ich hab nur manchmal Schaltpausen. Leider gibt’s dafür kein Attest. Erinnert mich einfach dran.

Der ein oder andere Leser hat sicherlich auch durch die Veröffentlichung meines etwas provokanten Textes für die BRIGITTE hier her gefunden. Wobei, eigentlich war hauptsächlich die Überschrift schuld. Und die hat auch noch Sarah höchst persönlich ausgesucht. Ach ja, das BRIGITTE-Gate. Das war lustig. Sowas würde ich gerne mal wieder machen. Sarah und ich nennen uns heute gerne noch gegenseitig miese Drecksschlampen. Den Link zum Artikel gibt’s hier.

Last but not least war da natürlich noch die aus Autorensicht vermutlich größte Errungenschaft meines einjährigen Schaffens. Eine meiner Geschichten, eine von der schlüpfrigen Art, gedruckt und gebunden. Zwischen zwei Buchdeckeln. Ich bin ja selbst ein wenig bibliophil, E-reader sind Teufelswerk und ich empfinde es wie einen Mini-Orgasmus ein gelesenes Buch ins Regal zu stellen. Ein Buch allerdings, an dem man selbst mitgewirkt hat, ins Regal zu stellen, DAS ist dann schon ein Orgasmus der Kategorie Zugspitze. Ovids Erben erschien im Schwarzbuch-Verlag, ist ein Sammelband aus erotischen Kurzgeschichten und kaufen kann man das gute Stück zum Beispiel bei Amazon. Da ist natürlich noch Luft nach oben. Ich stehe im regen Austausch mit Tenzing Norgay und Reinhold Messner. Ein Autorenprofil hab ich ja schon mal.


Präsens - Ich blogge ("Ich roque" fetzt auch. Kennt das jemand?)

Der heutige Post ist der 63.Blogartikel. Im Lehrerzimmer waren knapp 58.000 Personen zu Gast und auf Facebook folgen rund 600 Menschen. Ich habe im vergangenen Jahr jede Woche mindestens einen inhaltlich mehr oder weniger hochwertigen -beachtet bitte meinen intermüllerschen Bewertungsmaßstab von Hochwertigkeit- Artikel veröffentlicht. Einzig in der Woche, welche ich am Krankenhaus-Ballermann verbrachte, blieb es still im Lehrerzimmer. Manche Artikel wurden fast 3000 Mal angeklickt, andere gerade mal ein Zehntel so oft (Das fühlt sich beim Schreiben komisch an, ist das echte Grammatik?).

Zahlen, die mich insgesamt fröhlich stimmen. Und dennoch zum Verständnis: ich brauche diese Zahlen nicht als Masturbationsvorlage oder Selbstwertstimuli. Und dennoch brauche ich sie. Erstens weil jeder, der öffentlich schreibt, für Menschen schreibt und eben nicht behaupten kann, er tut’s nur für sich. Logisch, dass man sich umso mehr freut, je mehr Leser man erreicht. 
Und zweitens – der weitaus wichtigere Aspekt: der überwiegende Teil der Leser folgt passiv aber er folgt. Das ist fein und darf so bleiben. Mein Antrieb (und das ganz ohne Schmalz und Überschwang) sind allerdings die Reaktionen. Eine kleine oder große Diskussion in der Kommentarspalte, in der sich Menschen, die sich nicht kennen, über einen Post austauschen, der meinem Hirn entsprang. Das ist der Ritterinnen-Schlag. Glaubt’s mir. Notfalls mach ich mich für sowas auch unbeliebt und schreib irgendwas über Polygamie und dicke Kinder in Faschingskostümen.


Futur I- Ich werde bloggen (wie Gargamel sagte: Und wenn es das Letzte ist...)

Im kommenden Monat Oktober, sozusagen dem ersten Monat des neuen Blogjahres, wird es wieder einmal ein großes Thema geben. Wir erinnern uns an den Gayzember, den Januar der ganz im Zeichen der „Friends with Benefits“ stand und an den qualvoll-frivolen SchMärz. Im nächsten Monat möchte ich den charmanten Esprit der vielfältigen Blogosphäre versprühen, ihr vielleicht auch etwas mülleresken Glanz verleihen, gleichzeitig selbst einmal hineinschnuppern in die vielen großen und wichtigen Themenbereiche und proppevollen Nischen, mich vielleicht auch vergewissern, dass meine Art zu Bloggen genau die richtige Art für mich ist, verborgene Talente aus mir herauskitzeln und mich ausprobieren. Daher eröffne den BLOGTOBER (nicht meine Erfindung).

