Lehrer sind auch nur Menschen. Und nicht jeder trifft sich abends mit Kolleginnen abwechselnd zum Nordic Walking oder zum Fortgeschrittenenkurs in Seidenmalerei. Ich denke ich bin das Kuckucksei im Lehrerzimmer. Etwa wie ein Veganer, der ausversehen Metzger geworden ist oder ein Pilot mit Höhenangst. Oder wie eine Franzi van Almsick, die immer wieder vom Schwebebalken fällt weil sie noch nie jemand ins Wasser geschubst hat.

Mittwoch, 7. März 2018

Der SchMärz ist zurück… und er bleibt!



 „Hi! Ich schreib dir jetzt einfach mal, um dir Danke zu sagen. Das hatte ich schon länger vor, hab mich aber – warum auch immer – bisher nicht getraut.
Danke, dass du in deinem Blog so ehrlich bist. Mit dir selbst, mit deinem Leben, deinem Job, deiner Sexualität. Dass du anonym agierst, hat für mich überhaupt nichts damit zu tun. Manchmal muss man sich von seiner Identität befreien, um so zu sein, wie man wirklich ist, um sagen zu können, was man tatsächlich denkt, was man fühlt.
Viele deiner Texte haben mich sehr berührt, mich zum Nachdenken gebracht, zum Lachen sowieso.
Wenn dein SchMärz nicht gewesen wäre, und auch deine persönliche sexuelle Revolution, hätte ich mich nie getraut, mein eigenes Sexleben zu überdenken und neu zu gestalten. Mein Mann ist hin und weg über so viel Offenherzigkeit und Lust neuerdings, wir haben in den letzten acht Wochen so viel über Sex gesprochen wie noch nie in dreizehn Jahren zusammen und auch haben wir noch nie so viel neues ausprobiert.
Danke fürs Mutmachen, dafür, dass ich wieder ein bisschen mehr Vertrauen in meine Libido habe kann.“

Der vergangene SchMärz hat Spuren hinterlassen, die vermutlich nachhaltiger sind, als rote Striemen und Blaue Flecken. Und dabei war es vorrangig gar nicht mein Ziel, mit einem Monatsthema, bei dem sich alles um BDSM dreht, sexuelle Revolutionen zu initiieren. 

Nach dem mir nach wie vor unverständlichen Hype um diesen Klischeeklamauk Shades of Grey war es mir lediglich ein Bedürfnis einiges richtig zu stellen. Was eignet sich dafür besser, als einerseits eigene Erfahrungen und anderseits der Erfahrungsschatz echter Insider.

Unterhaltung war mein eigentliches Ziel. Aber ehrlicher, realer und wenn nötig auch unbequemer als eine Kinoschmonzette mit falschen Rollenbildern und Pseudohappyend. Dass ich damit bei einzelnen Leserinnen (und Lesern) mehr bewegen konnte, ehrt mich und macht eine Fortsetzung des Monatsthemas zur Ehrensache.

Warum eigentlich so viel Zeit und Mühe verschwenden für ein Thema wie BDSM? Ich hatte es in meinem Einstiegsartikel zum ersten SchMärz schon einmal beschrieben. Die Fragen bleiben im Grunde die Gleichen:


...Warum war und ist Shades of Grey so ein großer Erfolg?
...Ist dieser Erfolg ein Befreiungsschlag oder ein Armutszeugnis?
...Warum polarisiert es so?
...Ist das Buch und sein Erfolg nicht eigentlich ein Schlag ins Gesicht einer   Feministin?
...Sind wir Frauen vielleicht gar nicht so stark und selbstbestimmt wie wir immer glauben und benötigen dringend eine führende Hand, die uns zeigt was WIR eigentlich wollen?

Ich habe bei einer sogenannten „Women in public disgrace“ Frauen erlebt, die vor Publikum geschlagen, erniedrigt und gedemütigt wurden bis manchen von ihnen die Tränen kamen. Die umsitzenden Personen wurden vorab gewarnt, angesichts der vor innen liegenden Szenen. Sie wurden gebeten, sich der Einvernehmlichkeit aller Beteiligten bewusst zu werden und den Raum eher zu verlassen, wenn ihre eigenen Grenzen überschritten würden.

Dabei war das Publikum und seine Reaktionen Teil einer minutiös geplanten Szenerie, über die sich die vorgeführte Sub und der ausführende Dom vorher genau Gedanken gemacht hatten. Die devote Frau hatte eine detaillierte Vorstellung von ihrer Phantasie, ihren Wünschen und ihren Grenzen. Innerhalb dieser ließ sie dem Herrn freie Hand. Seine Aufgabe wiederum war es, sie in dem von ihr vorgegebenen Rahmen an ihre Grenzen zu bringen, ihre Lust nach Befriedigung durch Unterwerfung zu bedienen. Wer hat in dieser Konstellation die meiste Macht? Wer bestimmt den Verlauf des Abends? Und wer trägt die Last der Verantwortung?
Kaum eine Stunde nach dem sie dem Publikum, das überwiegend aus Paaren bestand, vorgeführt wurden, erlebte ich diese schönen, selbstbewussten Frauen fröhlich und entspannt mit einem Glas Sekt in der Hand beim Smalltalk an der Bar. Nur die dunkelroten Striemen an Armen und Schenkeln erinnerten an das, was noch vor wenigen Minuten geschah. Und die Männer (und Frauen), von denen einige die anonyme Nackte im Scheinwerferlicht peitschten, an den Haaren zogen oder sogar mit irgend etwas penetrierten, begegneten der Dame nun auf Augenhöhe. Noch einmal die Frage: Wer hat die Macht? Wer beweist Kraft?