Interessiert es wirklich die Masse, wie ich mich in meinem Arbeitsalltag als Lehrer erfolgreich vor derArbeit drücke oder wäre ich womöglich erfolgreicher im Inszenieren eines Fashionblogs, der den Einteiler runter vom Sofa und direkt hinein in die Modewelt holt?

Will jeder meine Bordellbewerbung und die Freakshow auf Vertriebsveranstaltungen lesen oder kommt ein gnadenlos ehrlicher Travelblog mit wunderbar stimmungsvollen Bildern vom anderen Ende der Welt bei den Lesern vielleicht besser an?

Sollte ich aufhören, mich immer wieder öffentlich über Eltern und ihre Macken zu beschweren und stattdessen einen ebenso pfiffigen wie durchdachten Do-It-Yourself-Blog bieten, der Mütter und ihre Kinder gleichermaßen verzaubert?

Ist statt Geschichten aus der Folterkammer und direkt aus der Mitte meiner Vierecksbeziehung ein Foodblog möglicherweise viel leserorientierter und bietet den hochgelobten Mehrwert?

Da fällt mir noch ein: Ein Gastbeitrag unserer schreibenden Domina Frau Schwarz wird übrigens auch dabei sein. 
 
Es kommt also Großes, Spannendes, Neues und Unterhaltsames auf uns zu.  Sag nie „Das ist nichts für mich!“ bevor du es nicht ausprobiert hast. So ging es mir übrigens mit Lasertag, Taekwondo, PoleDance und griechischem Puddingkuchen. Ihr dürft also gespannt sein. Ich bin es auch.


Futur II - Ich werde gebloggt haben (da fällt mir nix zu ein)

Auch wenn man es den Artikeln möglicherweise nicht anmerkt ist gerade in den letzten Wochen das regelmäßige Veröffentlichen für mich eher zur Qual als Freude geworden. Ein paar private und berufliche Veränderungen lassen kaum noch Zeit zum Schreiben aus Spaß an der Freude. Vielmehr fängt man Montags an verzweifelt zu überlegen, was und vor allem wann man für den Mittwoch schreibt. Die Tage zuvor bewegt man sich irgendwo zwischen Lähmung und schlafendem Schweinehund auf dem Sofa. Wobei „bewegt“ nicht wirklich zutreffend ist. 
Dieser Zustand hat mir die Freude am Schreiben ein bisschen vermiest. Und daher muss ich was ändern. Als Königin der Selbstgeißelung - ihr erinnert euch vielleicht an das gelbe Ekelgebräu, das mir zu Beginn des Jahres half in mein unverschämt knappes Faschingskostüm zu passen - hab ich mir selbst den Druck gemacht, der hier nicht hin gehört.

Es wird ab November vermutlich nicht mehr wöchentlich neue Artikel geben, Veröffentlichungstag bleibt aber dennoch der Mittwoch. Da gibt’s dann entweder wie gewohnt frische Gedankenrohkost oder aber etwas Recyceltes – ihr wisst schon, wie Reste-Kochen. Man macht aus dem, was da ist und zu gammeln anfängt irgendwas, bei dem keiner das abgelaufene MHD schmeckt. 

Zu Deutsch: ich krame einen alten Artikel heraus, hübsche ihn bei Bedarf ein wenig auf und versuche ihn noch einmal unter die Leute zu bringen. 

Vielleicht fällt er so Menschen vor die Newsfeed-Füße, die genau diesen einen Blogpost noch nicht kannten, weil sie sich eben noch nicht durch die unendlichen Weiten meiner Geistesleere gekämpft haben. Oder aber ihr macht es wie ich und lest einfach nochmal. Weil’s schön ist. Übrigens bleibt bei Facebook alles beim Alten, hier gibt es weiterhin den Untertitel zu allen Live-Alltags-Absurditäten. Und noch was bietet Beständigkeit: Tippfehler, Kommas und all die anderen charmanten Echtheitszertifikate.

Jetzt hab ich in einem Artikel, der verglichen mit dem Rest meines "Werkes" eher wenig Story aber dafür umso mehr Botschaft besitzt, knapp 1800 Wörter verbastelt. Und ihr habt genauso viele Wörter gelesen. In der Zeit hättet ihr übrigens auch was Interessantes, Informatives oder Lehrreiches lesen können. Und ich hätte etwas ebenso Interessantes, Informatives und Lehrreiches schreiben können. Haben wir aber nicht. Deswegen mag ich bloggen.

An dieser Stelle bitte drei Kreuzchen 
und eine "Frau Müller"-Unterschrift
mit Herzchen an Stelle der Ü-Striche vorstellen. 
Ich weiß nicht wie das geht. 
Bin doch Grafik-Hauptschüler.

So und jetzt rüber zu Facebook 

Damit ihr diese „Unfucking Fame“-Party nicht verpasst.