Fragen, die vielleicht beantwortet werden. Fragen, die der SchMärz beantworten will. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht muss auch jeder Leser selbst eine Antwort finden.

Was das eben beschriebene Event angeht, werde ich mich vermutlich an anderer schMärzlicher Stelle etwas ausführlicher äußern. Nicht ohne einen Cliffhanger allerdings, der erst in der Fortsetzung von Ovids Erben, sofern es eine gibt, aufgelöst wird.

Da es sich bei meinem Wissen rund um BDSM zugegebenermaßen nach wie vor mehr um Meinung als um Ahnung handelt, mir allein der Stoff fehlt, einen ganzen Monat mit Beiträgen rund ums Unterwerfen und Unterworfen werden zu füllen und das Thema außerdem so vielgestaltig ist wie die Menschen, die ihr Herz daran verloren haben, habe ich mir auch in diesem Jahr wieder Unterstützung gesucht.

Nachdem euch die selbstbewusste und gestrenge Domina Frau Schwarz und auch Fräulein Weiß, nicht weniger selbstbewusst aber aus tiefstem Herzen devot, mit ihren Geschichten im letzten Jahr begeistern konnten, habe ich für 2018 zwei neue Damen für euch ausfindig gemacht. Ich will jedoch nicht vorgreifen und die Ladys schubladisieren, bevor sie sich überhaupt vorstellen konnten. Seid also gespannt auf Diana Mars und Elly Addams.

Mit etwas Glück feiern wir vielleicht auch in ferner Zukunft ein Wiederlesen mit Ann Marie – unserer Lusttrainerin aus Roissy. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass sich möööglicherweise auch in nicht allzu ferner Zukunft eine männliche Stimme zu Wort meldet.

Ganz schön viel Output für vier Wochen SchMärz, werdet ihr womöglich denken, zumal uns die beiden neuen Damen recht viel zu erzählen haben. Das hat sich auch Frau Müller gedacht und darum einen Plan gemacht. Diesen Satz bitte erneut lesen und über den spontanen Reim freuen.

In den vier vor uns liegenden SchMärz-Wochen lernen wir wie gewohnt mittwochs zunächst unsere zwei neuen Gastautorinnen kennen. Den Abschluss des offiziellen SchMärz bildet voraussichtlich der SchMärz-Talk, ein ganz neues Format, möglicherweise am besten zu beschreiben als „Pyjamapartygespräche unter Erwachsenen“ mit Fortsetzungscharakter. Seid gespannt.

Wie in der Überschrift bereits angedeutet, bleibt uns der SchMärz über die Monatsgrenze erhalten. Es wird eine ganz eigene Blog-Kategorie geben, unter der die vierzehntägig erscheinenden SchMärz-Beiträge gesammelt werden. Das hat für die Schubladenfans unter euch Lesern den Vorteil, sich leichter zurecht zu finden und für Frau Müller bedeutet es, dass auch die hellschwarzen Seiten des Blogs unter dem ganzen Peitschenknallen und qualvollen Stöhnen noch Beachtung finden. 

Kurz: Alle Freunde und Fans von Absurdistan und allen anderen ganz und gar lack- und lederFREIEN Storys aus der müllerschen Manufaktur bekommen ab April wie gewohnt mittwochs neues Futter. Die SchMärz-Kategorie ist zusätzliches Leckerli für meine nicht weniger geschätzten Liebhaber des schlüpfrigen Lesestoffs.

Den SchMärz-Geschichten ein Zuhause geben, aber das Kuckucksei im Lehrerzimmer lassen und nicht in die Folterkammer befördern. DAS ist das Ziel. Dieser Blog ist das Leben – und da reiht sich schließlich auch nicht eine Session an die andere. Keine Sorge, Frau Müller schult nicht um – weder zur Domina noch zur Berufssklavin. Wobei, kürzlich las ich, dass der Exorzismusverband ein Nachwuchsproblem hat. Vielleicht sollte ich mich dort mal nach Verdienst und Arbeitsbedingungen erkundigen. Schließlich kommt nach Zufriedenheit Stillstand und jemandem den Teufel auszutreiben kann ja wohl nicht anspruchsvoller sein, als Rotzbläschen-Fabians Spuckepfützchen aufzuwischen.
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